Diskussionsrunde

Bergische Wirtschaft: Experten senden hoffnungsvolle Signale

Viele Branchen erfahren momentan einen digitalen Entwicklungsschub. Dass das zu Lasten der Innenstädte gehen kann, machten die Experten in einer Diskussionsrunde deutlich. Archivfoto: Doro Siewert
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Viele Branchen erfahren momentan einen digitalen Entwicklungsschub. Dass das zu Lasten der Innenstädte gehen kann, machten die Experten in einer Diskussionsrunde deutlich.

Dialog des Marketing-Clubs Bergisch Land.

Von Timo Lemmer

Bergisches Land. Schon der Rahmen der zweiten Auflage von „Marketing im Dialog“ des Marketing-Clubs Bergisch Land machte deutlich, dass momentan vieles anders ist: Der Austausch von Bergischen Marketingexperten sowie Wirtschaftsvertretern aus dem Städtedreieck fand überwiegend digital statt. Die Gastgeber um den Club-Vorsitzenden Patrick Hahne oder den Moderator des Abends, Wuppertals Uni-Rektor Lambert T. Koch, streamten aus der 19. Etage der Wuppertaler Stadtsparkasse – und wollten doch so gut es geht weg von Corona. „Wir wollen den Blick nach vorne wagen“, eröffnete Koch: „Was bleibt nach dem Aufräumen, und was wird sich ändern?“ Es bestehe schließlich Hoffnung, dass Krise auch als Wendepunkt zum Besseren verstanden werden könne.

Dafür lieferte Stephan Grünewald Impulse: Der Psychologe und Marktforscher vom Rheingold-Institut in Köln hat sich in den vergangenen Monaten intensiv mit den kurz- und langfristigen Corona-Auswirkungen in der Gesellschaft auseinandergesetzt. „Corona ist eine ungeheure Ohnmachtserfahrung“, eröffnete der 60-Jährige, in dessen Institut Tiefen-Interviews der deutschen Seele auf den Grund gehen – so versprechen es jedenfalls seine Sachbuch-Titel. „Keine Handhabe zu haben, ist psychologisch der größtmögliche Störfall.“

Marktforscher legt elf Entwicklungstrends in der Krise vor

Da Grünewald und seine Kollegen die Psyche unter anderem für Konzerne ergründen, und diese ihre Strategien daraufhin anpassen, gab er den Teilnehmern aus dem Bergischen gleich elf Entwicklungstrends mit, die er durch Corona in den Sphären Privates, Beruf und Ökonomie ausgemacht hat – und die seiner Einschätzung nach bestehen bleiben. Beispiele, die die Unternehmer mit Interesse zur Kenntnis nahmen: Digitalisierung des Geschäftsverkehrs, Nachhaltigkeit als Hygienefaktor, Stärkung der Regionalität oder „ein Werte-Wandel, der ein Ende von höher, schneller, weiter mit sich bringt“.

Darüber hinaus gehört Grünewald in NRW dem Corona-Expertenrat an. Eine Überzeugung, die er dort auch im Austausch mit der Politik – unlängst sei die Bundeskanzlerin zu Gast gewesen – gewinnen konnte: „Es wird nicht den endgültigen Sieg über Corona geben. Wir werden mit dem Virus leben müssen.“

Eine anschließende Vierer-Runde aus der bergischen Wirtschaft vermochte es dann, positive Signale zu senden. Sei es, weil sie wie Christian Busch vom Mode-Unternehmen Walbusch aus Solingen oder Ralf Putsch vom Cronenberger Zangen-Experten Knipex gut bis sehr gut durch die Krise gekommen waren. Busch: „Das beobachten wir mit Dankbarkeit, Demut und Respekt, weil es momentan in unserer Branche überhaupt nicht selbstverständlich ist.“

Putsch berichtete von einem digitalen Entwicklungsschub. Katrin Becker, Managerin der Wuppertaler City-Arkaden, sorgte sich derweil vor allem um die Innenstädte, die sich drastisch verändern würden: „Wenn ich durch Remscheid oder Solingen gehe, sieht man in den Fußgängerzonen viel Handlungsbedarf. In Wuppertal sieht das noch etwas anders aus.“ Der Wuppertaler Colja Dams, der mit VOK Dams Eventmarketing betreibt, machte dabei Hoffnung: Vieles werde nicht wegfallen, nur die Form ändere sich bisweilen.

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