Experten diskutieren über die Mobilität der Zukunft

Der öffentliche Raum müsse neu aufgeteilt werden, meint Ingo Kollosche vom Berliner Institut IZT. Archivfoto: up
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Der öffentliche Raum müsse neu aufgeteilt werden, meint Ingo Kollosche vom Berliner Institut IZT. Archivfoto: up

SPD-Ratsfraktion lud zur digitalen Konferenz ein

Von Rainer Lange

Mobilität stand im Mittelpunkt des zweiten digitalen Zukunftsdiskurses der SPD-Ratsfraktion. Im Stream kamen drei Experten zu Wort. Sie befassten sich im Sinne der Nachhaltigkeitsstrategie mit Fragen rund um die Mobilitätswende für eine moderne Stadt Solingen.

Mobilität der Zukunft: Ingo Kollosche, Diplom Sozialwissenschaftler, Zukunftsforscher und Forschungsleiter Mobilität beim Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung (IZT) in Berlin referierte über Aspekte notwendiger Veränderungen. Aktuell in der Corona-Krise spiele der Rückgang beim Öffentlichen Personennahverkehr eine große Rolle. Ökologisch und für die Einnahmen der Verkehrsbetriebe und der Kommunen seien Nachteile zu erkennen. Radverkehr und Fußverkehr haben zugenommen – aber eben auch der Autoverkehr. Offen sei, wann und wie sich dies zurückentwickele. „Mobilität ist etwas, das auch in den Köpfen der Menschen beginnt“, so der Zukunftsforscher. Sie sei ein Spiegelbild der Gesellschaft. Politische Veränderungen, finanzielle Förderungen und auch zukünftige Verbote von Verbrennungsmotoren flankieren die „Transformation“, wie er es nennt. Positiv sei die Digitalisierung. Ein Beispiel: eine App mit komplettem Zugang zu Mietwagen, Taxi, Elektroroller und ÖPNV – „Mobility as a Service“ genannt. Die ältere Generation sei daran aber noch wenig interessiert. Vor allem Jüngere setzten bislang auf Carsharing, was wegen des Klimawandels künftig nicht zu umgehen sein wird. Kollosches Fazit: „Wir haben die Möglichkeit, den öffentlichen Raum neu aufzuteilen.“ Manche Straßen könnten autofrei werden und der Raum für Räder ausgedehnt werden.

Fahrräder im Fokus: Aus der Partnerstadt Gouda, die mit 80 000 Einwohnern auf engstem Raum geschickte Verkehrsplanung benötigt, war Jeroen Harmsen zugeschaltet. Er berät die Solinger in Sachen Parkplätze und öffentliche Verkehrsmittel. „Zum Glück haben wir Fahrräder“, so Harmsen. Ein Verkehrszirkulationsplan soll bessere Mobilität bringen und gleichzeitig ermöglichen, die Umweltziele zu erreichen. Der Durchgangsverkehr soll reduziert werden, dies bringe einen Zuwachs an Verkehrssicherung und bessere Luftqualität.

Kein Raum für noch mehr Autos: Prof. Lutz Becker, der selbst in Solingen wohnt und in Köln an der Fresenius-Hochschule unterrichtet, begleitet seit Jahren die Nachhaltigkeitsstrategie in Solingen. Veränderte Mobilität müsse funktionieren. Mehr Homeoffice sei eine Lösung. Berufspendler verschwendeten Zeit und Lebensqualität. Der Platzbedarf für Autos steige in Solingen in den kommenden 20 Jahren. Dies sei immens: „5600 Autos bedeuten ein Raumbedarf von 112 000 Quadratmetern. Den Platz haben wir nicht. Wir sind an einen Punkt gekommen, wo es nicht mehr so weiter geht.“

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