Kette der helfenden Hände

Erkrankung fesselt sie an die Wohnung

Selina Kilic (Name geändert) erzählt ihre Krankengeschichte im Gespräch mit dem ST. Foto: Michael Schütz
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Selina Kilic (Name geändert) erzählt ihre Krankengeschichte im Gespräch mit dem ST.

Kette der helfenden Hände unterstützt Solinger, die unverschuldet in Not geraten sind.

Von Simone Theyßen-Speich

Solingen. Menschen mit chronischen Krankheiten, Familien, in denen ein Kind mit Behinderung eine besondere Herausforderung bedeutet, oder Solinger, die durch einen Unfall oder einen anderen Schicksalsschlag in finanzielle Not geraten sind, – Fälle, in denen die Kette der helfenden Hände, die Wohltätigkeitsaktion des Solinger Tageblatts, hilft, gibt es auch in diesem Jahr in der Vorweihnachtszeit wieder viele.

„Nur nicht aufgeben, ist meine Devise.“
Selina Kilic (Name geändert)

Eine der Betroffenen ist Selina Kilic (Name geändert). Bis vor vier Jahren hatte die heute 40-Jährige ein ganz normales Leben, arbeitete als Deutsch-Übersetzerin für Serbisch, Albanisch und Roma. Dann kam die Krankheit. „Es fing mit Kopfschmerzen an“, erinnert sich die dreifache Mutter. „Die wurden immer schlimmer, so dass ich es schließlich nicht mehr aushalten konnte.“

In der Neurologie der St. Lukas Klinik brachten umfangreiche Untersuchungen schließlich die Diagnose: Die Patientin hat zu viel Hirnwasser, dadurch bedingt eine Hirndrucksteigerung, ein sogenanntes Pseudotumor cerebri.

„Nur nicht aufgeben“, ist seitdem ihre Devise. Auch wenn die Kopfschmerzen und eine damit verbundene Nackensteife ihre dauerhaften Begleiter geworden sind. Zwölfmal schon hat sie im Krankenhaus eine Lumbal-Punktion über sich ergehen lassen, bei der Hirnwasser aus dem Rückenmark punktiert wird.

Aber die Begleiterkrankungen nehmen weiter zu. So hat sich das Gehör der 40-Jährigen deutlich verschlechtert. Besonders sorgt sie sich um ihre Sehkraft, die deutlich nachgelassen hat. „Ich sehe alles nur mit Schatten, der Augenarzt hat mich vorgewarnt, dass eine totale Erblindung drohen könnte“, so ihre größte Sorge.

All das hat bei Selina Kilic auch zu einer Depression geführt. „Auch da sind wir jetzt in Behandlung“, erzählt ihre Tochter. Die 22-jährige gelernte Pflegehelferin unterstützt die Mutter, wo sie nur kann. Sie macht den Haushalt, kauft für die Familie ein.

In den ersten Monaten der Pandemie hat sie sich auch um das Homeschooling ihres 13-jährigen Bruders gekümmert, der eine Förderschule besucht und ebenso wie ein 17-jähriger Sohn noch zu Hause wohnt. „Jetzt hat die Schule organisiert, dass eine Hilfe für die Hausaufgaben kommt. Neben meinem eigenen Haushalt und der Unterstützung für meine Mutter war das schon eine große Belastung“, so die 22-Jährige. Weil Selina Kilic durch die Erkrankung zur Risikogruppe gehört, war auch der Sohn während der ganzen Corona-Zeit nicht in der Schule, sondern macht Distanzunterricht. „Ich bin schon etwas beruhigt, wenn ich weiß, dass die Kinder gut aufgehoben sind“, sagt die dreifache Mutter. Auch wenn sie mit ihrer eigenen Situation manchmal hadert. Über Vergesslichkeit, Ohnmachtsanfälle und darüber, ihre Wohnung in der Innenstadt schon lange nicht mehr alleine verlassen zu können. Auch im Haushalt oder beim Duschen ist sie auf die Hilfe ihrer Tochter angewiesen. „Ich wüsste nicht, was ich ohne die Unterstützung meiner Kinder und auch meines Ex-Mannes machen sollte“, betont sie. Aber auf andere angewiesen zu sein, sei schon schwer. Die Entscheidung darüber, eine Gehirn-Operation mit all ihren Risiken durchführen zu lassen, hat die 40-Jährige noch nicht abschließend gefällt.

Der Fall ist einer stellvertretend für viele, bei denen die Kette der helfenden Hände zumindest etwas helfen möchte.

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