Fachvortrag

Experten streiten über Cannabis-Gesetze

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Cannabis ist die am häufigsten konsumierte illegale Droge in Deutschland.

Der Verein „Impuls“ hatte zum Fachvortrag mit Diskussion eingeladen. Rund 80 Besucher erlebten eine intensive Debatte.

Von Jutta Schreiber-Lenz

Sollten Verkauf und Konsum von Cannabis legalisiert werden? Welche gesundheitlichen Risiken birgt das Kiffen für Jugendliche und junge Erwachsene? Würde eine Legalisierung dazu führen, dass mehr Menschen die Droge konsumieren? Diese Fragen standen gestern Abend im Fokus von „Zoff um den Stoff“ im Veranstaltungsraum der Sparkasse. Der Verein für Jugend- und Bewährungshilfe „Impuls“ hatte eingeladen – rund 80 Besucher waren gekommen. Auffällig: Viele Jugendliche saßen im Auditorium.

Der Bochumer Professor Dr. Pedro Faustmann, Neurologe und Gerichtsgutachter, legte mit einem Impulsvortrag die Grundlage für die lebhafte Debatte auf dem Podium. Sein Fazit: Cannabis ist nachgewiesenermaßen ein Stoff mit neurotoxischer Wirkung, der insbesondere bei Heranwachsenden nachhaltig zu Psychosen und zur Herabsetzung der geistigen und psychosozialen Leistungen führen kann.

„Wie verhindert man am ehesten, dass Jugendliche Drogen nehmen – durch ein gesetzliches Verbot unter Androhung von Sanktionen oder durch die Freigabe?“ Diese Frage reichte der Moderator, ST-Redakteur Philipp Müller, an den Podiumstisch weiter.

Mit Dr. Cyrus Pachutani, Facharzt für Abhängigkeitserkrankungen in der LVR-Klinik in Langenfeld, kam ein Mediziner zu Wort, der eine Lanze dafür brach, cannabinoide Substanzen aus der Ecke der Kriminalität zu holen. „Auf diese Weise würde man den illegalen Beschaffungsmarkt austrocknen und hätte nicht zusätzlich mit den zumeist schädlichen Beimisch-Substanzen zu tun, von denen man nicht einmal weiß, in welcher Konzentration sie dazugegeben werden.“

Jugendrichter warnt vor den Folgen des Konsums

Frank vom Scheidt, Kreisverbandssprecher der Grünen aus Remscheid, schloss sich klar dieser Meinung an. „Mit der bisherigen Gangart im Gesetz sind wir im Jugendschutz nicht weitergekommen“, sagte er. Joachim Schmitz-Knierim, langjähriger Jugendrichter am Solinger Amtsgericht, widersprach energisch. Er stellte einen Zusammenhang her zwischen dem Konsum von Drogen und einer typischen Täterkarriere. „Am Anfang steht häufig regelmäßiges Kiffen, schließlich Vernachlässigung der Schule, mehrfach abgebrochene Ausbildungen und schließlich die Straftat.“

DEFINITION

NAME Cannabis ist der wissenschaftliche Name der Gattung Hanf und wird umgangssprachlich auch für diese Produkte benutzt. Der Gebrauch von Hanf als Rauschmittel ist in den meisten Ländern verboten, so auch in Deutschland. Cannabis ist hier die am häufigsten konsumierte illegale Droge.

Hans-Joachim Erbel von der Arbeitsgemeinschaft der Rheinisch-Westfälischen Elternkreise drogengefährdeter und abhängiger Menschen befürchtete eine Ausweitung und Zunahme von Abhängigkeiten durch eine Legalisierung. Norbert Schäfer, Leiter der Solinger Jugend- und Drogenberatung, gab dagegen zu bedenken, dass das bestehende Verbot ganz offensichtlich nicht dazu geführt habe, Jugendliche von den Drogen fernzuhalten. „Tendenziell sinkt das Einstiegsalter sogar.“

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