Coronainfektionen

Facharzt befürchtet weiteren Anstieg der Zahlen

Prof. Dr. Winfried Randerath betreut in Bethanien Corona-Patienten. Foto: Christian Beier
+
Prof. Dr. Winfried Randerath betreut in Bethanien Corona-Patienten.

Prof. Dr. Winfried Randerath, Chefarzt der Lungenfachklinik Bethanien, sieht Solingen gut vorbereitet.

Von Simone Theyßen-Speich 

Herr Professor Randerath, machen Sie sich angesichts der zuletzt gestiegenen Coronainfektionen Sorgen?

Prof. Randerath: Ja und nein. Ja deswegen, weil jede Steigerung zeigt, dass das Virus weiter da ist und weiter ein Risiko ist. Sobald wir bei der Aufmerksamkeit nachlassen, gehen die Zahlen hoch, und sie werden im Herbst auch noch weiter hochgehen. Optimistisch macht mich die Tatsache, dass wir derzeit nicht viele Schwerkranke haben.

Worauf führen Sie zurück, dass die Zahl der stationär behandelten Patienten niedrig geblieben ist?

Prof. Randerath: Derzeit behandeln vier Patienten mit Covid-19 stationär. Das zeigt, dass die akut Infizierten nicht so schwere Verläufe haben. Betroffen von der Infektion sind jetzt eher jüngere Menschen. Das liegt auch nahe bei den aktuellen Infektionsketten, zuletzt einer Familienfeier oder einem Seminar. Es gelingt derzeit gut, die Menschen in den Altenheimen oder mit Begleiterkrankungen zu schützen. Diese Personen haben gelernt, vorsichtig zu sein. Sie schützen sich selbst, werden auch von den Angehörigen und Betreuern geschützt. Dass die Gesamtzahl der Infizierten gestiegen ist, ist vor allen Dingen auf einige Großereignisse zurückzuführen. Die Zahl der Einzel-Infizierten liegt derzeit bei fünf bis zehn neuen Fällen pro Tag. Ich befürchte, dass es die Großereignisse weiter geben wird, da Menschen gerade im vertrauten Familienkreis unvorsichtiger sind und keine Ansteckung befürchten.

Wie schwer sind die Patienten erkrankt, die stationär behandelt werden? Gibt es Unterschiede im Vergleich zum Beginn der Pandemie?

Prof. Randerath: Das hat sich nicht wesentlich geändert. Unter den stationären Patienten gibt es immer auch schwer Erkrankte, die auf der Intensivstation behandelt werden müssen. Bis Mittwoch hatten wir noch einen Beatmungspatienten, jetzt gab es wieder eine Einweisung aus einem anderen Krankenhaus. Man muss sich das wie eine Pyramide vorstellen. Unten der breite Sockel sind die Infizierten ohne Symptome, darüber Infizierte mit Symptomen, dann Patienten im Krankenhaus, darüber schwer Erkrankte auf der Intensivstation und zum Glück oben nur eine kleine Spitze mit Todesfällen. Wenn die Ansteckungszahlen insgesamt steigen, wird auch jede einzelne Gruppe größer.

Fürchten Sie für den Herbst eine zweite Welle?

Prof. Randerath: Die zweite Welle ist schon da. Wenn man sich die Kurve vom Robert-Koch-Institut anschaut, sieht man den ersten großen Anstieg Anfang des Jahres. Seit einigen Wochen gibt es einen zweiten Anstieg. Wir wissen noch nicht, wie weit er nach oben geht. Ich rechne mit wachsenden Zahlen im Herbst, weil man mehr drinnen und weniger an der frischen Luft ist. Ein weiteres Problem sehe ich, wenn im Januar die Grippe-Welle hinzukommt, die in der Regel bis März oder April geht.

Wir bereitet sich Ihre Klinik darauf vor? Gibt es für Solingen neue Absprachen?

Prof. Randerath: Die engen Absprachen mit der Stadt laufen regelmäßig weiter. Dabei geht es etwa um die Anpassung von Besucherregelungen oder Einlassregelungen. Im Moment steht auch die Frage im Raum, was passiert, wenn Solingen die 7-Tage-Inzidenz von 50 überschreiten sollte. Dann müsste seitens der Stadt wieder über strengere Maßnahmen gesprochen werden. Ansonsten halten wir an den bestehenden Maßnahmen fest, auch, wenn etwa die Besuchsregelung im Krankenhaus manchmal schwer zu vermitteln ist. Die Solinger Krankenhäuser halten ansonsten alles vor, um Betten-Kapazitäten wieder zu erhöhen, wenn die Patientenzahlen steigen sollten. Die Betten in der Bethanien-Kapelle und im Blauen Salon des Klinikums können in kürzester Zeit wieder hergerichtet werden. Wir sind relativ entspannt, weil wir auf eine neue Situation schnell reagieren können.

Bethanien übernimmt nun auch Testungen für die niedergelassenen Ärzte. Wie viele Menschen testen Sie täglich?

Prof. Randerath: Seit vergangener Woche ist die Zahl der Tests explodiert. Am letzten Montag hatten wir 280, am Dienstag 160 Tests. In den ruhigen Phasen der vergangenen Monate waren es 20 bis 30 am Tag. Massiv hochgeschossen ist die Zahl vor allen Dingen wegen der lokalen Ausbrüche in Schulen, Kitas, wo große Gruppen getestet werden müssen. Erfreulicherweise gibt es aber wenige positive Ergebnisse. Die Steigerung liegt also nicht an der Übernahme von Testungen für die niedergelassenen Ärzte. Sobald die Zahl ansteigt, potenzieren sich natürlich auch die Kontaktpersonen, die getestet werden müssen. Es würde mich nicht wundern, wenn die Zahl von 1000 Tests pro Woche gerissen wird. Ich möchte dabei noch mal an alle, die zum Test kommen, appellieren, auch beim Warten einen Mundschutz zu tragen.

Mitunter lassen die Testergebnisse lange auf sich warten, berichten Leser. Woran liegt das?

Prof. Randerath: Aufgrund der großen Zahl von Testungen dauert es jetzt einfach länger, bis die Ergebnisse aus den Laboren kommen. Leider gab es auch einige Softwareprobleme bei der Übermittlung der Barcodes mit den Ergebnissen. Es besteht auch die Möglichkeit, die Ergebnisse in Bethanien abzufragen, aber das bedeutet für uns natürlich ein riesiges Telefonaufkommen. Derzeit dauert es zwei bis vier Tage, bis die Ergebnisse vorliegen. Wer positiv ist, wird automatisch informiert, deshalb bitten wir darum, von Anrufen abzusehen.

Wann ist der groß angelegte Reihentest in Altenheimen abgeschlossen, den Stadt und Bethanien initiiert haben und wann ist mit Ergebnissen zu warten?

Prof. Randerath: Die Tests in den Altenheimen werden Ende des Monats abgeschlossen sein. Bis jetzt gibt es noch keinen einzigen positiv bestätigten Fall. Sollte sich das so bestätigen, ist das ein tolles Ergebnis. Natürlich müssen die Zahlen erst noch abschließend ausgewertet werden. Aber es zeigt auf jeden Fall, dass es uns bisher gelungen ist, die Menschen in den Altenheimen zu schützen.

Testungen

Bethanien: Aufderhöher Straße 169, montags bis freitags von 13 bis 18 Uhr, samstags von 9 bis 13 Uhr.

Hausärzte: Bei Symptomen oder Verdachtsfall zuvor mit den Hausärzten telefonischen Kontakt aufnehmen.

Aktuelle Informationen zur Corona-Situation in Remscheid erhalten Sie in unserem Corona-Blog.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesen

Weyerstraße nach Unfall gesperrt
Weyerstraße nach Unfall gesperrt
Weyerstraße nach Unfall gesperrt
Wie die Stadt die Inzidenz ermittelt und meldet
Wie die Stadt die Inzidenz ermittelt und meldet
Wie die Stadt die Inzidenz ermittelt und meldet
Seniorin bestohlen und geschubst
Seniorin bestohlen und geschubst
Seniorin bestohlen und geschubst
23-Jähriger schlägt auf Kontrolleurin ein
23-Jähriger schlägt auf Kontrolleurin ein
23-Jähriger schlägt auf Kontrolleurin ein

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Kommentare