Digitaler Unterricht

Eltern kritisieren hohe Kosten für Tablets

Am Gymnasium Schwertstraße sollen die Schüler verstärkt digital arbeiten. Archivfoto: cb
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Am Gymnasium Schwertstraße sollen die Schüler verstärkt digital arbeiten.

Familien sollen iPads für Schüler anschaffen – nur bei Bedürftigkeit Anspruch auf Leihgerät.

Von Kristin Dowe

Solingen. Leicht verwundert zeigte sich am Montag Ulrich Nachtkamp, Schulleiter des Gymnasiums Schwertstraße, über Kritik aus den Reihen der Elternschaft, die einige Mütter und Väter in einem offenen Brief (siehe hier) formuliert hatten. Auslöser war die Empfehlung der Schulleitung speziell an Schüler der unteren Jahrgänge, für den digitalen Unterricht ein Tablet anzuschaffen, da die Schule mittelfristig mit den Geräten im Unterricht arbeiten will. „Eine Pflicht zur Anschaffung gibt es seitens der Schule ausdrücklich nicht“, hält Nachtkamp fest und gibt den Eltern ein Versprechen: Egal, ob ein Gerät gekauft werde oder nicht, werde in keinem Fall ein Schüler vom Unterricht ausgeschlossen. „Für jede Schulstunde stehen ausreichend Leihgeräte zur Verfügung.“

Bei einigen Eltern regt sich dennoch Widerstand gegen die ihnen auferlegten Kosten durch die Anschaffung. „Das günstigste Angebot liegt bei 480 Euro. Wenn man für sein Kind das Modell anschafft, das die Stadt an bedürftige Kinder verleiht, sind 704 Euro pro iPad fällig“, heißt es in dem Schreiben der Eltern. Zu diesem Aspekt schreibt die Solinger Schuldezernentin Dagmar Becker (Grüne) in einer Stellungnahme: „Die Solinger Schulen haben sich in Arbeitsgruppen mit der Stadt auf einen Gerätestandard geeinigt, weil ohne technische Standards weder effiziente Geräteverwaltung noch professioneller Netzwerkbetrieb noch sinnvoller, inhaltlicher Unterricht möglich sind.“

Unterzeichner des offenen Briefes berufen sich auf Lernmittelfreiheit

Die Unterzeichner argumentieren in ihrem Schreiben unter anderem mit der im Schulgesetz verankerten Lernmittelfreiheit. Das Gesetz sieht vor, dass Lernmittel einem Schüler vom Schulträger kostenfrei überlassen werden. Nachtkamp hält dem entgegen, dass die digitalen Geräte nicht unter die Lernmittelfreiheit fielen, weil es sich dabei um technische Ausstattung handele. Aus Sicht der Unterzeichner gebe es für eine Anschaffungspflicht der iPads (die laut Nachtkamp auch nicht besteht) keine rechtliche Grundlage. Auch habe die Stadt mit dem Kauf von rund 4000 iPads – zuletzt sprach die Stadt immer von 3500 – der Firma Apple für bedürftige Familien, finanziert aus dem Digitalpakt, einen teuren Standard gesetzt. Eltern ohne Bedürftigkeitsnachweis müssten somit das recht kostspielige Apple-Modell kaufen anstelle etwa eines deutlich günstigeren Android-Geräts. Die Unterzeichner fordern, ebenfalls ein iPad entleihen zu können, da die Anschaffung eines solchen Geräts auch „für viele Familien jenseits der Bedürftigkeitsgrenze einen Luxus“ darstelle, argumentieren sie.

Schulleiter Ulrich Nachtkamp bemühte sich am Montag, die Wogen zu glätten. Grundsätzlich sei der Wunsch, die Digitalisierung an der Schule voranzutreiben, während der Coronazeit aus den Reihen der Eltern entstanden. Die Anschaffung der Geräte sei zudem sowohl in der Schulpflegschaftssitzung als auch in der Schulkonferenz einstimmig von den Eltern mitgetragen worden. Gleichzeitig stellt er klar: „Wir haben als Schule keine Ressourcen, jeden Gerätebedarf zu bedienen, so dass der Entleih an soziale Kriterien gebunden bleiben muss.“

Auch der Schulpflegschaftsvorsitzende Dr. Klaus Krieger teilt die Einschätzung der Schulleitung – die Kritik der Verfasser des Briefes sei nicht repräsentativ für die gesamte Elternschaft am Gymnasium Schwertstraße. „Ich hoffe, das wird als Chance gesehen.“ Heute gibt es für die Eltern einen digitalen Informationsabend zum Thema.

Standpunkt: Chancengleichheit wahren

Von Kristin Dowe

kristin.dowe@solinger-tageblatt.de

Um es positiv zu betrachten: Insgesamt ist Solingen bei der Digitalisierung der Schulen auf einem guten Weg. So ist es ein Erfolg, dass rund 4000 Schüler mit Mitteln aus dem Digitalpakt mit Leihgeräten ausgestattet werden, und auch sonst hat die Stadt zuletzt – etwa durch verbesserte Internetanbindung an Schulen – einige Anstrengungen unternommen, damit die junge Generation buchstäblich den Anschluss an das digitale Zeitalter nicht verliert. Dies ist auch für Eltern ein wichtiges Anliegen, wie die Diskussion um die Anschaffung von Tablets am Gymnasium Schwertstraße zeigt. Zur Wahrheit gehört aber auch: Für Digitalisierung muss richtig Geld in die Hand genommen werden. Zwar ist der Schule im vorliegenden Fall kein Vorwurf zu machen, da ein entsprechender Beschluss für die Anschaffung offenbar einstimmig in der Schulkonferenz gefasst wurde. Doch die Sorgen der Eltern sind durchaus nachvollziehbar. So dürfte es für die Kinder schon eine Rolle spielen, ob sie ein eigenes Gerät besitzen oder auf eine Leihgabe der Stadt zurückgreifen müssen. Das erzeugt sozialen Druck. Deshalb sollte der Aspekt der Chancengleichheit bei der Digitalisierung aufmerksam im Blick behalten werden.

Auch interessant: Firmen peppen Computer für Schüler auf. Codecentric, Systemhaus Erdmann und Walbusch sind bei der Aktion „Hey, Alter!“ aktiv. 

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