Experten diskutieren online über „Schule versus Virus“

Wie es um den Wert eines Schulabschlusses in Zeiten der Pandemie gestellt ist

Von Jutta Schreiber-Lenz

Die drei Podiumsgäste von Moderatorin Annette Hager waren sich einig: Natürlich halte man die Luft mit Blick darauf an, ob sich mit der Öffnung der Schulen, nun Schüler oder Lehrer mit dem Virus Sars-CoV-2 infizierten, sagten Schuldezernentin Dagmar Becker, Timon Nikolaou von der Landesschülervertretung und Claus Alexander Wyneken, Schulleiter des Wuppertaler Gymnasium Am Kothen. Sie waren bei der aktuellen Ausgabe der „Politischen Runde“ Gäste der Bergischen VHS, die als Livestream gesendet wurde. Aller Hygiene- und Abstandsregeln zum Trotz bleibe ja ein Restrisiko – selbst im von allen ausdrücklich befürworteten Wechselmodell, mit dem in NRW seit letzter Woche die Primarstufe und die Abschlussklassen wieder unterrichtet werden. Trotzdem sei die Öffnung richtig. „Lediglich die Priorisierung sehe ich kritisch“, sagte Claus Wyneken, der es für wichtiger gehalten hätte, dass nicht die Abschlussklassen zusammen mit der Primarstufe den Vortritt zum Präsenzunterricht bekommen, sondern die Schüler, für die jeder weitere Tag ohne soziale Gemeinschaft in der Schule ein weiterer Entwicklungsrückschritt sei. Auch mit dieser Ansicht erntete er zustimmendes Kopfnicken von seinen Diskussionspartner auf dem Bildschirm. Schule sei schließlich viel mehr als lediglich die Vermittlung von Lernstoffen in einem festgesetzten Lehrplan, sagte auch die Solinger Schuldezernentin Dagmar Becker, Schule sei Kommunikationstraining mit Gleichaltrigen, mit netten und auch als schwierig empfundenen Lehrern, sein zu bewältigender Schulweg und das stückweise Entdecken eigener Stärken und Schwächen.

Wer da immer nur auf konfigurierte Abschlüsse starren würde, springe zu kurz. Die Digitalisierung sei enorm wichtig, aber damit dürften Schüler nicht allein bleiben.

Jugendlichen wurde Flexibilität und Frustrationstoleranz abverlangt

Corona habe wie ein Brennglas gewirkt beim Blick auf Schule gewirkt, ergänzte Timon Nikolaou, der eine zu geringe Einbindung der Schülervertretungen bei Entscheidungen über deren Zukunftsausrichtung bedauerte. Übrigens seien die Abschlüsse der Corona-Jahrgänge keineswegs weniger wert, weil möglicherweise weniger Lernstoff als vorgesehen vermittelt worden sei, sagte Claus Wyneken. Das Gegenteil sei der Fall: „Was diesen Jugendlichen an Flexibilität, Frustrationstoleranz, und Durchhaltevermögen abverlangt worden ist und nun wieder wird, kann man als Lebensrüstzeug höher einschätzen als das eine oder andere liegengebliebene Fachwissen.“

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesen

Solingen bleibt in Inzidenzstufe 2
Solingen bleibt in Inzidenzstufe 2
Solingen bleibt in Inzidenzstufe 2
Fahren trotz Verbot: Autofahrer ignorieren Absperrungen
Fahren trotz Verbot: Autofahrer ignorieren Absperrungen
Fahren trotz Verbot: Autofahrer ignorieren Absperrungen
Corona: Ab heute gelten strengere Regeln - Weiter höchster Wert im Bund - Impfmobil unterwegs
Corona: Ab heute gelten strengere Regeln - Weiter höchster Wert im Bund - Impfmobil unterwegs
Corona: Ab heute gelten strengere Regeln - Weiter höchster Wert im Bund - Impfmobil unterwegs
Strengere Corona-Regeln in Solingen: So reagieren die Behörden
Strengere Corona-Regeln in Solingen: So reagieren die Behörden
Strengere Corona-Regeln in Solingen: So reagieren die Behörden

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Kommentare