Sieben freie Vollzeitstellen

In Solingen werden mehr Erzieher gebraucht

Johanna Kirchhoff und Angelika Posse (v. l.), Koordinatorinnen der Caritas-Schulbetreuung, und das Team des Offenen Ganztags der Grundschule Wiener Straße mit Jutta May, Franziska Krueger und Sonja Kraft werben für neue Mitarbeiter. Foto: Tim Oelbermann
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Johanna Kirchhoff und Angelika Posse (v. l.), Koordinatorinnen der Caritas-Schulbetreuung, und das Team des Offenen Ganztags der Grundschule Wiener Straße mit Jutta May, Franziska Krueger und Sonja Kraft werben für neue Mitarbeiter.

Die Stadt Solingen und andere Kita-Träger sowie das Mildred-Scheel-Berufskolleg erhöhen die Kapazitäten.

Von Simone Theyßen-Speich

Solingen. Im vergangenen Herbst hat die Stadt Solingen verstärkt für die Erzieher-Ausbildung geworben. Mehr Kinder, der Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz und eine verstärkte Nachfrage an Betreuungsangeboten auch für jüngere Kinder lassen den Bedarf an gut ausgebildeten Erzieherinnen und Erziehern in der Stadt wachsen.

Lesen Sie auch: Trotz neuer Kitas fehlen in Solingen hunderte Plätze

Aktuell seien sieben der insgesamt 160 Vollzeit-Stellen in den städtischen Kitas nicht besetzt. Auch bei den kirchlichen und freien Kita-Trägern gibt es Lücken in der personellen Versorgung. Man habe die Ausbildungskapazitäten bis zur maximal möglichen Zahl der Ausbildungsplätze erhöht, so die Auskunft der Stadt.

Für den schulischen Teil der Ausbildung ist dabei in Solingen das Mildred-Scheel-Berufskolleg zuständig. Dort starten im Sommer insgesamt vier Erzieher-Klassen. „Mittlerweile bieten wir im dritten Jahr in Folge zwei Klassen mit praxisintegrierter Ausbildung (PIA) an“, erklärt Schulleiterin Gabriele Stobbe-Dibbert. Zudem gibt es eine Vollzeitklasse, die den Praxisteil als Blockpraktikum absolviert. Im Sommer beginnt zusätzlich wieder eine Teilzeit-Ausbildung als Abendunterricht. „Dieses vierjährige Angebot – drei Ausbildungsjahre und ein Anerkennungsjahr – startet alle vier Jahre“, erklärt Gabriele Stobbe-Dibbert.

Stadt und Träger haben Praxis-Plätze erhöht

Die Schulleiterin kann positiv vermelden, dass die Stadt und auch die anderen Träger der Kindertagesstätten ihre Praxis-Plätze erhöht haben. „Diese Praxis-Anteile sind ja ein entscheidender Teil der Ausbildung.“ So stehen für den Sommer beim städtischen Kita-Träger 25 PIA-Ausbildungsplätze und fünf Stellen für Berufspraktikanten zur Verfügung, zwei weitere PIA-Stellen in der Jugendhilfe.

Und auch für das nächste Jahr gibt es schon Pläne. So bereitet das Mildred-Scheel-Berufskolleg ab dem Schuljahr 2023/2024 eine Klasse „Erzieher + Allgemeine Hochschulreife“ vor, wobei das Abitur und die Erzieher-Ausbildung kombiniert werden können. „Das hat sich mit Blick auf die Interessenten gut so zusammengefügt“, so die Leiterin.

Wie viele Erzieher in Solingen gebraucht werden, sei schwer zu prognostizieren, so Stadtsprecher Thomas Kraft, da etwa jüngere Erzieherinnen aufgrund eigener Kinderplanung auch kurzfristig aus dem Beruf ausstiegen. Bis 2026 gehen zudem alleine 30 Mitarbeitende in den städtischen Kitas in Ruhestand. Die Stadt plant zudem, voraussichtlich 2023 eine neue Kita an der Schwanenstraße mit zwei Gruppen in Betrieb zu nehmen. „Auch dafür werden sechs pädagogische Fachkräfte gebraucht“, nennt Kraft weitere Beispiele.

Auch die Caritas, die in Solingen mit den Kitas Don Bosco an der Elsässer Straße und Nazareth am Geranienweg zwei Einrichtungen betreibt, macht Werbung für die Erzieher-Ausbildung. „Der Fachkräftemangel findet nämlich nicht nur in der Pflege, sondern auch im Erziehungsbereich statt“, so Caritas-Pressesprecherin Susanne Bossy. Neben den Kindertagesstätten seien auch die Offenen Ganztagsschulen davon betroffen. An den Grundschulen Wiener Straße, Stübchen, Südstraße, Bogenstraße, Uhlandstraße und Aufderhöhe hat die Caritas die Trägerschaft für den Offenen Ganztag.

Caritas bietet Duales Studium im Bereich Kindheitspädagogik

Seit Jahren ist die Caritas Kooperationspartner der PIA-Ausbildung, hat im Schnitt zwei bis drei Auszubildende pro Einrichtung. Mit insgesamt zehn Fachschulen in der Region, unter anderem dem Mildred-Scheel-Kolleg, werde dabei kooperiert.

Im Bereich Sozialpädagogik bietet die Caritas zudem Plätze für ein Duales Studium an. „Das würden wir auch gerne im Bereich Kindheitspädagogik tun, aber leider gibt es dafür noch keine Förderung durch das Kinderbildungsgesetz KiBiz, nach dem die Kitas finanziert werden“, so Bossy.

Man dürfe nicht abwarten, sondern müsse als Träger aktiv werden. So stellt sich die Caritas beispielsweise regelmäßig bei Berufsbörsen den jungen Menschen vor. Auch Praktikanten würden gerne genommen, um in den Beruf reinzuschnuppern. Und: „Erzieher ist schon lange kein Frauenberuf mehr“, wirbt Bossy für männliche Bewerber.

Anpassung der Kita-Planung

Dass die personelle Planung nicht statisch sei, bestätigen alle Kita-Träger. So müsse die Zahl der Mitarbeitenden entsprechend dem Personalschlüssel immer wieder daran angepasst werden, wie viele Kinder beispielsweise mit Förderbedarf in der Einrichtung aufgenommen werden.

Standpunkt: Erzieherberuf aufwerten

Kommentar von Simone Theyßen-Speich

simone.theyssen-speich@ solinger-tageblatt.de

Wenn von Fachkräftemangel die Rede ist, dann geht es meistens um die Pflegeberufe oder um Handwerk und Industrie. Aber auch im pädagogischen Bereich sind die Ressourcen knapp. Erzieher, Sozialarbeiter, Sonderpädagogen und Lehrer sind Mangelware. Und da die geburtenstarken Jahrgänge aus dem Beginn der 1960er Jahre in den nächsten Jahren in Rente gehen, wird der Mangel noch eklatanter. Da muss dringend gegengesteuert werden. Deshalb ist es gut und richtig, dass die Stadt aber auch die Kita-Träger Werbung für sich und den Erzieherberuf machen, um junge Menschen dafür zu begeistern. Aber auch die Rahmenbedingungen müssen stimmen. Deutschland ist eines der wenigen europäischen Länder, in denen die „Vorschule“ bei Ausbildung und Bezahlung der Mitarbeiter nicht der Primarschule gleichgestellt ist. Der Erzieher-Beruf ist schon lange nicht mehr nur Betreuung, sondern Sonderpädagogik, Sozialarbeit, Bildungsarbeit, Sprachförderung und vieles mehr. Das muss sich in Ausbildung und Bezahlung widerspiegeln. Und die Einrichtungen müssen weiterhin Plätze für Auszubildende schaffen.

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