Die Woche in Solingen

Entwicklungen in Ohligs könnten Blaupause für die City sein

stefan.kob@solinger-tageblatt.de
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Die Solinger Innenstadt hat seit Jahren große Probleme, die es zu lösen gilt. ST-Chefredakteur Stefan M. Kob blickt in seiner Wochenkolumne nach Ohligs und stellt fest, dass der dort eingeschlagene Weg offenbar der richtige war.

Solingen. Was bringt die Menschen heute und morgen dazu, in die Innenstadt zu gehen? Das ist sozusagen die Eine-Million-Dollar-Frage, die denjenigen reich machen würde, der die richtige Antwort darauf weiß. Gedanken dazu machen sich derzeit viele, und in Solingen ist man durchaus auf dem richtigen Weg. Bestätigt wird das durch ein frisch entwickeltes Strategiepapier, das jetzt ein breit besetzter Expertenbeirat beim Bundesinnenministerium vorgelegt hat. In dem 50-seitigen Dokument „Die Innenstadt von morgen“ ist Solingen bei den 66 Beispielen und Empfehlungen sogar vertreten: mit der Gläsernen Werkstatt , die jetzt endlich konkrete Formen annimmt

In der Innenstadt ist der Handlungsdruck allerdings auch besonders hoch. Das sieht jeder, der mit offenen Augen durch die City geht. Knapp sieben Kilometer Luftlinie weiter westlich im Kern von Ohligs drücken die Probleme weit weniger aufs Gemüt, aber dass die Welt in bester Ordnung sei, wird auch niemand behaupten. Aber: Vergleicht man die Analysen und Vorschläge, die der Expertenbeirat entwickelt hat, um die Zentren wieder in Wohlfühloasen zu verwandeln, stellt man erstaunt fest: In Ohligs läuft derzeit ziemlich viel richtig, wenn man den spannenden Vorschlägen der Experten Glauben schenken darf.

Wohnungen sind Frequenzbringer für vereinsamte Zentren

Was schlägt der Expertenbeirat im Einzelnen vor, was machen die Ohligser daraus? Die wenig überraschend Überschrift lautet: Die Zukunft liegt nicht mehr im Bau von neuen Einkaufsmeilen - die Zukunft liegt im Miteinander von verschiedenen Nutzungen, bei denen der Handel nur noch eine ist. Dazu gesellen sich idealerweise Handwerk, Gastronomie und urbane Produktion, Bildung und Kultur. 

Ein wesentlicher Frequenzbringer für vereinsamte Zentren ist das Wohnen. Das zeigt, wie richtig die seinerzeit hoch umstrittene Grundsatzentscheidung war: nämlich die Pläne eines Einkaufszentrums auf dem Gelände der ehemaligen Textilfabrik Olbo zu stoppen und stattdessen Wohnungen mittendrin zu bauen. Mit dem inzwischen schon ausverkauften „Heimspiel“ im ehemaligen Union-Stadion entstehen weitere Wohnungen stadtrandnah, die Frequenz in der City erzeugen werden.

Aber Wohnen alleine reicht natürlich nicht aus, es müssen weitere Anreize her, um ein Zentrum zu beleben. Expertenrat: Gastronomie. Die Pläne, in Ohligs-West ein verkehrsberuhigtes Szeneviertel zu schaffen, wie es den Ohligser Jongens vorschwebt, zahlt genau auf diesen Faktor ein. 

Ohligs glänzt auch mit zukunftsorientierten Unternehmen

Ein weitere Expertenrat: Bildungs- und Kulturstandorte in die Mitte. Macht Ohligs. Mit dem Rückkauf der Festhalle werden die Voraussetzungen für Vereinsvielfalt und hochkarätige Kulturveranstaltungen geschaffen. Und mehr Bildung, als ein Hochschul-Standort zu sein, geht wohl kaum: Die Europäische Fachhochschule EUFH hat in dieser Woche im Ebbtron ihren Betrieb aufgenommen - und die Zeichen stehen auf Erweiterung. Vielleicht ergeben ja dann die umstrittenen E-Scooter noch mehr Sinn, wenn sie Studenten nutzen, um von dort mal eben in die Ohligser City zu rollern.  

Populäre Bildung, sogar als Leuchtturmprojekt, haben wir auch: das Galileum. Die Kreuzung aus Sternwarte, Kino und Eventlocation fällt ebenso in diese Kategorie wie Schulen und Kindergärten. Hier könnte man zukünftig überlegen, ob so ein tolles Projekt wie der Kita-Wohnhaus-Komplex an der Schwanenstraße auch einmal mitten im Ortskern eingerichtet werden könnte. 

Expertenrat urbane Produktion. Attraktive Unternehmen in Zentrumsnähe sorgen ebenfalls für Frequenz, in der Regel sogar von außen, da viele Arbeitnehmer oft zu ihrem Arbeitsplatz pendeln. Ohligs glänzt beispielsweise mit so zukunftsorientierten Unternehmen wie codecentric, Instana, WebID oder auch der Europa Service AG. Auch Handwerk und Dienstleistungen sollen nach Rat der Experten einbezogen werden: Mit dem Sparkassen-Neubau inklusive Rewe-Markt, Bäckerei und Aktionsfläche sind wichtige Bausteine hinzugekommen. 

Ohligser können bei der Umgestaltung von Fußgängerzone und Marktplatz mitbestimmen

Ein breites Kapitel nimmt in dem Strategiepapier das Thema Verkehr ein, denn lebendige und attraktive Innenstädte müssen erreichbar sein. Das aber so konfliktarm wie möglich durch einen intelligenten Mix von Auto, Bus und Bahn, Fuß- und Radverkehr. Bessere Voraussetzungen, als einen Hauptbahnhof mit attraktiven Nah- und Fernverkehrsverbindungen direkt vor der Haustür zu haben, lassen sich gar nicht denken. 

Aber der gesamte Mix ist nicht viel wert, wenn das eigentliche Wohnzimmer heruntergekommen, abgewohnt, dreckig und unattraktiv wirkt. Aber auch hier haben die Ohligser das Heft des Handelns fest in der Hand: Die Fußgängerzone und der Marktplatz in Ohligs werden derzeit aufwendig umgestaltet - wie, darüber entscheiden die Bürger im Detail sogar selbst.

Man sieht: Die aktuellen Entwicklungen in Ohligs wirken erstaunlich konsistent zu den Ratschlägen der Experten. Sie könnten von daher auch eine Blaupause auch für den schwierigeren Weg in der Solinger City sein. 

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