Experte: Kinderarmut ist ein Langzeitskandal

Prof. Christoph Butterwegge beleuchtet Gründe für die Armut in Deutschland. Foto: Ralph T. Niemeyer
+
Prof. Christoph Butterwegge beleuchtet Gründe für die Armut in Deutschland.

Christoph Butterwegge sprach bei der Bergischen Volkshochschule

Von Tanja Alandt

Vor Ort und ebenfalls per Zoom konnte am Freitagabend in der Bergischen Volkshochschule an der Mummstraße der Vortrag von Prof. Dr. Christoph Butterwegge über die Kinderarmut in Deutschland verfolgt werden. „Jedes siebte Kind lebt von Hartz IV“, informierte der Politikwissenschaftler. Und er geht von einer hohen Dunkelziffer der Kinderarmut aus, die beispielsweise durch Wohngeldbezug die Statistik beschönigt.

Durch Corona habe sich die Armut sowie die Schere zwischen Arm und Reich gravierend vergrößert. Butterwegge nannte Fakten: Bereits vor der Pandemie gab es 678 000 wohnungslose Menschen – davon 441 000 Geflüchtete sowie mindestens 40 000 Menschen ohne Obdach, berichtete er.

„Wenn Jugendliche im tiefsten Winter mit Sandalen und Sommerklamotten auf dem Schulhof stehen, ist es schlimmer, ausgelacht zu werden, als die Kälte zu spüren“, ermahnte er. „In Nairobi wird nicht gefragt: Warum bist du arm? Bei uns müssen sich die Armen rechtfertigen“, erläuterte er und warnte eindringlich davor, „die Armut im Vergleich zu den Entwicklungsländen zu verharmlosen“.

Er machte bewusst, dass die 45 reichsten Familien zusammen mehr als 40 Millionen ärmere Menschen zusammen besitzen und kritisierte das Matthäus-Prinzip, nachdem denjenigen, die generell wenig besitzen, das Wenige noch genommen wird. Als Beispiel führte er die Mehrwertsteuer an, die die Armen am meisten trifft, und kritisierte zudem die Erbschaftssteuer, die zwar bei einer Eigentumswohnung greift, jedoch nicht für jemand, der einen ganzen Konzern erbt.

Weiter führte er aus, dass das Kindergeld zwar die Reichen erhalten, den Bedürftigen bei Hartz IV jedoch von den Leistungen abgezogen wird. Seine Analyse lautet: Durch die Kinderarmut folgen psychische und physische Beeinträchtigungen, schlechte Noten und geringe Bildungschancen, die später mit der materiellen Armut oder Wohnungsarmut an die eigenen Kinder weitervererbt werden. Das sei ein Langzeitskandal.

13 Euro Mindestlohn für Bedarfsgerechtigkeit

Als besonders gefährdet gelten Alleinverdienende, Alleinerziehende und Familien ohne deutschen Pass. Als Lösung forderte er die Besserstellung durch einen Mindestlohn von 13 Euro pro Stunde, unbefristete Arbeitsverträge und Sozialversicherungen ebenfalls für Solo-Selbstständige für mehr Bedarfsgerechtigkeit.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Autofahrer verliert Kontrolle über sein Auto und kollidiert mit dem Gegenverkehr
Autofahrer verliert Kontrolle über sein Auto und kollidiert mit dem Gegenverkehr
Autofahrer verliert Kontrolle über sein Auto und kollidiert mit dem Gegenverkehr
Händler in Solingen bereiten sich auf 2G-Regel vor
Händler in Solingen bereiten sich auf 2G-Regel vor
Händler in Solingen bereiten sich auf 2G-Regel vor
Sexueller Missbrauch: Gericht verhängt kein Berufsverbot
Sexueller Missbrauch: Gericht verhängt kein Berufsverbot
Sexueller Missbrauch: Gericht verhängt kein Berufsverbot
44 Solinger Hausärzte erreichen bis 2026 das Rentenalter
44 Solinger Hausärzte erreichen bis 2026 das Rentenalter
44 Solinger Hausärzte erreichen bis 2026 das Rentenalter

Kommentare