Zwölfmonatige Amtszeit

Erster Solinger ist Governor im Rotary-Distrikt

Dr. Michael Schlipköter ist seit Juli Rotary-Governor des Distrikts 1810. Sein Anstecker zeigt offene Türen, die für das weltweite Motto im Amtsjahr 2020/21 stehen: „Rotary eröffnet Möglichkeiten“. Foto: Christian Beier
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Dr. Michael Schlipköter ist seit Juli Rotary-Governor des Distrikts 1810. Sein Anstecker zeigt offene Türen, die für das weltweite Motto im Amtsjahr 2020/21 stehen: „Rotary eröffnet Möglichkeiten“.

Dr. Michael Schlipköter will in seiner Amtszeit unter anderem die Jugend fördern und sich für Frauen bei den Rotariern starkmachen.

Von Björn Boch

Solingen. Dr. Michael Schlipköter ist der erste Solinger, der den Posten des Rotary-Governors für den Distrikt 1810 innehat. Seit Anfang Juli ist der 67-Jährige im Amt – und hat „ein gigantisches Programm vor sich“. Der Distrikt reicht von Hilden und Haan im Norden über Aachen im Westen und Siegen im Osten bis hinter Trier im Süden. Unter anderem muss Michael Schlipköter alle 83 Clubs des Distrikts besuchen – und das binnen eines Jahres.

Denn ein Rotary-Governor ist nur zwölf Monate im Amt. Seinen Pflichten während der Corona-Pandemie nachzukommen, sei gar nicht so einfach. Vieles laufe auch bei den Rotary-Clubs derzeit online.

Schlipköter hat ein klares Programm – und findet klare Worte für die Rotarier insgesamt und für seinen eigenen Rotary-Club (RC) Solingen. Dort empfinde er sich als „unangenehmen Mahner“, der ein sehr eigenes Verständnis davon hat, was Rotary sein soll.

„Es geht bei uns, kurz und prägnant, um ,selbstloses Dienen‘.“

Dr. Michael Schlipköter, Rotary-Governor des Distrikts 1810

Das beginne schon beim ersten Ziel von Rotary. Es lautet: Freundschaftliche Beziehungen entwickeln, um sich anderen nützlich zu erweisen. „Wer den zweiten Teil dieses Satzes nicht verstanden hat, hat Rotary nicht verstanden“, betont Schlipköter. Rotary sei mehr als ein Netzwerk, bei dem man mal zusammen zum Mittagessen gehe: „Es geht bei uns, kurz und prägnant, um ,selbstloses Dienen‘.“

Diese Einstellung wird er in den kommenden Monaten in den Distrikt tragen. Bereits im Sommer 2019 begann, als „Governor elect“ (gewählter Governor), die Vorbereitung auf die einjährige Amtszeit – mit intensivem Training sowie einem europa- und weltweiten Austausch. Dennoch gebe es nicht jedes Jahr einen Bruch. Die Governor sind in engem Austausch mit Vorgängern und Nachfolgern. „Auch ich will die Arbeit meines Vorgängers Helmut Raßfeld vom RC Bergisch-Gladbach fortsetzen“, betont Schlipköter.

Für seine eigene Amtszeit hat er drei strategische Themen: Die Attraktivität von Rotary für junge Menschen steigern, Umweltschutz als Thema nach vorne bringen und Öffentlichkeitsarbeit leisten. „Das Bild von Rotary in der Öffentlichkeit ist teilweise schlicht falsch oder schlecht.“

Rückenwind erhofft sich Schlipköter auch von Holger Knaack, dem ersten Deutschen im Amt des Weltpräsidenten von Rotary International. Rotary sei nicht politisch. Aber wenn man sieht, dass etwas völlig aus dem Ruder läuft, müsse Rotary eine Stimme haben, zitiert Schlipköter den Weltpräsidenten.

Soweit die Theorie. Aber auch viel Praktisches will Schlipköter anstoßen. „Mein Herz schlägt bei den Projekten“, sagt er. Bei Dingen, die die Welt ganz konkret verbessern, wie dem Kampf der Rotarier gegen Polio oder seinem eigenen Projekt in Kambodscha. „Wir haben dort eine Kinderstation eingerichtet“, berichtet Schlipköter.

Obwohl er schon vor 21 Jahren bei den Rotariern aufgenommen wurde, sei er erst 2009 ein Rotarier geworden. Es war das Jahr seiner Präsidentschaft beim RC Solingen und das Jahr seiner ersten Reise nach Kambodscha. Zehn Jahre später wurde die Kinderstation eröffnet. Deswegen ist es ihm so wichtig, Engagement zu fördern – bei den Rotariern selbst und bei der Jugendorganisation Rotaract.

Auch in seinem eigenen Club kämpft er gegen Widerstände: Der RC Solingen nimmt, im Gegensatz zum RC Solingen-Klingenpfad, noch immer keine Frauen auf. „Das geht gar nicht“, sagt der 67-Jährige, der das aber nicht einfach ändern kann. Schon zehn Prozent der Anwesenden bei einer Versammlung können die Aufnahme eines neuen Mitglieds verhindern. Da wird noch viel Überzeugungsarbeit notwendig sein, weil 30 Prozent Frauenanteil ein erklärtes Ziel von Rotary International ist. Und auch, weil Schlipköters Nachfolger im Amt schon feststeht: Mit Regierungspräsidentin Birgitta Radermacher wird der Distrikt 1810 in der Amtszeit 2021/22 erstmals einen „Lady Governor“ haben.

Schlipköter und die Rotarier

Michael Schlipköter: Geboren am 4. Juni 1953 in Solingen, Abitur am Gymnasium Schwertstraße. Der Jurist wurde nach dem frühen Tod seines Vaters ab 1981 Geschäftsführer der Mozart AG, die technische Klingen herstellt. Sein Sohn Sebastian Schlipköter führt die Firma heute in vierter Generation, sein Vater steht ihm noch beratend zur Seite.

Rotarier in Solingen: Der Rotary-Club Solingen, dessen Präsident Schlipköter 2009 war, hat 56 Mitglieder. In Solingen gibt es außerdem den Rotary-Club Solingen-Klingenpfad, der derzeit 60 Mitglieder hat.

Distrikt 1810: Michael Schlipköter ist als Governor verantwortlich für 83 Clubs mit rund 4500 Mitgliedern.

www.rotary.de/distrikt/1810

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