Sitzung des Kulturausschusses

Es fehlt Geld: Im Klingenmuseum muss (fast) alles beim Alten bleiben

Die Fassade des Klingenmuseums ist renoviert, für den geplanten Innenausbau und ein neues Konzept fehlt aber das Geld.
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Die Fassade des Klingenmuseums ist renoviert, für den geplanten Innenausbau und ein neues Konzept fehlt aber das Geld.

Die Sanierung und die Neukonzeption des Klingenmuseums in Solingen für 5,3 Millionen Euro auf einen Schlag fallen ersatzlos aus.

Von Philipp Müller

Solingen. Es fehlt im städtischen Haushalt überall an Geld. Jetzt trifft es auch das ambitionierte Projekt, das Deutsche Klingenmuseum komplett auf neue Füße zu stellen. Für die Sitzung des Kulturausschusses am Freitag erklärt Kulturdezernentin und Stadtdirektorin Dagmar Becker (Grüne), die Verwaltung ziehe ihre Zusage zurück, aus Haushaltsmitteln 5,3 Millionen Euro in das Museum zu stecken, um damit auch den Weltruf der Klingenstadt zu unterstreichen.

Im Ausschuss ist diese Nachricht in einer Beantwortung einer Anfrage zu den Auswirkungen der Energiekrise auf den Kulturhaushalt versteckt. Doch auf ST-Nachfrage räumt Dagmar Becker ein, dass die Gründe für das Stoppsignal breiter sind und nennt „die schwierige Haushaltssituation, die sich durch die unsichere finanzielle Gesamtsituation insgesamt, die Energiekrise sowie massive Kostensteigerung – insbesondere im Baubereich – noch einmal verschärft hat“.

Die Idee, das Museum neu aufzustellen, wurde mit den Museumsexperten merz merz aus Berlin geplant. 40 000 Euro, davon 30 000 Euro von den „Freunden des Klingenmuseums“, kostete die Idee, das Museum in Themenwelten rund um die Geschichte der Klingen aufzuteilen und dabei die Stellung der Klingenstadt in diesem Bereich zu würdigen. Das falle nun ersatzlos aus, sagt die Kulturdezernentin.

Ursprünglich war daran gedacht worden, die 5,3 Millionen Euro zur Hälfte durch Mittel vom Bund zu finanzieren. Doch aus dem Topf „Kulturinvest 2022“ fließt kein Cent. Dagmar Becker erklärt: „Warum das Deutsche Klingenmuseum mit seiner bundesweiten Bedeutung keinen Zuschlag erhalten hat, wird derzeit eruiert.“ Der SPD-Bundestagsabgeordnete Ingo Schäfer hatte dazu Mitte Oktober erklärt, dass Solingen den Eigenanteil nicht sicher genug hatte nachweisen können.

Klingenmuseum Solingen: Geplante analoge Themenwelten sollen digital erfahrbar werden

In der Summe bedeutet dies, das Museum muss andere Wege gehen. So will das Team um Museumsleiter Dr. Sixt Wetzler und dessen Stellvertreterin Dr. Isabell Immel auf digitale Formate setzen. Wetzler verweist auf die neue Homepage mit dem digitalen Verzeichnis der Klingen in der Ausstellung und im Depot.

Zugleich wird das Gebäude digital ertüchtigt, um – wie noch zu planen sei – die Idee der Themenwelten im digitalen Format erlebbar zu machen. Die Dezernentin erklärt dazu: „Obwohl das Zukunftskonzept nicht direkt umgesetzt werden kann, behält es als Zusammenstellung der wichtigen Themen, Zielgruppen und Handlungsfelder des Museums seine Gültigkeit und soll schrittweise realisiert werden.“ Wo es gehe, würden dafür Fördermittel beantragt. Die Museumsleitung hat sich dabei ein Ziel gesetzt: Die ersten Neuerungen werden im Jubiläumsjahr 2024, Solingen wird 650 Jahre alt, präsentiert.

Auch das Gebäude hat Sanierungsbedarf, zuletzt wurde an Fenstern und Fassaden gearbeitet. Das müsse und werde man fortsetzen, versichert Dagmar Becker. Für das Klingenmuseum stünden jährlich Aufwendungen zur Bauunterhaltung von 60 000 bis 90 000 Euro bereit. Darüber hinaus beziffert die Stadtdirektorin den Bedarf der geplanten Investitionen für Brandschutz und Elektrik auf 350 000 Euro.

Auch wenn der große Wurf nun nicht gelingt, will das Museum vorhandene Bausteine stärker in den Fokus nehmen. Da ist die Knife, von der Museumsleiter Wetzler sicher ist, sie mittelfristig zum internationalen Event machen zu könne. Die Messe der Messermacher werde das Haus in den kommenden Jahren einem großen, internationalen Publikum nahebringen, erklärt er jetzt. Und das Museum wolle laut Wetzler Veranstaltungen wie das Kinderpiratenfest, das historische Ferienspiel und Angebote im Schmiedehaus ausbauen.

Museum digital

Nicht ganz einfach wird die Umsetzung der digitalen Infrastruktur. Stadtdirektorin Dagmar Becker verweist auf die „dicken Klostermauern“ als Störquelle für ein leistungsfähiges Wlan-Netz. Unter Federführung der TBS und gemeinsam mit dem Gebäudemanagement sowie solingen.digital werde „die nötige Hard- und Software für ein flächendeckendes Wlan im Museum realisiert“. Ziel: Gäste sollen mit Handy und Tablet auf die Inhalte bequem zugreifen.

philipp.mueller@solinger-tageblatt.de

Nachdem im Oktober der Bund keine 2,5 Millionen Euro für die Sanierung und Neukonzeption des Deutschen Klingenmuseums zur Verfügung gestellt hatte, war klar: Jetzt wird es schwierig.

Die Idee, mit Themenwelten und einer digitalen Revolution die Bedeutung des Museums zu stärken und es zum musealen Markenkern für den Weltruf „Klingenstadt Solingen“ zu machen, war gut und richtig. War? Das muss nicht so sein. Jetzt gilt es, ähnlich wie bei Corona einen „Solinger Weg“ zu finden. Der kann nur in einer Stärkung des kulturellen Standorts als gesamtgesellschaftliche Aufgabe gesehen werden.

Das Klingenmuseum hat seinen Freundeskreis, der jetzt sicher stärker gefragt ist. Zugleich muss sich das Museum aus der Pause verabschieden, kaum Ausstellungen anzubieten, bis das Museum neu aufgestellt ist. Es muss überlegt werden, wie die Patina des Altbackenen wegpoliert werden kann. Nur digital wird kaum reichen. Ideen aus der Industrie sind da auch gefragt.

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