Pandemie

Einige Händler haben Erfolg in der Krise

Für die Kunden steht am Eingang von Expert Schultes Desinfektionsmittel bereit. Inhaber Ralf Kohns spürt, dass die Kundenfrequenz im November zurückgegangen ist. Seine Branche gehört allerdings zu denen, die von der Krise kaum bis gar nicht betroffen sind.
+
Für die Kunden steht am Eingang von Expert Schultes Desinfektionsmittel bereit. Inhaber Ralf Kohns spürt, dass die Kundenfrequenz im November zurückgegangen ist. Seine Branche gehört allerdings zu denen, die von der Krise kaum bis gar nicht betroffen sind.

Stadtteile bereiten Adventsgeschäft vor – mit Beleuchtung, einer Packstation oder einem langen Einkaufsfreitag.

Von Björn Boch

Solingen. Die Zahlen aus NRW sind dramatisch: 43 Prozent weniger Umsatz im November im Vergleich zum Vorjahresmonat, meldet der Handelsverband. Ursache dafür sind die hohen Infektionszahlen – und Einschränkungen, die als Reaktion darauf beschlossen wurden. Sie sind seit Anfang November in Kraft und wurden am Mittwoch bis 20. Dezember verlängert – mindestens. Verschärfte Kontaktbeschränkungen und die Schließung der Gastronomie sorgen für Unsicherheit und weniger Kundenfrequenz.

Doch es gibt auch Branchen, denen es nicht schlechter geht – oder teilweise sogar besser als im Vorjahr. Gut getroffen trotz Krise haben es alle, die Artikel rund um das Zuhause verkaufen: Möbelgeschäfte, Küchenstudios, aber auch Verkäufer hochwertiger Elektronik und Spielwarenläden.

„Regionalität ist wieder ins Bewusstsein der Verbraucher gekommen.“

Ralf Kohns, Händler

Ralf Kohns, Inhaber von Expert Schultes in der City und Mitglied des Vorstands beim Werbe- und Interessenring Solinger Innenstadt (W.I.R.), kann das bestätigen: „Alle merken, dass die Kundenfrequenz zurückgeht. Aber in einigen Bereichen kaufen die Kunden nun hochwertiger ein. Das Geld, das etwa für Reisen nicht ausgegeben werden kann, wird anderweitig investiert.“ Und Kohns hat noch eine weitere erfreuliche Nachricht: „Regionalität ist wieder ins Bewusstsein der Verbraucher gekommen. Klar läuft viel über das Internet, aber eben über die Angebote der lokalen Händler.“

Das bestätigt auch Rainer Francke vom Walder Werbering. „Im Moment läuft es gar nicht so schlecht, weil wir merken, dass viele Leute bewusst vor Ort und in ihrem Stadtteil einkaufen“, berichtet der Mitinhaber der Buchhandlung Bücherwald. Corona habe bewusstgemacht, wie wichtig die Stadt und der eigene Stadtteil sind. „Das ist eine Chance für die Zentren, gerade für die kleineren.“ Kreativität und Service seien gefragt – etwa mit der eigenen Abholstation für Kunden, die bei Walder Händlern eingekauft haben. Der Werbering wird die Station am Freitag vorstellen (| Bericht folgt).

Auch Öffnungszeiten wollen manche Händler erweitern, um Kundenströme zu entzerren und das Einkaufen zu erleichtern. Die Ohligser beginnen am Freitag mit den langen Einkaufsfreitagen in der Adventszeit, geöffnet ist dann bis 21 Uhr. Mehr als 30 Geschäfte beteiligen sich laut Frauke Pohlmann von der Ohligser Werbe- und Interessengemeinschaft (OWG). „Und das quer über alle Branchen. Wenn man also in Ruhe Geschenke einkaufen möchte, ist das eine gute Gelegenheit.“ Zumindest drei Schausteller mit ihren Imbissbuden auf der Düsseldorfer Straße sollen gemeinsam mit der Weihnachtsbeleuchtung für „ein wenig Adventsstimmung“ sorgen, so Pohlmann – auch wenn es Essen nur zum Mitnehmen gibt.

Auf schöne Weihnachtsbeleuchtung setzen alle Händlergemeinschaften. Doch spätestens seit der Pandemie ist klar: An Online-Shops führt auch für den stationären Handel kein Weg vorbei. „Wir können nicht mit Amazon konkurrieren, aber es ist wichtig“, bestätigt Gongoll-Marktleiter Tobias Paul. Alles rund um den Garten hatte dem Fachgeschäft einen Boom im Sommer beschert, für das Weihnachtsgeschäft rund um Spielwaren rechnet Paul höchstens mit einem „halben blauen Auge“. Es werde schwer, die Vorjahreszahlen zu erreichen: „Aber insgesamt kommen wir ganz gut durch die Krise.“

Manchmal nutzt aber alles Engagement nichts: Geärgert hat sich Rainer Francke deshalb über Verdi. Die Gewerkschaft hat verkaufsoffene Sonntage in der Adventszeit vor Gericht verhindert. „Wir haben eine Situation, in der ich denke, dass es einigen geholfen hätte“, betont Francke. Er selbst sehe verkaufsoffene Sonntage zwar zwiegespalten. „Aber diesmal schädigt das Verbot die Innenstädte besonders“, betont er. In Solingen waren zwar keine verkaufsoffenen Sonntage geplant. Wären die Sonntage im Advent auf Basis der Corona-Schutzverordnung aber nicht per Gerichtsbeschluss verhindert worden, hätte jeder Händler ohne Antrag öffnen können.

Quadratmeter

Kundenanzahl: Ab 1. Dezember darf bei bis zu 800 Quadratmetern Verkaufsfläche höchstens eine Person pro 10m2 im Geschäft sein. Bei mehr als 800m2 Verkaufsfläche ist nur eine Person pro 20m2 erlaubt. Diese Beschränkung gilt aber nur für den Anteil Fläche, der 800m2 übersteigt. So soll die Benachteiligung kleiner Läden vermieden werden.

Die Bergische IHK spricht angesichts der Quadratmeter-Beschränkungen und des Verbots verkaufsoffener Sonntage von einer „Woche der Tiefschläge für den Einzelhandel“.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesen

Corona: Impfaktionen in Solingen werden weiter ausgeweitet
Corona: Impfaktionen in Solingen werden weiter ausgeweitet
Corona: Impfaktionen in Solingen werden weiter ausgeweitet
Stufe 2: Diese Corona-Regeln gelten in Solingen wieder
Stufe 2: Diese Corona-Regeln gelten in Solingen wieder
Stufe 2: Diese Corona-Regeln gelten in Solingen wieder
Geplantes Musikfestival ist wegen Corona abgesagt
Geplantes Musikfestival ist wegen Corona abgesagt
Geplantes Musikfestival ist wegen Corona abgesagt
Radfahrer bei Zusammenstoß mit geparktem Fahrzeug lebensgefährlich verletzt
Radfahrer bei Zusammenstoß mit geparktem Fahrzeug lebensgefährlich verletzt
Radfahrer bei Zusammenstoß mit geparktem Fahrzeug lebensgefährlich verletzt

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Kommentare