Beliebter Erzieher

„Herr Könekamp“ überzeugt Kinder und Eltern auf seine Art

BVB-Fan Arne Könekamp ist nicht nur als Mitspieler beim Fußball beliebt.
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BVB-Fan Arne Könekamp ist nicht nur als Mitspieler beim Fußball beliebt.

RGA-Redakteur Gunnar Freudenberg berichtet heute über „Herrn Könekamp“, den beliebten Erzieher von Hannes und Michel.

Manchmal frage ich Hannes und Michel, worüber ich in dieser Kolumne unbedingt mal schreiben sollte. Eine Antwort kam von Hannes immer wieder: „Schreib doch mal über Herrn Könekamp!“ Und dieser Vorschlag ist richtig gut.

Arne Könekamp ist Erzieher im Kindergarten von Hannes und Michel – und so beliebt und in den Köpfen meiner beiden Jungs, dass sie mich am Wochenende schon mal mit „Herr Könekamp“ statt „Papa“ ansprechen. Vielleicht, weil Arne Könekamp eine Besonderheit ist. Denn er arbeitet als Mann in einem immer noch von Frauen dominierten Beruf.

So war es auch nicht verwunderlich, dass seine Mitschüler es kaum glauben wollten, als er ihnen zum Ende der Schulzeit von seinem Berufswunsch erzählte: „Echt, du willst Erzieher werden?“ Mehr als einmal musste sich Arne Könekamp anhören, dass der Beruf doch nichts für Männer wäre und sowieso gar nicht zu ihm passe. Für die meisten war er der coole Motorradfahrer. „Ein ziemlich aufgedrehter Typ“, wie der heute 20-Jährige zugibt.

Aber eben auch einer, der mit Kindern immer schon gut umgehen konnte. Was der frühere Realschüler nicht nur regelmäßig bei Familienfeiern unter Beweis stellte, sondern auch beim Schulpraktikum in der neunten Klasse, das er in seinem ehemaligen, noch bestens vertrauten Kindergarten absolvierte. Anders als seine Mitschüler zeigte sich seine Familie deshalb gar nicht überrascht über seinen Berufswunsch. „Sie hat mich von Anfang an total unterstützt, obwohl da niemand einen sozialen Beruf ausübt“, berichtet Arne Könekamp, der sich selbst augenzwinkernd als schwarzes Schaf der Familie bezeichnet. „Mein Bruder studiert Physik, meine Mutter ist Bürokauffrau, mein Vater Wirtschaftsingenieur.“ Und Freundin Jessica bewegt sich als angehende Fahrlehrerin in einer Männerdomäne.

„Meine Familie hat mich von Anfang an unterstützt.“

Arne Könekamp

Er selbst darf sich seit gestern nun offiziell staatlich anerkannter Erzieher nennen. Sein Anerkennungsjahr im Kindergarten von Hannes und Michel hat er mit Bravour gemeistert. „Sehr gut“ steht im Abschlusszeugnis. Dieselbe Note würden er wohl auch von den Kindern, Erzieherinnen und Eltern ausgestellt bekommen. Zwischen Hannes, Michel und „Herrn Könekamp“ stimmte die Chemie sofort. Plötzlich war da jemand, der mit den Jungs Fußball spielt, der sich mit ihnen auch mal rauft und mit dem Motorrad zum Kindergarten kommt.

Die anfangs skeptische Leiterin, die mit einigen lustlosen männlichen Vorgängern schlechte Erfahrungen gesammelt hatte, überzeugte er schnell mit großem Engagement und eigenen Ideen. Von seinen Kolleginnen habe er sofort Vertrauen gespürt, erinnert sich Arne Könekamp. „Die haben gesagt: Cool, dass du hier bist. Und jetzt zeig mal, was du kannst!“ Das tut er. Auf seine Art. „Bei den Jungs bin ich wahrscheinlich ein bisschen beliebter als bei den Mädchen“, glaubt der frisch gebackene Erzieher. „Bei mir geht es etwas rauer zu, ich mache mehr Blödsinn und breche auch mal mit Regeln.“

Anfangs noch etwas zurückhaltend, schaute er sich die Abläufe im Kindergarten zunächst genau an. Heute scheut er sich nicht, eigene Vorstellungen einzubringen. „Gerade eben habe ich Hannes noch gesagt, er soll sich selbst ein Handtuch in der Küche holen, obwohl Kinder das eigentlich nicht alleine tun sollen. Aber ich finde, er ist jetzt einfach alt genug dafür und muss das lernen“, gibt er ein Beispiel.

Seine Art kommt an. Als auf einem Kindergartenfest verkündet wurde, dass Arne Könekamp vom Kindergarten übernommen wird, gab es riesigen Beifall. Die Jungs seien zu Hause ausgeglichener, seit er da ist, hieß es. Bedenken und Misstrauen, dass er als männlicher Erzieher den Kindern zu nahe kommen könnte, hat er nie gespürt. „Die ersten Wochen durfte ich die Kinder nicht auf die Toilette begleiten, danach war das Thema durch und ist auch nie wieder aufgekommen. Ich habe aber auch kein Problem damit, die Tür offenzulassen, wenn das gewünscht wird.“

Warum es nur so wenige Männer beruflich in den Kindergarten zieht, kann sich Arne Könekamp auch nicht so recht erklären. Klar, er verdiene kein Vermögen. „Aber ich bin erst 20, kann hier wertvolle Erfahrungen sammeln und immer noch ein Studium dranhängen und Lehrer werden, wenn ich möchte.“ Für ihn sei der Weg bis hierhin richtig gewesen. Er habe im Anerkennungsjahr gelernt, Verantwortung zu übernehmen, sei ruhiger geworden. Die nächsten Jahre sieht er sich auf jeden Fall als Erzieher im Kindergarten. „Ich glaube, hier habe ich noch mehr Einfluss auf die Entwicklung der Kinder als in der Grundschule. Das gefällt mir eigentlich ganz gut.“

Sein Einfluss auf Hannes endet in zwei Wochen, denn für den geht es dann in die Schule. „Da werde ich schon wehmütig“, gibt Arne Könekamp zu. Und sicher nicht nur er.

Männliche Erzieher in Solingen

Männliche Erzieher in Kindergärten sind in Deutschland immer noch deutlich in der Unterzahl, auch wenn sich die Zahl der Beschäftigten seit 2009 mehr als verdreifacht hat. 2021 wurden bundesweit 53 708 männliche Fachkräfte in Einrichtungen der Kindertagesbetreuung gezählt, 2009 waren es nur 13 896.

In Solingen gibt es in den städtischen Kindergärten 16 männliche (4 Prozent) und 404 weibliche Mitarbeiter. Von 55 Azubis sind immerhin 14 männlich.

Der Abschied naht: Hannes ist bereit für den nächsten Schritt

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