Weihnachtsgeschäft

Einzelhandel in Solingen klagt über Lieferengpässe

Thomas Gongoll, Inhaber des gleichnamigen Spielzeug- und Freizeitmarktes in Ohligs, hat die Regale gut gefüllt. Aber gerade bei Artikeln, in denen elektronische Teile verbaut sind, gibt es große Lieferschwierigkeiten. Foto: Michael Schütz
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Thomas Gongoll, Inhaber des gleichnamigen Spielzeug- und Freizeitmarktes in Ohligs, hat die Regale gut gefüllt. Aber gerade bei Artikeln, in denen elektronische Teile verbaut sind, gibt es große Lieferschwierigkeiten.

Händler von Elektroartikeln oder Spielzeug empfehlen, Weihnachtsgeschenke frühzeitig zu kaufen.

Von Simone Theyßen-Speich

Solingen. In zwei Monaten ist Weihnachten. Wer aber den Kauf von Weihnachtsgeschenken gerne auf die letzten Tage vor dem Fest geschoben hat, der könnte in diesem Jahr ein Problem bekommen. In vielen Branchen gibt es Lieferengpässe. Gerade in den mit Blick auf Weihnachtsgeschenke beliebten Sparten wie Spielzeug oder Elektroartikel könnte es in diesem Jahr eng werden.

„Lieferprobleme gibt es derzeit in fast allen Bereichen“, erklärt Thomas Gongoll, Inhaber des gleichnamigen Spielzeug- und Freizeit-Fachmarktes in Ohligs. Das Problem reiche von Elektronik-Spielzeug, weil in der Produktion die Chips fehlen, bis zu Brettspielen, weil die Container nicht rechtzeitig kommen.

Fernseher sind verfügbar - Probleme gibt es bei Spülmaschinen und Kühlschränken

Auch den Preisanstieg sieht er mit Sorge. „Die Frachtkosten für einen 40-Fuß-Container aus Asien sind von 4000 US-Dollar auf bis zu 17 000 US-Dollar angestiegen.“ Thomas Gongoll befürchtet, dass sich das auf die Endverbraucher-Preise auswirken wird. Auch die Verknappung der Ware, etwa durch fehlende Elektronik-Chips, könnte für Preissteigerungen sorgen.

Die Engpässe bei den Elektronik-Bauteilen machten sich beispielsweise bei den Lego-Systemen bemerkbar, in denen immer mehr elektronische Elemente verbaut seien. Er empfiehlt Kunden, die einen speziellen Artikel zu Weihnachten haben möchten, sich schon jetzt zu informieren und den Artikel zu kaufen.

Diesen Rat gibt auch Ralf Kohns, Geschäftsführer von Expert Schultes. In der Elektroartikel-Branche spüre man die Lieferengpässe schon seit Beginn der Pandemie. „Seit Homeoffice und Homeschooling gibt es beispielsweise eine extrem gesteigerte Nachfrage nach Druckern.“ Auch Gaming-Artikel wie die Playstation 5 seien schon seit längerem nicht mehr lieferbar.

Bei den Engpässen gebe es aber durchaus Unterschiede. Seien Fernsehgeräte derzeit gut verfügbar, so gebe es große Lieferschwierigkeiten bei der sogenannten Weißware wie Spülmaschinen und Kühlschränken, in denen auch elektronische Chips verbaut sind. „Manchmal ist auch das Problem, dass die Container global einfach an der falschen Stelle sind“, so Kohns. Dahingegen gebe es bei Smartphones derzeit kaum Probleme. „Selbst das I-Phone 13 ist ausreichend vorhanden“, skizziert er die undurchsichtige Marktsituation.

„Preise werden vor Weihnachten nicht fallen.“

Ralf Kohns, Expert Schultes

Sein Geschäft würde zwar großzügig disponieren, trotzdem rät Ralf Kohns den Kunden, Weihnachtswünsche nach bestimmten Artikeln jetzt schnellstmöglich umzusetzen. „Gerne kann man lieferbare Ware auch vorbestellen und bei uns einlagern.“ Früher hätten Kunden oft gerne bis kurz vor Weihnachten gewartet – in der Hoffnung, dass dann die Preise fallen. „In diesem Jahr erleben wir, dass alles teurer wird.“ Haushaltswaren-Hersteller hätten die Preise beispielsweise zum 1. Oktober schon angezogen.

Detlef Ammann, Inhaber von Modepartner Solingen und Vorsitzender des Werbe- und Interessenrings Solinger Innenstadt (WIR), kennt die Probleme aus der eigenen Branche, aber auch von verschiedenen anderen Händlern in der City, etwa aus dem Bereich der Sportartikel. „Wir selbst haben große Lieferprobleme bei Anzügen, manchmal kommt nur ein Sakko, dann muss man zwei Wochen auf die passende Hose warten“, nennt er nur ein Beispiel.

Seine Lieferanten produzierten zwar in Europa, aber oft kämen Stoffe oder Kleinteile wie ein Reißverschluss aus anderen Teilen der Welt – bei derzeit großen Lieferengpässen. „Selbst für schwarze Standardhemden müssen wir jetzt anfragen, die gab es immer innerhalb von 48 Stunden.“

Auch Detlef Ammann empfiehlt, sich um die Kleidung für Weihnachten oder Silvester, aber auch für jetzt nachgeholte Hochzeiten frühzeitig zu kümmern. „Derzeit warte ich auf schwarze Gürtel, die nicht geliefert werden können. Wir haben schon selbst längere Gürtel passend gekürzt.“

Globale Lieferung

Smartphones: Bei Handys gibt es laut Einschätzung von Ralf Kohns (Expert Schultes) derzeit kaum Lieferprobleme. „Unter Umständen werden die asiatischen Hersteller derzeit noch besser mit Chips versorgt als europäische Firmen, wo derzeit viele Branchen, so etwa auch die Automobilindustrie, auf eine Chip-Zulieferung aus Fernost warten.“

Standpunkt: Umdenken ist angesagt

simone.theyssen-speich@solinger-tageblatt.de

Kommentar von Simone Theyßen-Speich

Dass immer alles und überall verfügbar ist, daran hatten wir uns in der Vergangenheit gewöhnt. Und gerne wird uns das Sortiment aus der ganzen Welt vom Online-Versand direkt bis an die Haustür geliefert. Wie zerbrechlich dieses globale System ist, wie schnell es in Schieflage gerät, zeigt die aktuelle Situation. Da steckt ein Containerschiff im Suezkanal fest, da werden plötzlich Mengen von Computer-Chips gebraucht, weil die Corona-Pandemie die zeitlichen Abläufe und die Arbeitsprozesse der Weltwirtschaft durcheinander gewirbelt hat. Kurzfristig bedeutet das für uns Verbraucher, die Weihnachtsgeschenke sorgfältig und vor allen Dingen langfristig zu planen, um nicht mit leeren Händen unterm Christbaum zu stehen. Mittelfristig muss aber noch viel mehr umgedacht werden. Zulieferungen, vom Computer-Chip über den Medikamenten-Wirkstoff bis zum kleinsten Ersatzteil, nur noch aus einem Teil der Welt zu beziehen, ist kein nachhaltiges und kein sicheres Konzept.

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