Schutz gegen das Coronavirus

Ende der Maskenpflicht stößt in Solingen auf geteiltes Echo

Das nahende Ende der Maskenpflicht in Innenräumen verspricht Erleichterungen für den Handel. Von Brigitte Kiekenap, Rainer Francke (o. r.), Detlef Ammann (u. l.) und Ralf Engel sind jedoch durchaus skeptische Töne zu hören. Archivfotos: Michael Schütz, Buchhandlung Kiekenap, Tim Oelbermann, Moritz Alex, Roland Keusch
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Das nahende Ende der Maskenpflicht in Innenräumen verspricht Erleichterungen für den Handel. Von Brigitte Kiekenap, Rainer Francke (o. r.), Detlef Ammann (u. l.) und Ralf Engel sind jedoch durchaus skeptische Töne zu hören.

Viele Händler wollen ihre Kunden bitten, beim Einkaufen weiterhin Mund und Nase zu bedecken.

Von Manuel Böhnke

Solingen. Michael Fluck musste nicht lange überlegen. Als die ersten Diskussionen über das Ende der Maskenpflicht aufkamen, entschied er, die Maßnahme in seiner Metzgerei an der Focher Straße eigenhändig zu verlängern – er macht damit von seinem Hausrecht Gebrauch. Mit den Gründen dafür geht er offen um: „Wegen einer Nierentransplantation muss ich Immunsuppressiva nehmen.“ Der 49-Jährige zählt zur Risikogruppe. Deswegen hat er in seinem Betrieb früh weitreichende Vorsichtsmaßnahmen eingeleitet – und deswegen besteht er zunächst weiterhin auf das Tragen von Masken. Die sechsköpfige Belegschaft unterstütze ihn bei diesem Schritt. Auch die Rückmeldungen der Kunden seien überwiegend positiv.

Viel deutet darauf hin, dass am Wochenende weitere Corona-Maßnahmen in Nordrhein-Westfalen wegfallen. Am 2. April läuft die im geänderten Infektionsschutzgesetz vorgesehene Übergangsfrist aus. Dann muss unter anderem in Geschäften keine Maske mehr getragen werden. Das Land könnte die Maßnahme unter bestimmten Voraussetzungen per Hotspot-Regelung fortführen. Dafür scheint es derzeit jedoch keine politische Mehrheit zu geben.
Das sind die aktuellen Corona-Regeln in Solingen

Bei den Solinger Einzelhändlern stößt das voraussichtliche Ende der Maskenpflicht auf geteiltes Echo. Ihr seien einige Betriebe bekannt, die ihren Kunden signalisieren wollen, dass das Maskentragen erwünscht bleibt, berichtet Brigitte Kiekenap. So möchte es die Vorsitzende der Ohligser Werbe- und Interessengemeinschaft auch in ihrer Buchhandlung handhaben. Für ein ähnliches Vorgehen hat sich Rainer Francke in seinem Geschäft Bücherwald entschieden. Fest stehe, dass die Belegschaft weiter Masken tragen werde. Dabei gehe es in erster Linie um Gesundheitsschutz.

Die Maske bleibt: Arbeitgeber wollen so auch das eigene Personal schützen

Zudem sei andernfalls die Gefahr zu hoch, dass sich die Mitarbeiter untereinander infizieren. „Dann müssen wir schließen“, betont der Vorsitzende des Walder Werberings. Den Kunden stelle er frei, ob sie Mund und Nase beim Einkaufen bedecken. Franckes Eindruck aus zahlreichen Gesprächen: Der Großteil möchte vorerst nicht darauf verzichten. Das kann er nachvollziehen: „Viele merken im persönlichen Umfeld, dass es dort so viele positive Fälle gibt wie seit Beginn der Pandemie nicht. Mir fehlt das Verständnis, dass die Maskenpflicht in dieser Situation fällt.“

Ralf Engel kann diese Bedenken verstehen. Bei ihm hätten sich einige Betriebe gemeldet, die weiterhin nur maskentragende Kunden in ihr Geschäft lassen möchten, sagt der fürs Bergische zuständige Geschäftsführer des Handelsverbandes NRW – Rheinland. Für sie sei es eine Chance, mit einem sicheren Einkaufserlebnis zu werben. Auf der anderen Seite gebe es Inhaber, die das Wegfallen der Regel befürworten – viele Kunden sähen die Masken als Hindernis an. „Vor allem in der ersten Zeit ohne Maskenpflicht wird es auf das Fingerspitzengefühl der Händler ankommen. Diesbezüglich mache ich mir aber keine Sorgen“, betont Ralf Engel.

Auch Detlef Ammann, Vorsitzender des Werbe- und Interessenrings Solinger Innenstadt, hat sich bei einigen Kollegen umgehört. Viele befürworteten die Erleichterung für die Kunden. Einige wollten selbst weiter Maske im Geschäft tragen – manche grundsätzlich, andere vor allem bei großem Andrang. „Wichtig ist, Rücksicht auf die Kunden zu nehmen“, betont Ammann.

Michael Fluck möchte abwarten, wie sich die Corona-Lage in den kommenden Wochen entwickelt. Zunächst gilt die Maskenpflicht in seiner Metzgerei bis zum 7. Mai, dann folgen dreiwöchige Betriebsferien. „Irgendwann werden wir die Entscheidung treffen, dass wir das Restrisiko tragen können“, sagt er. Dieser Zeitpunkt sei in der aktuellen Phase der Pandemie allerdings noch nicht erreicht.

Stadt

Auch die Solinger Verwaltung beschäftigt sich mit dem möglichen Ende der Maskenpflicht in Innenräumen. Die Stadt bestätigt auf Tageblatt-Nachfrage Pläne, wonach in kommunalen Gebäuden wie dem Rathaus, Bürgerbüros und dem Theater und Konzerthaus weiter Masken getragen werden sollen. Diese Vorgabe habe Oberbürgermeister Tim Kurzbach (SPD) in der jüngsten Sitzung des Verwaltungsvorstands bekräftigt.

Standpunkt: Keine Partystimmung

Kommentar von Manuel Böhnke

manuel.boehnke@ solinger-tageblatt.de

Der „Freedom Day“ naht, doch von Partystimmung ist wenig zu spüren. Der Großteil der Corona-Beschränkungen ist Geschichte, am Wochenende fällt wohl zudem die Maskenpflicht in den meisten Innenräumen. Vielen Solingern bereitet das Unbehagen. Das ist verständlich. Die Logik der vergangenen beiden Pandemie-Jahre war simpel: Stiegen die Corona-Fallzahlen, wurden härtere Maßnahmen erlassen, erkrankten weniger Menschen, gab es Lockerungen. Dieses Verhältnis hat sich entkoppelt. Trotz anhaltend hoher Inzidenzen, die uns 2020 und 2021 noch unvorstellbar erschienen, laufen die Maßnahmen aus. Hauptgründe dafür sind der Impffortschritt und die Omikron-Variante, die statistisch seltener zu schweren Verläufen führt. Nun braucht es gegenseitiges Verständnis. Jemand verzichtet im Supermarkt auf eine Maske, besucht Großveranstaltungen? Das ist sein gutes Recht. Ein anderer behält die Maske auf, meidet persönliche Kontakt? Auch okay. Darüber nach zwei Jahren Pandemie noch zu diskutieren, ist müßig. Für beide Seiten kann es nachvollziehbare Gründe geben, wie das Beispiel Michael Fluck zeigt.

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