Alltag in der Pflege

Expertin: Altenpfleger ist ein Beruf mit Zukunft

Im Altenpflegeseminar Ohligs (Foto) wird wie in Bethanien eine umfassende Ausbildung vermittelt.
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Im Altenpflegeseminar Ohligs (Foto) wird wie in Bethanien eine umfassende Ausbildung vermittelt.

Fachseminare in Bethanien und Ohligs bilden seit Jahrzehnten Nachwuchskräfte aus. Über 2000 Schüler sind es längst.

Von Uli Preuss

Sollte das ein Signal sein, ist es ein schlechtes. In der Krankenpflege bezuschusst das Land Nordrhein-Westfalen die Ausbildung mit über 500 Euro pro Schüler. In der Altenpflege, deren Ausbildung längst ebenso anspruchsvoll ist und auch drei Jahre dauert, ist es gerade einmal die Hälfte. Wo also, fragt sich nicht nur Ausbilderin Ulrike Prange, bleibt die Wertschätzung für einen Beruf, der längst zu einer ernstzunehmenden Größe herangereift ist? Altenpfleger sind gesucht, werden fast überall anständig bezahlt und haben in einer Gesellschaft, deren Mitglieder immer älter (und irgendwann zwangsläufig auch kränker) werden, einen festen Platz eingenommen.

Tanja Goeke vom Altenpflegeseminar Bethanien.

Ulrike Prange weiß, wovon sie spricht. Mit Gründung des St. Joseph Fachseminars für Altenpflege nahm die Leiterin im Oktober 1989 ihre Arbeit an der Langhansstraße auf. „Und wir wurden gleich von den Ereignissen des Mauerfalls mitgerissen“, erinnert sie sich. Sofort betreute sie neue Schüler aus dem Osten der Republik. Seit dieser Zeit hat sie drei Neuerungen in der Ausbildung zu Altenpflegern mitgemacht.

Die gelernte Kinderkrankenschwester wird altersbedingt ausscheiden, nachdem es nach Einführung der Generalistik 2020 bei künftig gemeinsamer Ausbildung der Kranken- und Altenpflege ihr Fachseminar in der alten Form nicht mehr geben wird.

Mit freien Dozenten und drei fest angestellten Pädagogen bildet das Fachseminar an der Ohligser Langhansstraße aktuell zwei Kurse mit bis zu 28  Schülern aus. Allmählich wird der Ausbildungsberuf auch für Männer attraktiver, weiß die Leiterin. Im Moment belegt rund ein Drittel angehender Altenpfleger und Altenpflegehelfer die Klassenräume. Insgesamt hat man seit Gründung schon bis zu 700 Altenpflegerinnen und Pfleger ins Berufsleben geführt. „Wir wollen helfen und arbeiten gerne am Menschen“, ist fast immer die Antwort auf die Frage, warum die jungen Menschen den Beruf ergreifen wollen, erklärt Ulrike Prange. Längst käme die schöne Erkenntnis hinzu, dass Altenpflege ein sicherer Job sei und eine Menge Weiterbildungsmöglichkeiten vorhanden seien. Von ihren Schülern erwartet Ulrike Prange als Eignung Engagement, Teamfähigkeit, Empathie, Humor und sichere Kommunikationsformen. Und, das fügt die Leiterin noch hinzu: „Eigenpflege ist ebenfalls wichtig.“ Absolventen mit langen, künstlichen Fingernägeln hätten es im Pflegalltag schwerer und Heimbewohner würden sicher ungern von jungen Kettenrauchern betreut.

Seniorenheime und Kliniken müssen künftig mehr kooperieren

Ansonsten sei die Ausbildung längst genauso anspruchsvoll wie im krankenpflegerischen Bereich. Mit 2100 Theoriestunden und 2500 Praxisstunden ist sie auch genauso intensiv. Und ganz allmählich käme es dann doch zu der gewünschten Wertschätzung. Wenn die Generalistik die Kranken- und Altenpflegeberufsausbildung zusammenführe, könnte das auch eine Chance sein, zusammenzuwachsen. Denn immer mehr Alte werden krank und immer mehr Menschen alt. Prange glaubt: Bereits in der Ausbildung – aber auch danach – müssten Kliniken und Seniorenheime sowieso mehr kooperieren.

Kaum anders sieht die Ausbildung in den Seminaren für Altenpflege in Bethanien aus. 28 Schülerinnen lernen dort auf dem Gelände der Diakonie den Beruf im Fachseminar für Altenpflege. Dort bildet man seit 42 Jahren aus. Rund 1500 Altenpfleger wurden in den Jahrzehnten bereits in Aufderhöhe betreut. Hier hat man Erfahrung und die Fachlehrer wissen, wie sich der Beruf der Altenpflege im Laufe der Zeit verändert hat.

Schulleiterin Tanja Goeke glaubt aber nicht, dass die Menschen draußen verstehen, wie anspruchsvoll so eine Ausbildung ist. „Längst sind wir über einfache Betreuung hinaus“, sagt die 41-Jährige.

Anatomie ist in den Fachseminaren ebenso längst ein Lehrfach wie innere und chirurgische Medizin, Lebens- und Wohngestaltung, das Bewältigen von Lebenskrisen der Senioren, Hilfe bei Finanzierungen, der Umgang mit Tod und Sterben. Eben fundierte Kenntnisse, die die vielerorts übliche Betreuung von bis zu zehn Senioren auf einer Station möglich machen. „Im Krankenhaus sind viele auf einem Flur, hier bei uns oft nur eine Helferin“, sagt Tanja Goeke. Die müsse dann ganz genau wissen, wann sie einen Arzt zu rufen habe, beschreibt Goeke Tag- und Nachtroutine im Pflegeheim. Das alles bei Anreizen, die nicht gerade förderlich sind. Eine anstrengende Arbeit unter Bedingungen, die kaum individuelle Ideen zulässt, dafür aufreibende Schichtdienste und körperliche Bedingungen am Arbeitsplatz, die Berufskrankheiten fördern.

SCHULEN UND SEMINARE

KPLUS Altenpflege und Altenpflegehilfe kann man erlernen im St. Joseph Fachseminar für Altenpflege. Leiterin ist Ulrike Prange. E-Mail-Kontakt:

info@k-plus.de

BETHANIEN Das Fachseminar Altenpflege in Bethanien bildet seit 42 Jahren aus. Seminarleiterin ist Tanja Goeke.

www.fachseminar-altenpflege-bethanien.de

Und moderne Arbeitsgeräte? Die würden nun mal eher Geld kosten als welches einbringen. „Siri“ sei zwar in aller Munde, in der Pflegepraxis nutze man stattdessen oft die gute, alte Karteikarte, Tablets hielten nur allmählich Einzug. Und die im Fernsehen bestaunten Heberoboter seien nur in China und Japan kein Wunschtraum mehr. Goeke: „In unserer Gesellschaft ist Altenpflege eine Dienstleistung, die Geld bringen muss.“ Viele litten zudem am Leid derer, die sie teilweise bis zu sechs Jahre betreuten, weiß die Krankenschwester. „Da triffst du täglich liebe Menschen und erlebst mit, wie die von Tag zu Tag gesundheitlich schlimmer dran sind“, sagt Goeke. Angehörige hätten es leichter. Die verließen sich auf zuverlässige Betreuer und kämen einmal in der Woche zu Besuch.

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