Zur Erinnerung an die Geschichte von Bethlehem

„Lass uns die Geschichte im Herzen bewegen, die da in Bethlehem geschehen ist“, sagt Dr. Ilka Werner. Archivfotos: Christian Beier/Michael Schütz
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„Lass uns die Geschichte im Herzen bewegen, die da in Bethlehem geschehen ist“, sagt Dr. Ilka Werner. Archivfotos: Christian Beier/Michael Schütz

Theologen laden im ST zur Andacht ein – heute die Superintendentin im Evangelischen Kirchenkreis Dr. Ilka Werner

Liebe Solingerinnen und Solinger!

Heute beim Dunkelwerden beginnt Weihnachten. Und für ein paar Tage und zwischen den Jahren wird die Welt leise.

Wenn die übliche Geschäftigkeit ruht, ist Zeit für Gedanken. Wenn ein Fest die Kette der Alltage unterbricht, ist Zeit zum Nachdenken. Und in diesem Jahr, das so ungewöhnlich, so anstrengend und existenzbedrohend verläuft und in dem die Stille nicht von innen, sondern unfreiwillig von außen kommt, gilt das doppelt: Es ist Zeit für Gedanken, es ist Zeit, sich über sich selbst klarzuwerden.

Am Ende der Weihnachtsgeschichte im Lukasevangelium steht ein Satz, der mich heute gefangen nimmt: „Maria aber behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen.“

Auch für Maria ist da eine Zeit für Gedanken, die Zeit, sich über das, was da geschieht, klar zu werden. Sie kann, sicher sehr erschöpft von der Herbergssuche, der Geburt und den Besuchen der himmlischen und irdischen Gratulanten, für den Moment ausruhen. Noch weiß sie nicht, wie bald sie auf der Flucht sein wird und wieder unterwegs. Für den Moment kann sie ausruhen. Und das, was sie gehört und erlebt hat, in ihrem Herzen bewegen.

Was heißt das: etwas im Herzen bewegen? Wir sagen eher: etwas an sich heranlassen. Und wir meinen damit, dass das, was wir erleben, oder was andere zu uns sagen, uns wirklich berührt und nicht einfach außen abperlt wie an einer wasserdichten Regenjacke. Worte im Herzen bewegen heißt, ihnen zu erlauben, uns zu verändern.

Es heißt, dass wir uns selbst noch einmal neu verstehen durch diese Worte, die wir gehört haben und die in uns nachklingen. Und die machen, dass wir uns über unser Leben klarwerden. Das sind die Worte, die wir nie vergessen.

Für Maria sind es die Worte der Engel und der Hirten: Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude! Euch ist heute der Heiland geboren! Lasst uns gehen, und die Geschichte sehen, die in Bethlehem geschehen ist! Diese Worte behält sie und bewegt sie in ihrem Herzen. Welche Worte sind das für uns in diesem Jahr, die wir behalten? Welche Worte haben uns berührt? Vielleicht sind es Worte der Zuversicht und des Dankes, vielleicht auch Worte der Klage, des Schmerzes und der Trauer, vielleicht Seufzer der Erschöpfung oder Rufe nach Hilfe, vielleicht Schreie der Wut und der Hilflosigkeit. Es ist jetzt, an den Festtagen, Zeit, diesen Worten nachzusinnen und sie im Herzen zu bewegen. Und uns zu fragen: Was können wir durch den Nachhall dieser Worte noch einmal neu verstehen, was müssen wir ihretwegen im neuen Jahr anders machen, wo verlangen die gehörten Worte, dass wir uns ändern? Es ist Zeit, solche Gedanken zu denken.

„Sind genug Worte des Trostes in unseren Herzen angekommen?“

Und es ist Zeit zu spüren, ob da genug Worte in unserem Herzen sind. Genug, um uns satt zu machen und uns Frieden zu geben und um uns stark zu machen für das Neue und bereit, uns einzusetzen für das Ganze. Sind da genug Worte der Liebe und des Trostes und des Friedens in unseren Herzen angekommen?

Nicht alle werden schon genug Worte gehört haben, um sie über Weihnachten im Herzen bewegen zu können. Sicher fehlen da noch Worte der Ermutigung, Worte der Vergebung oder Bitten um Verzeihung und Worte, die Hilfe versprechen. Und einfach Worte der Anteilnahme.

Da ist jetzt die Zeit, etwas zu sagen und etwas zu hören, etwas wie: „Fürchte dich nicht!“ Oder: „Ich hab dich lieb!“ Oder: „Siehe, ich verkündige dir große Freude, denn dir ist heute der Heiland geboren!“ Und: „Lass uns die Geschichte im Herzen bewegen, die da in Bethlehem geschehen ist.“

Bleiben Sie behütet!

Ihre Ilka Werner

Persönlich

Dr. Ilka Werner, Jahrgang 1964, ist seit 2013 Superintendentin im Kirchenkreis Solingen. An Weihnachten mag sie besonders das Lied „O du fröhliche“ am Ende der Christvespern und selbst gebackenen Christstollen, den sie auch an Freunde verschickt.

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