Nachruf

Ex-IHK-Präsident Friedhelm Sträter ist tot

Charmant konnte er sein, aber auch bärbeißig: Friedhelm Sträter ging keinem Streit aus dem Wege, aber sein Ziel war es immer, den Zusammenhalt im Städtedreieck zu fördern und die Stellung der bergischen Unternehmen zu stärken. Archivfoto: Christian Beier
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Charmant konnte er sein, aber auch bärbeißig: Friedhelm Sträter ging keinem Streit aus dem Wege, aber sein Ziel war es immer, den Zusammenhalt im Städtedreieck zu fördern und die Stellung der bergischen Unternehmen zu stärken.

Er stand 16 Jahre lang an der Spitze der Kammer und setzte sich für die Interessen der bergischen Wirtschaft ein.

Von Manuel Böhnke und Stefan M. Kob

Friedhelm Sträter ist tot. Der langjährige Präsident der Bergischen Industrie- und Handelskammer (IHK) starb am Montagabend im Alter von 70 Jahren. Mit ihm verliert die regionale Wirtschaft einen „außergewöhnlich engagierten und auch menschlich herausragenden Unternehmer“, würdigt die IHK die Lebensleistung des Solingers. Er habe sich wie kaum ein Zweiter für die Interessen der bergischen Wirtschaft eingesetzt und das Bergische Städtedreieck über Jahrzehnte mitgeprägt.

1993 wurde der gebürtige Solinger zunächst Vizepräsident, vier Jahre später dritter Präsident der Bergischen IHK, die 1977 aus den Kammern der drei bergischen Großstädte hervorgegangen war. Als erster Solinger an der Spitze prägte er 16 Jahre lang die Kammer und richtete sie als Nachfolger des Wuppertaler Unternehmers Dr. Jörg Mittelsten Scheid (Vorwerk) deutlich bodenständiger und politischer aus. Für seine dreimalige Wiederwahl war sogar eigens die IHK-Satzung geändert worden.

Er war ein unermüdlicher und kämpferische Mahner für mehr Zusammenarbeit der drei bergischen Städte. Mit seiner Forderung, das langfristige Ziel müsse eine gemeinsame Großstadt sein, eckte der streitbare Unternehmer allerdings auch spürbar an. Seine Ideen packte er als fulminanter Zöppkesmahlzeit-Redner in die traditionelle Solinger Veranstaltung. Dafür dichtete er sogar eine dritte Strophe des Bergischen Heimatlieds – die tatsächlich bis heute jedes Jahr zum Abschluss von den 250 Gästen besonders gern und lautstark gesungen wird.

Bundesverdienstkreuz von der „Lieblingsgegnerin“

Nach 16-jähriger Amtszeit übergab er den Posten an seinen Nachfolger Thomas Meyer. Im Anschluss ernannte ihn die IHK zum Ehrenpräsidenten. Diese Auszeichnung trug seinen „herausragenden und beispielhaften Verdiensten für die wirtschaftliche Selbstverwaltung im Bergischen Städtedreieck“ Rechnung. Auch die Wirtschaftsjunioren Solingen, die Sträter über viele Jahre förderte, ernannten ihn für sein herausragendes Engagement zum Ehrenmitglied.

Die Liste der Ämter, die Friedhelm Sträter mit viel Herzblut ausübte, ist lang. Viele Jahre wirkte er etwa im Bezirksausschuss Solingen oder im Ausschuss für Industrie, Technologie und Umwelt mit und setzte sich intensiv für den Schutz der Herkunftsangabe Solingen bei Produkten ein.

Darüber hinaus engagierte sich Sträter ehrenamtlich in den Vorständen des Industrieverbandes Schneidwaren und Bestecke, des Wirtschaftsverbandes Stahl- und Metallverarbeitung, der Forschungsgemeinschaft Werkzeuge und Schneidwaren sowie des Industrieverbandes Blech- und Umformtechnik.

Als langjähriger Vizepräsident der ÍHK NRW und Vorstandsmitglied des DIHK in Berlin setzte sich der Unternehmer nachdrücklich für die Interessen der Region und ihrer mittelständisch geprägten Wirtschaft ein. Bei seinen zahlreichen Auszeichnungen war er auf eine besonders stolz: die Ernennung zum Ehrenbürger der Bergischen Universität 2008. Sträter hatte schon sehr früh das Potenzial der Hochschule für den Wirtschaftsstandort erkannt und sich für die Öffnung der Uni gegenüber den Unternehmen eingesetzt.

Die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes 1. Klasse im Jahr 2012 hatte eine ganz besondere Note. Angeheftet wurde es ihm von der damaligen stellvertretenden Ministerpräsidentin Sylvia Löhrmann. Mit der grünen Solingerin fetzte sich Sträter jahrelang und intensiv über die Notwendigkeit eines Anschlusses Solingens an die Autobahn A 3 – letztlich, wie man heute weiß, aber erfolglos.

Zur Person

Friedhelm Sträter kam 1950 in der Klingenstadt zur Welt. Nach dem frühen Tod seines Vaters übernahm der gelernte Industriekaufmann 1968 den väterlichen Betrieb in Pilghausen. Aus der Sträter Stanzerei GmbH formte er eine Firmengruppe in Aufderhöhe, zu der neben der Stanzerei auch eine Härterei und ein Werkzeugbau gehörten. Seine Erfolgsgeschichte als Unternehmer wurde überschattet von zwei Insolvenzen für zwei seiner Unternehmen: Solingen Cutlery sowie Felix Solicut. Zwei weitere Firmen führt sein Sohn Eike.

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