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Eingängige Songs und rauschende Feste

Ska-Musik hatte ihren Höhepunkt ab Mitte der 1990er Jahre. Lax Alex Contrax waren und sind die Solinger Protagonisten des Sounds. Foto: Diana Sperk
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Ska-Musik hatte ihren Höhepunkt ab Mitte der 1990er Jahre. Lax Alex Contrax waren und sind die Solinger Protagonisten des Sounds.

Bands wie Lax Alex Contrax sorgen seit vielen Jahren für volle Häuser und tolle Konzerterlebnisse.

Von Julian Müller

Ein Schwerpunkt meiner Betrachtung der Solinger Rockszene lag auf Bands, deren Musik sich bewusst abseits von dem Mainstream kompatiblen Schemata bewegte. Manche feierten mit dieser Verweigerung beachtliche Erfolge, während andere nur als flüchtige Erinnerung existieren.

Doch auch auf der musikalisch zugänglicheren Seite gab und gibt es zahlreiche Bands, die für eine lebhafte Musikszene sorgen. Ein gut gelauntes und feierwütiges Beispiel sind sicherlich Lax Alex Contrax. Bis heute sind sie in der ein oder anderen Form aktiv und haben viele Spuren in Solingen hinterlassen. Ihr melodiöser Ska-Sound begeisterte ab 1995 nicht nur innerhalb der Stadtgrenzen ein großes Publikum, sondern führte sie immer wieder quer durch Deutschland.

„Für die einen waren wir zu sehr Mainstream, für andere nur Szene.“

Thorsten Neubert, Lax Alex Contrax

Vier Alben, unzählige schöne Konzertabende und eine lange Bandhistorie stehen bei der neunköpfigen Band auf der Habenseite. Dabei war es, auch für sie nicht immer leicht, ihren Platz zu finden. „Wir saßen oft zwischen den Stühlen – für die einen zu Mainstream, für die anderen zu sehr Szene“, resümiert Sänger, Songschreiber und Gitarrist Thorsten Neubert im Rückblick.

Seinen ersten Auftritt hatte er schon bei der Show 88 des Solinger Tageblatts, die er prompt mit seiner Schülerband Sound Society gewann. „Wir waren alle auf der ADS, erst 16 Jahre alt und haben funkige Rockmusik gemacht“, erinnert sich Neubert.

Mit Lax Alex kam nach einer ersten EP 2000 das Debütalbum „Men On The Moon“, zu dessen Release-Party im Getaway über 1000 Zuschauer strömten. „Wir wussten gar nicht, wie uns geschieht und da wurde uns erstmals richtig bewusst, dass es Leute gibt, die uns hören wollen“, sagt Neubert.

Hinter ihrem melodiösen Sound standen dabei oft tiefgründigere Themen. In Stücken wie „Maske“ oder „Dagegen“ etwa sprechen sie sich gegen Rassismus aus. „Wichtig war es uns, dass wir nicht zu plump mit dem Finger auf andere zeigen, sondern eher vor unserer eigenen Tür kehren.“

Aktuell hat sich Neubert zusammen mit drei weiteren Musikern von Lax Alex Contrax unter dem Namen „Die Kombinaten“ zusammengetan und ein neues Album aufgenommen, das 2021 erscheinen soll. Der verspielte Ska ist einem geradlinigeren Pop-Rock-Sound gewichen, der immer noch viel Wert auf eingängige Melodien und aussagekräftige Texte setzt. Außerdem weckt nicht zuletzt Neuberts einprägsame Stimme sofort Assoziationen zum patentierten Lax Alex Sound.

Zwischen 2011 und 2017 waren Sonderzeichen aktiv. Ihren deutschsprachigen Pop-Rock verewigten sie auf zwei Alben, die Schlagzeuger Frederik Puffe in Eigenregie produzierte.

„Zu der Zeit ging deutscher Pop durch die Decke.“

Jascha Welzel, Jan & Jascha

Eine lange Solinger Karriere haben Jan Hauke und Jascha Welzel hinter sich. Die beiden Schulfreunde, die schon in der zweiten Klasse unter dem Namen The Three J’s zusammen musizierten, begannen 2005 als Freifall deutschsprachige Popmusik zu machen, die ganz bewusst den Mainstream umarmte. „Zu der Zeit ging deutscher Pop von Bands wie Silbermond und Juli durch die Decke“, erinnert sich Welzel.

„Freifall war eine tolle Zeit, aber uns hat vermutlich das spezielle Etwas gefehlt, um damit durchzustarten“, bilanziert Welzel. Der Musik sind sie auch nach Auflösung der Band 2015 treu geblieben. Unter dem Namen Jan & Jascha haben sie sich nun dem Pop-Schlager zugewandt und just ihr erstes Album „Liebes Leben“ herausgebracht.

Mit ihren neuen Songs sind sie zu Gast in bunten Fernsehshows und konnten sich sogar auf Platz vier der österreichischen Schlagercharts platzieren. Musikalisch haben die beiden Freunde ihre Nische im Pop-Folk gefunden.

Weniger kreativ, aber mindestens genau so aktiv war und ist die Solinger Coverband-Szene. Wo in den 1960ern noch der bloße Akt, zur elektrisch verstärkten Gitarre zu greifen und englischsprachige Musik zu singen, eine kulturelle Rebellion darstellte, war der Ansatz der seit den 1980er Jahren immer erfolgreicher werdenden Coverbands ein anderer. „Wir wollten, dass die Leute Spaß mit Musik haben, die sie bereits kennen“, erzählt Guido Rohn, Schlagzeuger von Marika Rock, die von 1980 bis 1985 aktiv waren.

„Unsere Spezialität waren Songs von Barclay James Harvest“, so Rohn. Sogar eine Single mit zwei eigenen Stücken veröffentlichten sie. Zuvor hatten Rohn, Ulli Torspecken und Frank Bönnhoff von 1975 bis 1980 die Tanzband Hitch-Hikers, die ebenfalls eine Single veröffentlichte.

Ein anderer Name, der Covermusik-Fans bis heute im Gedächtnis schwirrt, ist Kristallklar. Von 1988 bis 2013 sorgten sie mit Deutschrock von BAP bis Grönemeyer in Solingen für volle Hütten und rauschende Abende. Auch Eigenkompositionen ließen sie hin und wieder einfließen.

Aktuell sind es wohl See You, die in Solingen die größte Präsenz haben. Unter dem Namen Greyhound veröffentlichen drei der Musiker schon 1991 eine Single mit zwei Eigenkompositionen. Auch Bands wie die Juicy Souls um Lonestars-Sohn Christian Wester, Mike & The Waiters oder die Pirates of Love sind auf den Bühnen der hiesigen Stadtfeste und Partys gerne gesehene Gäste.

Aus der jüngeren Garde ist es der versierte Blues-Gitarrist Jan Schwarte, der die Songs seiner Helden auf die Bühne bringt. „Diese Musik habe ich mit zwölf Jahren im Schaaf bei der Blues-Session mit Jens Filser und Carsten Steffens kennengelernt“, erinnert sich Jan Schwarte. Schon mit 13 Jahren stand er 2005 selbst auf der Bühne, traf auf seinem Weg zahlreiche Vorbilder, wie Henrik Freischlader oder Johnny Winter und machte auch zusammen mit den Solinger Legenden Coco Teuber und Hermann Daun Musik.

Serie Solinger Rockgeschichte

In der Reihe über die Solinger Rockgeschichte blickte Julian Müller, Kopf der Blackberries, bislang auf wichtige Solinger Bands wie Promotion, S.Y.P.H., Accept oder die Embryonics zurück. Wer den ein oder anderen Namen vermisst hat oder noch eigene ergänzende Erlebnisse zu dem Thema zu erzählen hat, ist herzlich dazu eingeladen diese als Leserbrief zu schicken. Die folgenden Ausgaben lenken das Augenmerk von den Künstlern auf die Veranstalter, die für den Nährboden sorgen, auf dem Kultur entstehen kann.

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