Tanzensemble 55plus

„Entfesselt“ feiert in der Cobra Premiere

Aggressive Tanzszenen stellen Bezüge zur Gegenwart her. Sie erinnern an heftige Polizeieinsätze. Foto: Stephan Haeger
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Aggressive Tanzszenen stellen Bezüge zur Gegenwart her. Sie erinnern an heftige Polizeieinsätze.

Tanzensemble 55plus stellt neuen Film vor.

Von Andreas Erdmann

Solingen. Prometheus, dargestellt von einem Tänzer mit weißer Maske, liegt hilflos am Boden. Im Hintergrund sind Schüsse zu hören. Kaum will er sich aufrichten, stürmen Männer in Schwarz mit Integralhelmen in den Raum und werfen ihn nieder. Sie verkörpern den griechischen Göttervater Zeus, der Prometheus bezwingt.

Diese beklemmende Tanzszene, untermalt mit einer Musik, die an Maschinengeräusche erinnert, ist Teil des Films „Entfesselt – eine Annäherung an Prometheus“. Er spielt in den Räumen der früheren Gesenkschmiede Hendrichs in Merscheid, die der Inszenierung eine archaische Kulisse bietet.

Darsteller sind die 16 Akteure des Tanzensembles 55plus „Meine Zeit ein Raubtier“. Regisseur und Choreograf Marcus Grolle hat die Szenen mit den Tänzern im Alter von 55 bis 72 Jahren einstudiert. Die Schauspielerin und Tänzerin Renate Kemperdick assistierte. Der Fotograf Stephan Haeger verfilmte die Tanzszenen, sorgte für den Schnitt und war auch für das Bühnenbild und die Dekoration zuständig.

Nun wurde der Film in der Cobra erstmals gezeigt. In atmosphärischen Bildern führt er zurück in die griechische Mythologie: „Prometheus aus dem Göttergeschlecht der Titanen formt vor Urzeiten Menschen aus Ton und wird zu deren Beschützer“, erläutert Grolle. Nach einem Streit mit Zeus habe dieser den Menschen die Nutzung des Feuers verwehrt. „Als Prometheus darauf Glut vom Himmel raubt, rächt sich Zeus, indem er Plagen in die Menschenwelt schickt und Prometheus schwer bestraft.“ Im Film werden dabei starke Bezüge zur Gegenwart deutlich.

Es war eine tolle Zeit, sehr anstrengend, doch es hat sich gelohnt.

Marcus Grolle, Regisseur und Choreograf

So erinnern aggressive Tanzsequenzen der Helmträger mit Leuchtstäben an massive Polizeieinsätze, wie sie in diesem Jahr etwa in Belarus, Russland und China oder anderswo zu beobachten waren. Am Ende aber siegen die positiven Kräfte: Der scheinbar Bezwungene wird durch Licht wieder aufgerichtet. Neben dem Film, der innerhalb von drei Wochen im März aufgezeichnet wurde, hatte das Ensemble ein Jahr lang das Tanztheater „Entfesselt“ entwickelt. „Gegenüber dem Theater hat man nun im Film ganz andere Möglichkeiten“, erklärt Stephan Haeger.„Man kann immer wieder die Perspektive wechseln, und durch die Kamera kommt man nahe an die Tänzer heran.“

Es sei einiges an Probenmaterial in den Film eingeflossen, das in dem Tanztheater nicht vorkam. „Es gab für die Tanzszenen feste Aufgabenstellungen, aber kein Skript. So haben die Tänzer viel improvisiert.“

Anfangs habe man nicht gewusst, ob das Projekt wegen der Coronakrise überhaupt realisierbar sei, erklärt Grolle. „Dann machten wir uns Corona zur Tugend und setzten die Maskenpflicht gleich choreografisch um, indem wir die Tänzer entweder Gesichtsmasken oder Helme tragen ließen.“

Wegen der Kontaktbeschränkungen habe man bei den Proben Kleingruppen gebildet und oft Einzeltraining durchgeführt. „Dadurch wurde die Arbeit viel intensiver als sonst. Es war eine tolle Zeit, sehr anstrengend, doch es hat sich gelohnt“, resümiert Grolle.

Der Film dauert 67 Minuten und ist bald auf der Seite „Meine Zeit ein Raubtier“ bei Youtube zu sehen.

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