Herzlichen Glückwunsch

Elsbeth Langer wird heute 100 Jahre alt

Die Fülle an klassischer Musik und die großen Konzert- und Opernhäuser dieser Welt waren die Begleiter von Elsbeth Langer, die heute 100 Jahre alt wird. Das Tagblatt hat sie vorab besucht. Foto: Christian Beier
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Die Fülle an klassischer Musik und die großen Konzert- und Opernhäuser dieser Welt waren die Begleiter von Elsbeth Langer, die heute 100 Jahre alt wird. Das Tageblatt hat sie vorab besucht.

Eine Kennerin der Musikkultur blickt auf ein bewegtes Leben zurück – Seit 80 Jahren besucht sie in Solingen Konzerte.

Von Philipp Müller

Solingen. Natürlich war Elsbeth Langer vergangenen Dienstag im Philharmonischen Konzert der Bergischen Symphoniker. Seit 80 Jahren lässt sie kaum ein Konzert von Solinger Klassik-Profis aus. „Aber die Atmosphäre mit dem leeren Saal und all die Hygienebestimmungen stören die Stimmung“, sagt sie. Heute wird die zierliche Solingerin, die so voller Lebensenergie steckt, 100 Jahre alt. Der Bürgermeister wird kommen. Und Ernst Lauterjung wird vom Bezirksbürgermeister Udo Vogtländer begleitet. Die große Sause in Rüden muss leider ausfallen. Das Tageblatt durfte sie einige Tage vor ihrem heutigen Ehrentag besuchen.

Natürlich geht es in dem Gespräch um Kultur. Aber auch darum, wie man 100 Jahre Lebenserfahrung zusammenfasst, wie die Bilanz ausfällt. Die zieht sie aber erst seit ganz kurzer Zeit. „Ich lebe immer im Hier und Jetzt“, sagt sie. Die Corona-Pandemie und die viele freie Zeit, weil sie ihre geliebten Konzerte nicht besuchen konnte, habe sie jedoch dazu gebracht, auch einmal zurückzublicken.

„Der Himmel hing voller Geigen.“
Elsbeth Langer über ihre erste Ehe als 20-Jährige im Jahr 1940

Da kann man sich bei einem Gespräch nur auf wenige Momente beschränken. Da war der Kaisersaal, der dort stand, wo heute am Mühlenplatz eine Tanzschule ist. Da habe sie als 20-Jährige erstmals klassische Musik gehört. „Ein Abo gab es nicht, da musste man immer einzeln die Karten kaufen,“ erzählt sie. Nach dem Krieg sei sie dann ins Konzerthaus am Schlagbaum gegangen. Überhaupt der Krieg. Elsbeth Langer blickt einen Augenblick ganz nach innen. Ein junger Solinger sei ihre große Liebe gewesen. Er war Jagdflieger, es wurde geheiratet. „Der Himmel hing voller Geigen.“ Er stürzte im Kampf schon 1940 ab. „Da war ich plötzlich die jüngste Kriegerwitwe.“ Sie sei völlig traumatisiert gewesen. Neun Jahre dauerte es, bis sie eine neue Beziehung eingehen konnte.

Das war zugleich der Aufbruch in ein neues Leben und zu neuen Ufern. Das Reisen bestimmte fortan ihr Leben. „Wir haben das mit dem Zelt gemacht, und schon in den 50er Jahren viel von Europa gesehen.“ Ganz Skandinavien, die Länder am Mittelmeer zählt sie auf. Oft war die Musik mit im Gepäck, nämlich die großen Häuser als Reiseziel auf dem Zettel. Die Scala in Mailand – natürlich war sie dort. Verona mit den Opern besuchte sie, als das Spektakel in der römischen Arena noch kaum einer kannte. Turandot sei ihre Lieblingsoper streut sie ein. Die habe sie auch in New York in der Met gesehen. Das Bolschoi-Theater in St. Petersburg und die Eremitage hätten sie sehr stark beeindruckt. Na klar, in Paris im Louvre war sie auch. Und erst die Semper Oper in Dresden, was sei die doch toll.

Das Zelt wich irgendwann dem Hotel. Elsbeth Langer arbeitete als Chefsekretärin bei Robert Krups, für die AOK und das Arbeitsamt. Kinder blieben ihr bei dem durch den Krieg unterbrochnen Lebenslauf verwehrt. Da spricht sie nicht gerne drüber. Sie ist lieber im Jetzt, hellwach zählt sie weitere Passionen auf. Dazu gehört das Wandern. Sie ist Mitglied der Wanderfalken. Deren Vorsitzende, Marlies Pickelein, schreibt dem Tageblatt: „Lange Jahre hat sie die Führung und die Planung für viele Touren übernommen.“ Bescheiden wie sie ist, hätte Langer das nicht erzählt.

„Immer vorne weg“ beschreibt Elsbeth Langer bestimmt gut. Ein Wunsch wurde ihr bisher nicht erfüllt: Sie wäre gerne in die Elbphilharmonie nach Hamburg gefahren. Ihr Großneffe, der Solinger Komponist Elias Jurgschat, sollte dort eine seiner Kompositionen vorstellen. Corona verhinderte das. Die „Elphi“ kennt sie nicht. Sie wird sie sehen. So viel Zuversicht geht mit ins 101. Lebensjahr.

Besuch von den Symphonikern

Als jahrzehntelange Abonnentin der Bergischen Symphoniker hat Elsbeth Langer natürlich fast schon einen „Anspruch“ auf eine besondere Geste des Orchesters. Und so freut sie sich heute auf ein Duo aus dem Orchester, das bei ihr zu Hause ein Geburtstagsständchen spielen wird. Das empfindet sie als große Ehre. Von den letzten Dirigenten lobt sie besonders Peter Kuhn, der die Symphoniker toll geformt habe.

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