Zukunft der Sportstätte

Stadt will die Eishalle zurückkaufen

Die Eissporthalle an der Birkerstraße.
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Die Eissporthalle an der Birkerstraße.

Einen Neubau der sanierungsbedürftigen Eishalle wird es nicht geben. Das Gebäude soll erhalten und vom EC Bergisch Land betrieben werden.

Von Kristin Dowe

Solingen. Für den Fortbestand der Solinger Eissporthalle zeichnet sich eine Lösung ab: Die Verwaltung bestätigte mit einer Mitteilung jetzt ST-Informationen über den geplanten Verkauf der Eishalle seitens der Lebenshilfe an die Stadt. In deren Eigentum hatte sich die Anlage ursprünglich befunden. Die Entscheidung fiel am Mittwochabend bei einer außerordentlichen Mitgliederversammlung der Lebenshilfe. Den Betrieb der Halle will die Stadt dem Eishockeyclub (EC) Bergisch Land als Erbbaurecht übertragen. Während der vertraglich zu vereinbarenden Laufzeit muss der Verein dafür einen marktgerechten Erbbauzins an die Stadt zahlen.

Bevor es dazu kommt, bedarf es der Zustimmung der politischen Gremien – neben der Einbindung des Sport- und des Finanzausschusses ist ein Ratsbeschluss für die Pläne erforderlich. Peter Heinen, Vorsitzender der Lebenshilfe Solingen, zeigt sich mit der angestrebten Lösung zufrieden: „Es gibt auf allen Seiten nur Gewinner“, ist er überzeugt. „Wir haben der Stadt ganz offen gesagt, dass wir die Eishalle in der nächsten Saison nicht mehr betreiben können.“

Ein technischer Defekt am Verdichter der Halle hatte zuletzt zu einer vorzeitigen Schließung der Anlage geführt. So bestand enormer Handlungsdruck für alle Beteiligten, wenn der Eissport in Solingen weiter eine Zukunft haben soll. Die Initiative für den Rückkauf sei schließlich von der Stadt ausgegangen.

Stadt soll siebenstelligen Betrag an die Lebenshilfe zahlen

„Bei der Mitgliederversammlung sind zwar hier und dort die Emotionen hochgekocht, aber grundsätzlich haben wir eine sachliche und faire Diskussion geführt“, resümiert Heinen. So habe es auch kritische Stimmen aus den Reihen des Vereins gegeben mit der Begründung, dass das Kaufangebot der Stadt nicht zufriedenstellend sei. „Das sehe ich nicht so. Wir haben den optimalen Preis ausgehandelt.“ Für den Rückkauf solle „ein siebenstelliger Betrag“ an die Lebenshilfe fließen. Im Vorfeld habe es „intensive Verhandlungen“ in mehreren Sitzungen aller Beteiligten gegeben.

Beim EC Bergisch Land beschreibt Wolfgang Lingen die Stimmung als „euphorisch“, wenngleich der Vorsitzende sich der Herausforderungen bewusst ist, die nun auf den Verein als künftigen Betreiber der Eishalle zukommen werden. „Ich muss die Stadt loben, dass sie auf den dringenden Handlungsbedarf bei der Rettung des Eissports in Solingen sofort reagiert hat.“

Für die Instandsetzung der Eishalle habe der EC Bergisch Land bereits ein mehrstufiges Betriebskonzept erarbeitet – unter anderem müssen an der stark sanierungsbedürftigen Eishalle bauliche Elemente wie Verdichter (Ammoniak-Anlage), Filter, Pumpe und Notbeleuchtung erneuert werden.

Wir möchten beim Eissport jungen Menschen wieder ein Angebot machen.

Wolfgang Lingen, Vorsitzender des EC Bergisch Land

Für den Betrieb sei in dieser Woche die Solinger Eissport gGmbh gegründet worden, während der Verein die Rolle des Gesellschafters übernimmt, so Lingen. „Wir möchten beim Eissport gerade jungen Menschen in Solingen wieder ein Angebot machen.“ So wolle der EC Bergisch Land unter anderem die Eisdisco am Samstagabend wieder einführen und auf die Schulen bezüglich des Sportunterrichts zugehen.

Eine positive Bilanz für die Verhandlungen zwischen Stadt, Lebenshilfe und Eissport-Vertretern zieht auch Stadtdirektorin Dagmar Becker (Grüne) in einer Mitteilung: „Wir haben konstruktiv zusammengearbeitet und hatten immer ein gemeinsames Ziel: Den Erhalt des Eissports in Solingen. Und es lag uns sehr am Herzen, dieses wichtige Freizeitangebot für Kinder und Jugendliche in unserer Stadt zu retten.“

Salvatore Tranchina, sportpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion, sieht in der Entwicklung „ein wichtiges Signal für den Sport“. Es sei ein Gewinn, dass die früheren Pläne der Lebenshilfe für einen Neubau einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung an diesem Standort damit endgültig vom Tisch seien. „Diese Gedanken führten in eine Sackgasse“, so Tranchina in einer Mitteilung der SPD-Ratsfraktion. Auch der Vorsitzende des Sportausschusses und Parteikollege Ernst Lauterjung schließt sich an: „Damit kann ich das Thema nun endgültig auf die Tagesordnung setzen. Die nötigen Details für die Beratungen stellt die Verwaltung zeitnah in einer Vorlage zusammen.“

Iris Michelmann, jugendpolitische Sprecherin der Ratsfraktion der Grünen, verweist auf die große Bedeutung des Standorts der Eishalle für junge Menschen: „Für viele Jugendliche ist durch die Nähe zum Südpark, zur Innenstadt und weiteren Aufenthaltsorten ein wichtiger Treffpunkt an der Eishalle entstanden.“ Dies hätte bei einem Neubau an anderer Stelle verloren gehen können.

Hintergrund

Geschichte: Von 1975 bis 2004 betrieb die Stadt Solingen die Eissporthalle, war aber nicht mehr in der Lage, diese finanziell zu unterhalten. 2004 übernahm die „Anders Leben Eissporthalle Solingen gGmbH“, ein inklusives Unternehmen der Lebenshilfe, den Betrieb.

Ausblick: Aktuell sind noch sechs Beschäftigte bei der „Anders Leben“ für den Betrieb der Eishalle angestellt, vier davon mit Behinderung. Sie sollen übernommen werden.

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Standpunkt von Kristin Dowe: Belastbares Konzept

kristin.dowe@solinger-tageblatt.de

Mit der Nachricht über den geplanten Rückkauf der Eishalle durch die Stadt dürfte ein Aufatmen durch die Stadtgesellschaft gehen. Denn angesichts des gewaltigen Sanierungsstaus an dem Gebäude wäre der weitere Betrieb der Halle in der nächsten Saison für die Lebenshilfe nicht zu stemmen gewesen. Dies hätte auch für die Solinger Eissportvereine das sichere Aus bedeutet.

Für den nun eingeschlagenen Weg dürfte es breite Zustimmung aus der Politik geben, hatten sich die Parteien doch unisono für den Erhalt eines Eissportangebots in der Klingenstadt ausgesprochen. Auch für die Lebenshilfe ist der wahrscheinliche Verkauf ein Gewinn, denn der Betrieb der Anlage war für die Einrichtung schon länger zur Belastung geworden.

Löblich ist das Ziel des EC Bergisch Land, die Beschäftigten des integrativen Unternehmens zu übernehmen. Doch die Rettung des Eissports in Solingen wird kein Selbstläufer. Stadt und EC müssen nun ein belastbares Konzept liefern.

Unter Bericht vom 21. Juli, 8 Uhr:

Solingen. Ein Neubau der lange sanierungsbedürftigen Eishalle ist seit Dezember 2021 vom Tisch. Stattdessen will die Lebenshilfe Halle und Grundstück an die Stadt verkaufen. Die Entscheidung dafür fiel am Mittwoch in einer außerordentlichen Mitgliederversammlung der Lebenshilfe.

Damit hat die Lebenshilfe die Grundlage für den nächsten Schritt geschaffen. Die Stadt will den Betrieb der Halle dem Eishockeyclub (EC) Bergisch Land als Erbbaurecht übertragen. Während der vertraglich zu vereinbarenden Laufzeit muss der Verein dafür einen marktgerechten Erbbauzins an die Stadt zahlen. Doch zunächst ist die Politik am Zuge: Sie muss dem Kauf der Eissporthalle nun zustimmen. Vor diesem Hintergrund werden in der kommenden Sitzungsrunde die zuständigen Gremien - Sportausschuss und Finanzausschuss - eingebunden.

Vorausgegangen waren intensive Gespräche der Verhandlungspartner. „Wir haben konstruktiv zusammengearbeitet und hatten immer ein gemeinsames Ziel: Den Erhalt des Eissports in Solingen. Und es lag uns sehr am Herzen, dieses wichtige Freizeitangebot für Kinder und Jugendliche in unserer Stadt zu retten“, betont Stadtdirektorin Dagmar Becker. Das bestätigt auch Peter Heinen, erster Vorsitzender der Lebenshilfe: „Nachdem sich unsere ursprünglichen Pläne, auf dem Gelände der Eishalle eine neue Werkstatt für Menschen mit Behinderungen zu errichten, nicht umsetzen ließen und die Fortführung des Betriebs für die Lebenshilfe aus wirtschaftlichen Gründen nicht mehr vertretbar war, war es uns wichtig, eine Lösung zu finden.“

Ursprünglich wollte sich die Lebenshilfe als Betreiber, von der Eissporthalle an der Birkerstraße trennen. Auf dem Grundstück planten sie einen Neubau, in den ihre Behindertenwerkstatt umziehen sollte. Vor rund einem Jahr teilte die Vorstandsvorsitzende des Vereins der Solinger Lebenshilfe, Prof. Susanne Schwalen, dann mit, die Lebenshilfe wolle die Zukunft der Eishalle jetzt intern klären. Damit waren aber alle Möglichkeiten wieder offen. Die Stadt wollte zu dem Zeitpunkt keinen Rückkauf, sei aber bereit, die Lebenshilfe dabei zu unterstützen, die Sanierung der 42 Jahre alten Halle mit Fördermitteln zu ermöglichen.

Um einen realisierbaren Weg zu eröffnen, hat die Stadt sich wieder eingebracht und es wurde eine Kaufoption entwickelt, wie sie nun zum Zuge kommen soll. Eng in die Gespräche einbezogen war immer auch der EC Bergisch Land als wesentlicher Nutzer der Halle, der den Betrieb übernehmen soll. red/ kab

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