Es kommt auf die Haltung an

Meinrad Funke ist leitender Pfarrer der katholischen Pfarrgemeinde St. Sebastian. Fotos: Christian Beier / Mona Hüttem-Höhler
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Meinrad Funke ist leitender Pfarrer der katholischen Pfarrgemeinde St. Sebastian.

Theologen laden im ST zur Andacht ein – heute der katholische Pfarrer Meinrad Funke

Liebe Leserinnen und Leser,

als ich vor einem halben Jahrhundert in die Grundschule ging, war es noch ziemlich klar: Katholiken gingen in eine katholische Grundschule, evangelische Kinder besuchten eine evangelische oder eine Gemeinschaftsschule.

Als meine ältere Schwester wenig später meinen evangelischen Schwager kennenlernte, bedauerte mein Vater, dass sie sich nicht in einen Katholiken verliebt habe. Der wiederum stammte aber auch aus einer Zeit, in der es noch eine eigene Partei (Zentrum), einen eigenen Sportverein (DJK) und andere Vereine, bis hin zur Gewerkschaft für Katholiken gab. Auf evangelischer und jüdischer Seite genauso (bis Letztere verboten wurden), ebenfalls auf kommunistischer, sozialistischer und liberaler Ebene, später bei den Nationalsozialisten ohnedies. Es kam auf die Zugehörigkeit zur Konfession, zur Religion oder Weltanschauung an, weniger auf die persönliche Haltung.

Ich bin froh, in einer Zeit zu leben, in der solche Separierungen (hoffentlich für immer) der Vergangenheit angehören und ich fühle mich dadurch in meinem christlichen Glauben katholischer Prägung keineswegs bedroht. Ich betone dies gerade angesichts von Gruppierungen und Bewegungen, die Trennung, Ab- und Ausgrenzung propagieren oder ihren eigenen Lebensstil für normal, damit andere für „anormal“ erklären, wie Wahlkampfwerbespots einer bestimmten Partei im Bundestagswahlkampf uns verraten. Das Evangelium des kommenden 26. Sonntags im Jahreskreis (Markus 9, 38-48) kann hier Orientierung bieten. Selbst die eigene Hand, der eigene Fuß, das eigene Auge kann so sehr zum Verhängnis werden, dass dieses Körperteil entfernt werden muss. Hingegen sagt Jesus über den fremden Wundertäter, der zwar nicht zu den Jüngern gehört, aber in Jesu Namen heilt: „Wer nicht gegen uns ist, ist für uns“ (Vers 40).

Es kommt also auf die Haltung an und darauf, dass wir uns gemeinsam für das Heil und Wohl der Menschen einsetzen, gerne aus unterschiedlichen Beweggründen. Gott wurde Mensch, um alle zu retten. Für diesen Glauben stehen wir Christen und Christinnen. Beispiele für solche Haltung und daraus resultierendes Handeln in jüngerer Zeit waren eine vielfältige Flüchtlingshilfe und die Coronahilfe.

Für uns in St. Sebastian zählt für mich auch der monatliche Wohlfühlmorgen dazu – der Einsatz unterschiedlich motivierter Freiwilliger für Bedürftige unter dem Dach der Kirchengemeinde (wer nicht gegen uns ist, ist für uns). Dass die „Suppenküche to go“, in der christliche Gemeinden diverser Konfessionen mit Unterstützung von anderen Helfenden während der Pandemie aktiv geworden sind, den Agendapreis der Stadt Solingen erhalten hat, passt für mich daher bestens zum Evangelium des 26. Sonntags.

Eine gute Woche wünscht Ihr Meinrad Funke

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