Buch-Projekt

Exilschriftsteller schrieb „Die braune Pest“ auf der Flucht

Dr. Adrian Jesinghaus möchte das als verschollen geltende Manuskript als Buch verlegen. Foto: jsl
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Dr. Adrian Jesinghaus möchte das als verschollen geltende Manuskript als Buch verlegen.

Solinger veröffentlicht bisher verschollenen Text von Frank Arnau.

Von Jutta Schreiber-Lenz

Solingen. Lediglich ein Kapitel im Erläuterungsteil fehlt noch, ansonsten steht der Veröffentlichung des bis dato als verschollen geltendem Romans „Die braune Pest“ von Frank Arnau nichts entgegen. Dr. Adrian Jesinghaus, Solinger Unternehmensberater und Physiker, der im letzten Jahr mit seinem Roman „Adamas“ debütierte, ist seit einem knappen Jahr mit einem neuen Buch-Projekt unterwegs.

Diesmal ist es kein eigenes literarisches Werk, das er in seinem noch jungen Klingen-Verlag auflegt, sondern die aufgearbeitete Version des noch nie in Buchform erschienenen Romans „Die braune Pest“ von Frank Arnau. Vom Regime der Nationalsozialisten verfolgt, musste der Journalist und Schriftsteller um Leib und Leben bangen. Das Manuskript schrieb er im Jahr 1933 auf seiner Flucht ins sichere Ausland. Es erschien als dreimonatiger Fortsetzungsroman im Widerstand bei der „Saarländischen Volksstimme“, bevor dieses journalistische Partei-Organ der SPD im Zuge der sogenannten Gleichschaltung in der Versenkung verschwand.

Er sei schnell „total angefixt“ von der Idee gewesen, dieses Werk von Arnau endlich einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen, sagte Jesinghaus, der sich dafür den Arnau-Kenner Hans-Christian Napp an die Seite holte. Der hatte nach jahrelanger Suche das Manuskript in einem Bad Homburger Archiv aufgespürt, wo es nur ein einziges Exemplar der gebundenen fraglichen Jahrgänge der ehemaligen Volksstimme gibt.

„Man spürt, das Arnau unter Zeitdruck schreiben musste; das Buch ist nicht glatt zu lesen und als Verleger habe ich mir die Freiheit genommen, vorsichtig sprachlich etwas zu bürsten“, sagt Jesinghaus, der sich voller Akribie in das Projekt gekniet hatte. Er berief sich auf ein breites Netzwerk, um das historische Manuskript für die Veröffentlichung in einen stimmigen Kontext einbetten zu können.

Er, wie auch Hans-Christian Napp beschreiben in vorangestellten Kapiteln die Relevanz des Buches und die Bedeutung des historischen Fundes sowie den Weg zur Veröffentlichung nach mehr als 80 Jahren. Anke Rehlinger, Vorsitzende der saarländischen SPD hat zudem ein Vorwort verfasst, weil ihr damaliger Vorgänger im Amt, Max Braun, den Abdruck als Fortsetzungsroman 1934 ermöglichte.

Eine erste Lesung des Romans soll im Oktober in Wuppertal stattfinden. Für Solingen ist eine Kooperation mit dem Zentrum für verfolgte Künste im kommenden Herbst geplant.

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