Landgericht

Prozess um Misshandlung: Elfjähriger soll erneut in den Zeugenstand

Blick auf das Landgericht in Wuppertal.
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Er hat unter größten Ängsten im Gericht ausgesagt, nun soll er in den Zeugenstand zurück.

Mutmaßliches Misshandlungsopfer sagte bereits unter größten Ängsten aus.

Von Dirk Lotze

Solingen. Er hat unter größten Ängsten im Gericht ausgesagt, nun soll er in den Zeugenstand zurück: In einem Prozess um gewalttätige Misshandlungen in einer Solinger Familie soll der elfjährige Geschädigte ein weiteres Mal öffentlich vernommen werden. Das hat die Verteidigung des Angeklagten (41) beantragt.

Im Landgericht Wuppertal verantworten muss sich der frühere Lebensgefährte der Mutter. Der einschlägig vorbestrafte Mann soll den Jungen mit Wucht gegen eine Wand gedrückt und gewürgt haben, um ihn zum Aufessen zu „erziehen“. Der Staatsanwalt hat beantragt, auf die zusätzliche, belastende Befragung des Jungen zu verzichten und bewertete aus seiner Sicht: „Die unter Beweis gestellte Tatsache ist für die Entscheidung des Gerichts bedeutungslos.“

Der Angeklagte ist vorbestraft wegen erniedrigender Gewalt gegen einen anderen Jungen, den Sohn einer früheren Lebenspartnerin – ebenfalls in Solingen. Er verbüßt dafür derzeit vier Jahre Freiheitsstrafe. Im aktuellen Fall wirft die Staatsanwaltschaft ihm vor, vor der Inhaftierung sein neues Opfer Ende Juli oder Anfang August 2021 in der damaligen, gemeinsamen Wohnung misshandelt zu haben. Er habe dem Kind zunächst eine Spielkonsole und ein Handy weggenommen, dann habe er die Gewalt gesteigert.

Elfjähriger sagt gegen seine Mutter aus

Der Elfjährige hat ausgesagt, dass seine Mutter seine Schreie aus dem Kinderzimmer bestimmt vom Wohnzimmer aus habe hören können. Sie habe ihm aber nicht geholfen. Durch die gewaltsamen Griffe des Angeklagten habe er tagelang unter Schmerzen an der Schulter und unter den Armen gelitten. Am Hals soll der Junge einen Kratzer davongetragen haben. Als Auslöser kommt den Aussagen zufolge in Frage, dass der Junge beim Frühstück ein halbes Brötchen übrig gelassen hatte. Die Mutter habe ebenso geschimpft wie der Angeklagte.

Zur Aussage des Jungen im Dezember 2022 hatte das Gericht ein Paket von Maßnahmen veranlasst, um ihn zu schützen: Der Elfjährige wurde von einer Sozialarbeiterin betreut; der Angeklagte saß hinter einer Stellwand, damit es keinen Sichtkontakt geben sollte. Der Junge hatte zugesagt, eine Aussage versuchen zu wollen - und hielt durch. Die Misshandlung habe er nach dem Geschehen zunächst verheimlicht, weil er sich fürchtete. Laut Vater hatte sich ihm der Junge bei einem Besuchswochenende offenbart: unter Tränen und am ganzen Körper zitternd.

Wie angespannt die Situation in der Familie 2021 war, berichtete ein Sozialarbeiter des Jugendamts als Zeuge: Im Frühsommer hatte es zunächst eine anonyme Anzeige gegen die Mutter gegeben, die sich nicht erhärtet habe. Ende August habe der getrennt lebende Vater dringend einen Termin gewollt. Im Jugendamt habe der Sohn berichtet: Die Mutter schlage ihn. Er wolle zum Vater ziehen. Das habe der Sozialarbeiter genehmigt.

Laut Aussagen berichtete der Sohn dem Vater am selben Tag nach der Heimfahrt im Auto erstmals von Gewalt durch den Angeklagten. Ein Ablauf, den der Sozialarbeiter als üblich einordnete: „Es ist normal, dass Kinder kleckerweise erzählen, was sich zugetragen hat.“

Die beiden Anwältinnen des Angeklagten werteten den Umstand als fragwürdig, es sei „alles nicht rund“. In der neuen Vernehmung wollen sie von dem Elfjährigen den Aufnahmetag eines Videos erfahren. In den Aufnahmen beschwert sich der Junge über den Angeklagten, er erwähnt aber keine Gewalt.

Ob der Junge erneut aussagen muss, entscheidet das Gericht. Die Richterinnen und Richter wollen am 7. Februar weiter verhandeln.

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