Nicht alle Kinder können an ihre Wunschschule gehen

Einschulung: So viele i-Dötzchen in Solingen wie noch nie

1767 Jungen und Mädchen machen sich im Sommer als i-Dötzchen auf den Weg in die Schule. Archivfoto: Christian Beier
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1767 Jungen und Mädchen machen sich im Sommer als i-Dötzchen auf den Weg in die Schule.

In den Grundschulen in der Innenstadt und in Wald wird es eng. Plätze gibt es hingegen in Ohligs und Aufderhöhe. Einige Schulen müssen Kinder ablehnen.

Von Simone Theyßen-Speich

Solingen. 1767 Kinder starten im Sommer als i-Dötzchen in den Grundschulen. Das sind so viele Kinder wie seit Jahrzehnten nicht mehr. In den vergangenen Jahren lag die Zahl der Schulneulinge recht konstant bei 1500 bis 1600 Kindern. Mit dieser Größenordnung wurde bei der Stadt auch immer geplant.

In diesem Sommer wird es aber enger an den 21 Solinger Grundschulen. Derzeit läuft zwischen den Schulen und der Schulverwaltung noch die Koordinierungsphase, um alle Kinder unterzubringen. Eine zusätzliche Grundschule bis zum Sommer aus dem Boden zu stampfen, ist keine Option. „Auch zusätzliche Container-Lösungen sind kaum umsetzbar, da sie sehr teuer sind und das zusätzliche Lehrer-Personal fehlen würde“, erklärt Oliver Vogt, Leiter des Stadtdienstes Schule.

Gemeinsam mit den Schulen habe man jetzt die Entscheidung getroffen, dass in diesem Jahr nicht allen Kindern der Platz an der wohnortnächsten Wunschschule angeboten werden kann. „Alle Eltern, deren Kinder von dem Verteilungsverfahren betroffen sind, haben wir jetzt über die Schulen mit einem Anschreiben informiert“, so Vogt.

Insgesamt gebe es genug Schulplätze in Solingen – nur eben mit großen Unterschieden in den Stadtteilen. Vor allen Dingen Schulen in der Innenstadt müssen Kinder ablehnen. Betroffen sind beispielsweise die Grundschulen Kreuzweg, Klauberg und Schützenstraße, aber auch die Schule Westersburg in Wald. „Hingegen gibt es in den Grundschulen in Ohligs und Aufderhöhe noch freie Plätze“, beschreibt Oliver Vogt die Situation.

In jedem einzelnen Fall werde jetzt geschaut, welches Kind wohin ausweichen könnte. „Es ist Eltern aus der Innenstadt ja auch nicht ohne weiteres zuzumuten, ihr Kind morgens nach Aufderhöhe zu bringen.“

Um möglichst vielen Familien zu ermöglichen, doch noch wohnortnahe Schulen zu finden, haben Schulen, Schulverwaltung und Schulaufsicht entschieden, die maximale Anzahl von Schülern in den Eingangsklassen an den Schulen des Gemeinsamen Lernens (GL) auf 29 zu erhöhen. Bislang war die Zahl in den GL-Schulen – ein großer Teil der Solinger Schulen fällt darunter – auf 25 Kinder pro Klasse begrenzt. „Da es zurzeit keine anderen Lösungen gibt, musste leider so entschieden werden“, bittet die Schulverwaltung um Verständnis bei den Eltern.

Die hohe Zahl an i-Dötzchen käme in diesem Jahr auch zustande, weil 131 Kinder aus dem jetzigen ersten Schuljahr die Möglichkeit bekommen, die Schuleingangsphase (umfasst die Klassen 1 und 2) auf drei Jahre zu verlängern. Sie werden also ab dem Sommer nochmals die erste Klasse besuchen. Aber auch abzüglich dieser Zahl ist der Jahrgang mit 1636 Kindern sehr groß.

Einschulung in Solingen: Lehrergewerkschaften kritisieren Klassenerweiterung

Bis zu 29 Kinder in einer Schuleingangsklasse zu unterrichten, bewertet der Verband Bildung und Erziehung (VBE) als problematisch. „Die Kinder kommen mit unterschiedlichen Voraussetzungen in die Schule. Corona erschwert die Situation massiv. Da viele Kinder nur zeitweise oder gar nicht in die Kita gehen konnten, gibt es große Defizite bei der psycho-sozialen, sprachlichen und kognitiven Entwicklung“, so der Solinger VBE-Vorsitzende Jens Merten.

Der Lehrerverband fordert deshalb von Land und Kommune, alles dafür zu tun, dass besonders die Schulen des Gemeinsamen Lernens und in sozialen Brennpunkten durch pädagogische und therapeutische Kräfte unterstützt werden. „Ein Augenmerk muss dabei auf die Schulsozialarbeit gelegt werden, die leider durch Landesvorgaben an einigen Schulen reduziert worden ist“, so Merten.

Perspektive

Große Jahrgänge bei den Einschulungen – diese Situation wird sich nach Einschätzung der Schulverwaltung auch im kommenden Jahr nicht verändern. „Deshalb arbeiten wir mit Hochdruck an Lösungen für 2023“, nennt Oliver Vogt etwa provisorische Schulen oder Klassen-Erweiterungen als mögliche Vorschläge, um langfristig alle Kinder unterzubringen.

Standpunkt

simone.theyssen-speich@solinger-tageblatt.de

Kommentar von Simone Theyßen-Speich

Vor drohenden Defiziten bei Kindern und Jugendlichen wurde oftmals als negative Auswirkung der Pandemie und den damit verbundenen Einschränkungen, Schulschließungen und Homeschooling-Phasen gewarnt. Wenn jetzt im Sommer 131 Kinder aus dem ersten Schuljahr nochmals in der ersten Klassen eingeschult werden sollen, ist das im Rahmen der Schuleingangsphase zwar eine vorgesehene Methode. Es zeigt aber auch, dass genau diese Defizite offen zutage treten. Kinder haben in den Kitas viel verpasst, weil die Einrichtungen anfangs geschlossen waren oder sie selbst wegen Infektionen oder Quarantänen nicht in die Kita konnten. Und auch in den Grundschulen standen zwei Jahre im Schatten der Corona-Pandemie. Wenn Lehrer und Schüler fehlten, wenn Tests durchgeführt und Quarantäne-Listen bearbeitet werden mussten und wenn digitaler Unterricht mühsam erstmal organisiert werden musste und längst nicht überall funktionierte, dann ging all das zu Lasten der Zeit, die Kinder zum Lernen, zum gemeinsamen Spielen, für soziale Kontakte in den Pausen und für vieles mehr so dringend brauchen.

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