Andacht im ST

Exerzitien im Alltagsleben

Diakon Kurt Dohmen
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Diakon Kurt Dohmen

Theologen laden im ST zur Andacht ein – heute der katholische Diakon Kurt Dohmen.

Liebe Leserinnen und Leser,

am 31. Juli feiern wir in der katholischen Kirche den Gedenktag des Ignatius von Loyola. In diesem Jahr fällt der Tag auf einen Sonntag, deshalb werden Sie im Gottesdienst nicht viel davon mitbekommen. Mir persönlich ist der heilige Ignatius zurzeit aber sehr wichtig, denn wir beschäftigen uns bei einer Fortbildung viel mit seinem Leben und Werk.

Ignatius von Loyola war der wichtigste Mitbegründer des Jesuiten-Ordens. Er wurde 1491 auf Schloss Loyola im Baskenland (Nordspanien) geboren und starb am 31. Juli 1556 in Rom. Die sogenannten Exerzitien (von lat. exercitium: Übung) gehen auf ihn zurück. Exerzitien sind Zeiten für geistliche Übungen, die zu einer intensiven Besinnung und Begegnung mit Gott führen können. Für klassische ignatianische Exerzitien fährt man gewöhnlich an einen ruhigen Ort, das kann ein Exerzitienhaus oder ein Kloster sein. Dort bleibt man für einige Tage oder für eine längere Zeit. Oft werden 10-tägige Exerzitien angeboten, es gibt aber auch die Großen Exerzitien, die 30 Tage dauern. Man kann die Exerzitien einzeln oder in einer Gruppe nehmen. Grundlegende Elemente an diesen Tagen sind Gebet und Besinnung, Schweigen, Gespräche mit einem Exerzitienbegleiter und körperliche oder künstlerische Betätigung.

Es bietet sich an, Exerzitien zu nehmen, wenn man vor großen Lebensentscheidungen steht, wenn man generell auf der Suche ist oder sich in seinem Glauben entwickeln möchte. Irgendwann ist es an der Zeit, sich von seinem Kinderglauben zu verabschieden und zu entdecken, wie der Glaube das eigene Leben verändern kann.

Ignatius von Loyola war ein junger adeliger Offizier, eitel und hungrig nach Ruhm. 1521 bei der Verteidigung Pamplonas gegen französische Truppen (Italienische Kriege) wurde Loyola durch eine Kanonenkugel am Bein schwer verletzt und war monatelang ans Bett gefesselt. Wie er in seiner Autobiografie berichtet, las er auf dem Krankenlager eine Sammlung von Heiligenlegenden sowie eine Lebensbeschreibung Christi und kam deshalb dazu, über seine Lebensweise nachzudenken. Er lebte danach einige Monate in Manresa – diese Zeit verbrachte er in Einsamkeit, äußerster Armut und beständig im Gebet. In diese Zeit fallen seine großen inneren Erlebnisse, die er in einem Buch niederschrieb. Dieses Exerzitienbuch, das er vor genau 500 Jahren schrieb, ist heute noch eine wichtige Grundlage für die Ausbildung der geistlichen Begleiter, die Exerzitien geben.

Womit ich wieder bei der Fortbildung bin, die ich zurzeit mache: Seit Jahresbeginn und noch bis in die Mitte des kommenden Jahres werde ich zum geistlichen Begleiter ausgebildet. Wir machen die Ausbildung in einer Gruppe von 21 Männern und Frauen: Seelsorger und Seelsorgerinnen, Ordensleute und interessierte Menschen aus verschiedenen Pfarrgemeinden. Wir bieten in unseren Pfarrgemeinden künftig eine besondere Form der Exerzitien an, für die Sie nicht extra an einen anderen Ort fahren müssen und für die Sie keinen Urlaub nehmen müssen: Exerzitien im Alltag.

Jeder Einzelne soll erkennen, was Gott mit ihm anfangen möchte

Zusammen mit vier weiteren geistlichen Begleitern und Begleiterinnen werde ich diese im November in Ohligs anbieten. Die Teilnehmenden nehmen sich vor, vier Wochen lang im ganz normalen Alltag geistliche Übungen zu machen: morgens die Lektüre und die Besinnung auf einen Bibeltext, abends der Rückblick auf den Tag, das sogenannte Gebet der liebenden Aufmerksamkeit. Wöchentlich kommen ein Gruppenabend und ein kurzes Einzelgespräch hinzu. Wenn Sie dazu Fragen haben oder teilnehmen möchten, rufen Sie mich gerne an oder schreiben mir.

Was ich an diesem Weg, seinen Glauben zu leben, so besonders finde ist, dass es hier nicht darum geht, Glaubenssätze der Kirche, eines Heiligen oder eines anderen Menschen anzunehmen. Jeder Einzelne nimmt vielmehr sein eigenes Leben in den Blick und entdeckt ganz individuell, was Gott mit ihm anfangen möchte. Die Grundannahme dabei ist, dass Gott sich für jeden einzelnen Menschen mehr Freiheit und mehr Leben wünscht. Grundlegende Fragen bei Exerzitien sind deshalb: Wo spüre ich Lebendigkeit? Wohin geht meine Sehnsucht? Wo finde ich Ganzheit, Erfüllung und Sinn?

Diesen Fragen können Sie auch am Wochenende bei einem Spaziergang oder in einer gemütlichen Ecke sitzend nachgehen.
Gott segne Sie!

Ihr Diakon Kurt Dohmen

Zur Person

Kurt Dohmen ist 52 Jahre alt und seit 2016 Diakon im Solinger Westen. Er ist aufgewachsen in Düsseldorf, studierte in Mainz und Köln, wurde 1999 zum Gemeindereferenten beauftragt und 2010 zum Diakon geweiht. Er ist verheiratet und Vater von drei erwachsenen Kindern.

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