Befragung

Eltern: Schule benachteiligt Zuwanderer

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Befragung unter 700 Solingern legt Defizite an Bildungseinrichtungen offen.

Von Andreas Tews

Solingen. Kinder mit ausländischen Wurzeln werden in der Schule benachteiligt. Diese Erfahrung hat fast ein Viertel der 700 Solinger Eltern gemacht, die sich an einer Befragung zu diesem Thema beteiligt haben. Noch schlechter sieht es bei den Eltern selbst aus. Hier sehen 40 Prozent der Befragten eine Diskriminierung von Menschen mit Migrationsgeschichte durch das Schulsystem.

Mit diesen Zahlen stehe Solingen im Vergleich zu anderen Städten nicht alleine da, erklärten Sprecher der Stadtverwaltung, der Diakonie und der Stadtschulpflegschaft, die die Befragung initiiert oder begleitet haben. „Wir schauen nur genauer hin“, erklärt Wolfgang Arzt (Diakonisches Werk).

Alarmiert sind die Fachleute dennoch. In einem nächsten Schritt sei es wichtig, sich inhaltlich intensiv mit dem Thema auseinanderzusetzen, erklärten die Geschäftsführerin des Diakonischen Werks, Ulrike Kilp, und Michael Roden, der bei der Stadtverwaltung das Programm „NRWeltoffen“ koordiniert.

„Die Sichtweise eines Betroffenen ist oft anders als wir glauben.“

Ulrike Kilp, Diakonisches Werk

Die Rede ist von einem „strukturellen Rassismus“ in der Gesellschaft. Die Schule mache da laut Roden keine Ausnahme. Oft sei den Menschen gar nicht bewusst, wenn sie Menschen anderer Nationalität sowie anderer Hautfarbe oder Religion diskriminieren. „Viele Privilegierte sehen nicht einmal, dass es Diskriminierung gibt, ergänzt Kilp. Dies berge einen gesellschaftlichen Zündstoff, der sich am Ende entladen könne, wie es aktuell in den USA geschehe. Dankbar zeigt sich Roden deswegen, dass die Stadtschulpflegschaft die Untersuchung angestoßen hat.

Bei den dabei gewonnenen Zahlen überrascht Antonia Depner von der Stadtschulpflegschaft die Erkenntnis, dass die Ursache für Benachteiligung offenbar nicht in mangelnden Sprachkenntnissen der Betroffenen zu suchen ist. Selbst unter den Befragten mit Migrationshintergrund erklärten fast alle, dass sie zum Beispiel den Ausführungen der Lehrer bei Elternabenden oder Einzelgesprächen gut folgen können.

Auf der Suche nach Ursachen sei es beim inhaltlichen Vertiefen jetzt wichtig, mit denen, die sich benachteiligt fühlen, zu sprechen, erklärt Kilp und gibt zu bedenken: „Die Sichtweise eines Betroffenen ist oft anders, als wir glauben.“ Es sei wichtig, Eltern und Schüler zu fragen, was Benachteiligung für sie konkret bedeute und ihnen dann vor allem auch zuzuhören. Allerdings hat Antonia Depner beobachtet, dass es auch unter den Eltern nicht immer leicht falle, mit Familien, die sich benachteiligt fühlen, ins Gespräch zu kommen. „Diese Mühe müssen wir uns aber machen“, sagt Kilp. „Es wird sich lohnen.“ Michael Roden rechnet damit, dass die Detailanalyse nach den Sommerferien beginnen werde.

Die Leiterin des Kommunalen Integrationszentrums Anne Wehkamp weist darauf hin, dass an Schulen bereits viel bei der Antirassismus-Arbeit geleistet werde. Sie nennt Programme wie „NRWeltoffen“ oder „Schule ohne Rassismus“ und Fortbildungen für Akteure der Jugendbildung zum Umgang mit Diskriminierung. Dies sei aber ein langer Prozess, an dem stetig gearbeitet werden müsse.

Einen generellen Appell richtet Antonia Depner an die Eltern. Es sei immer möglich, Kontakt mit der Stadtschulpflegschaft aufzunehmen und mit deren Hilfe Probleme zu beheben.

Befragung

Bei der Elternbefragung haben laut Diakonie 712 Personen verwertbare Ergebnisse geliefert. Die Online-Befragung wurde auf Deutsch, Arabisch, Italienisch, Polnisch und Türkisch angeboten. 78,3 Prozent der Teilnehmer hatten keinen Migrationshintergrund, 21,7 Prozent hatten einen. Von Letzteren hatten 63 Prozent der Personen zehn Jahre oder länger eine deutsche Schule besucht.

Integrationszentrum und Diakonie kooperieren: Konzept soll Rassismus und Rechtsextremismus bekämpfen.

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