Montagsinterview

Digitale Dienstleistungen: „Es muss online wirksamen Schutz geben“

Nils Gerken, Leiter von „Solingen digital“, zeigt die neue Homepage der Stadt. Auf solingen.de informiere die Stadt über ihre Leistungen. Die Dienstleistungen liefen über service.solingen.de.
+
Nils Gerken, Leiter von „Solingen digital“, zeigt die neue Homepage der Stadt. Auf solingen.de informiere die Stadt über ihre Leistungen. Die Dienstleistungen liefen über service.solingen.de.

Nils Gerken über digitale Leistungen der Stadt für den Bürger und Hürden bei der Sicherheit.

Von Björn Boch

Herr Gerken, Anfang 2023 ist das Online-Zugangsgesetz in Kraft getreten, das Bürgerinnen und Bürgern digitale Leistungen der Verwaltung verspricht. Wie weit ist Solingen da?
Nils Gerken: Das bundesweite Ziel war, bis Ende 2022 alle Dienstleistungen der Verwaltungen auch digital zu erbringen. Das ist nicht erreicht worden. Das gilt für alle Ebenen: Bund, Länder und Kommunen. Derzeit finden noch viele Grundlagenarbeiten statt, um das OZG, das Online-Zugangsgesetz, umzusetzen.
Was sind das für Arbeiten?
Gerken: Über allem steht, wie der Prozess zwischen Bürgerinnen und Bürgern und Verwaltung gesetzeskonform abläuft, wie die Identifizierung möglich ist und wie die Daten einlaufen. In vielen Prozessen der Landes- und Bundesebene wird die Stadt dabei am Ende nur Abnehmer sein, die Umsetzung wird in anderen Technologien erfolgen und nur bei uns eingebunden. Deshalb müssen viele Schnittstellen abgestimmt werden, damit wir die vom Kunden erfassten Daten digital weiterverarbeiten können und am Ende nicht nur ein PDF kriegen, mit dem das nicht geht.
Das ist ein Vorurteil gegen das Gesetz: Für den Bürger wird es digital, aber in der Behörde wird doch wieder gedruckt und abgeheftet.
Gerken: Im schlimmsten Fall ist das so, ja. Vor einigen Jahren hätte es geheißen: Toll, ein PDF, das ist digital. Heute ist unser Ziel immer die Maschinenlesbarkeit von Daten. Frontend-Digitalisierung bedeutet, dass es für den Kunden digital ist. Darauf liegt der Schwerpunkt beim Online-Zugangsgesetz. Wir bemühen uns aber um Backend-Lösungen, also die tatsächliche digitale Arbeit in der Verwaltung, etwa mit elektronischen Akten. Dass es nicht nur digital aussieht, sondern auch hintendran digital ist, ist bundesweit noch nicht einheitlich geregelt. Da wird es wieder viel um Schnittstellen gehen.
Welche Rolle spielt die neue Homepage der Stadt dabei?
Gerken: Der Kern der neuen Homepage sind Informationen. Auf solingen.de informieren wir darüber, was wir alles anbieten. Die Prozesse laufen über service.solingen.de – das wird optisch angeglichen. Und natürlich werden die Angebote verknüpft. Früher mussten wir Informationen an verschiedenen Stellen mehrfach pflegen. Dank der neuen Technologie muss das nur einmal gemacht werden, wir erreichen aber alle Plattformen, die Homepage, die Solingen-App und die Informationsstelen.
Welche Leistungen sind digital bereits verfügbar?
Gerken: Das sind einige, und es werden wöchentlich mehr. Besonders beliebt ist die Reservierung von Terminen für die Trauung. Generell wird gut angenommen, was keine oder wenig weitere Voraussetzungen hat. Werden Dokumente oder Identifizierungen benötigt, etwa mit dem digitalen Personalausweis, ist die Akzeptanz im Moment noch deutlich geringer.
Lesen Sie auch: Wo es bei der Digitalisierung in Solingen noch hakt
Ich kenne niemanden, der dieses Verfahren nutzt.
Gerken: Die Onlinefunktion des Personalausweises war eine Zeit lang freiwillig, seit einiger Zeit ist sie verpflichtend. Wer den digitalen Personalausweis hat – samt Brief und Pin – kann das also nutzen. Damit ist auch der Zugang zum Servicekonto NRW möglich, das für viele Dienstleistungen von Behörden benötigt wird.
Gibt es eine Alternative?
Gerken: Beim Servicekonto NRW gibt es auch eine einfache Anmeldung mit Passwort und Benutzername, dann können aber nur niederschwellige Dienstleitungen genutzt werden. Für ein hohes Authentifizierungslevel ist der digitale Personalausweis notwendig. Den wiederum muss man einlesen, braucht also ein Lesegerät oder ein Smartphone, das in Kombination mit dem Computer zum Lesegerät wird.
Klingt kompliziert.
Gerken: Richtig smart wird es erst, wenn ich den Ausweis künftig direkt auf dem Smartphone habe, und mich mit Face-ID oder ähnlichem identifizieren kann. Die Software dazu ist noch nicht fertig. Es gibt bundesweit verschiedene Pilotprojekte, wir sind an einem beteiligt, damit wir die notwendigen Informationen zur Umsetzung aus erster Hand erhalten. Die Technik würde vieles einfacher machen. Die Hürden sind hoch, trotzdem ist es unser Ziel.
Ein Dilemma: Ist es zu schwer, macht niemand mit, ist es zu einfach, wird es unsicher?
Gerken: Wenn ich mir nur den Digitalisierungshut aufsetze, sage ich: Das muss einfacher werden und weniger Barrieren haben. Wir sind aber auch für Informationssicherheit zuständig. Und letztlich ist es eine Identität, die geschützt werden muss. Und wir kennen alle jemanden, der schon negative Erfahrungen mit Identitätsdiebstahl gemacht hat. Es muss also unbedingt auch online wirksamen Schutz geben.
Und was ist mit Menschen, denen das Digitale so gar nicht zusagt?
Gerken: Die Verwaltung hat den klaren Auftrag zur Daseinsvorsorge und wir werden noch lange Zeit mindestens 15 bis 20 Prozent der Bevölkerung haben, die digitale Angebote nicht nutzen können oder wollen. Daher werden alle Prozesse in der Verwaltung weiterhin so gestaltet, dass sie auch analog in Anspruch genommen werden können. Das dürfen wir bei allem Digitalisierungseifer nicht vergessen.

Zur Person

Job: Nils Gerken ist Leiter von „Solingen digital“ (Eigenschreibweise solingen.digital). Er ist verantwortlich für E-Government (Kommunikation zwischen Behörden und Bürgern), das Projekt „Smart City“, Notfallmanagement (interne Handlungsfähigkeit der Stadt im Krisenfall) und Informationssicherheit.

Privat: Nils Gerken ist Solinger, verlobt und liebt es, im Bergischen mit Hund und Freunden weit und schnell zu wandern.

Digitale Dienstleistungen

Kfz: Adressänderung oder Außerbetriebsetzung Solinger Fahrzeug, Bewohnerparkausweis, Neuzulassung fabrikneues Fahrzeug, Umschreibung Kfz, Wiederzulassung eines in Solingen zugelassenen Fahrzeugs ohne Halterwechsel (gleiches Kennzeichen), Reservierung Wunschkennzeichen

Gewerbe: Anmeldung, Abmeldung, Ummeldung

Meldewesen: Einfache Meldebescheinigung, Statusabfrage bei Personalausweis und Reisepass

Sonstiges: Reservierung Eheschließungstermin, mobiler Übersetzungsdienst, Online-Bankbriefauskunft, Reitkennzeichen, Fällgenehmigung, Artenschutz (An-, Ab- und Ummeldung artgeschützter Wirbeltiere sowie Beseitigung oder Umsiedlung geschützter Insekten)

Dokumente: Zudem gibt es vermehrt die Möglichkeit, Dokumente vor Terminen, die zwingend persönlich notwendig sind, digital einzureichen.

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Unfall: Eine Person verletzt
Unfall: Eine Person verletzt
Unfall: Eine Person verletzt
Alter Markt: Kuben sind ungepflegt
Alter Markt: Kuben sind ungepflegt
Alter Markt: Kuben sind ungepflegt
Busse fahren in Solingen auf Straßenbahnlinien
Busse fahren in Solingen auf Straßenbahnlinien
Busse fahren in Solingen auf Straßenbahnlinien
Das Landhaus Kovelenberg wird indisch
Das Landhaus Kovelenberg wird indisch
Das Landhaus Kovelenberg wird indisch

Kommentare