Die Woche von Stefan M. Kob

Eine entsetzliche Tat lässt uns rat- und hilflos zurück

stefan.kob@solinger-tageblatt.de
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In einer idealen Welt würden fünf kleine Kinder jetzt noch ihr ganzes Leben vor sich haben.

In einer idealen Welt hätten alle Hilfsangebote der öffentlichen Stellen dazu geführt, dass eine 27-jährige Mutter, so muss es derzeit vermutet werden, nicht zu so einer entsetzlichen Verzweiflungstat getrieben worden wäre. In einer idealen Welt wären Warnzeichen aufgetaucht, die Ärzte, Lehrer, Behörden alarmiert hätten. In einer idealen Welt könnte ein so engagierter Verein, wie es ihn in der Hasseldelle seit vielen Jahren gibt, einen Rettungsring für eine offensichtlich im Strudel der völligen Überforderung ertrinkende Mutter geworfen haben. Doch die Welt ist nicht ideal. Sie ist es bei weitem nicht. Nicht nur die Solingerinnen und Solinger stehen unter Schock und suchen Antworten, die es womöglich nicht gibt. So ist unsere Stadt 27 Jahre nach dem Brandanschlag wieder einmal ins Fadenkreuz von Boulevardmedien und TV-Stationen geraten, die nicht davor zurückschrecken, nach der Wahnsinnstat in Schulklassen einzufallen oder Nachbarn zu drangsalieren.

Nach allem, was man bisher weiß, hat die Mutter offenbar aufgrund ihrer persönlichen Situation keinen anderen Ausweg gesehen, als zu versuchen, ihr Leben und das ihrer Kinder auszulöschen. Und so entsetzlich das ist – so etwas kann immer und überall passieren, selbst wenn wir unsere Bemühungen vervielfachen, noch achtsamer zu sein und auch kleinste Warnzeichen als Anlass zum Handeln zu nehmen.

In einer idealen Welt hätte sich unsere Zeitung heute und in dieser Woche mit herausragend positiven Nachrichten beschäftigt. Etwa, dass Solingen nun Standort einer Dependance der Europäischen Fachhochschule EUFH wird – neben dem Institut der Bergischen Uni im Alten Bahnhof und der Süßwarenfachschule in Gräfrath. Junge Nachwuchskräfte erhalten ortsnah eine weitere spannende Möglichkeit, ihre berufliche Bildungskarriere in Solingen anzulegen. Und heimische Unternehmen, die händeringend Wirtschaftsinformatiker suchen, können mit dem neuen Angebot hier in Solingen duale Studienmöglichkeiten bieten.

Und noch eine Nachricht hätte für nachhaltige Freude sorgen können: Dass Solingen sich mit 3,1 Millionen aus dem Landestopf für die Digitalisierung der Schulen bedienen darf, ist allein schon ein Erfolg. Dabei hat unsere Stadt, die sich oft so weit hinten fühlt, mit ihren erfolgreichen Anträgen auch noch den Vogel abgeschossen und ein Fünftel des Gesamttopfes allein ausgekehrt – weil man in anderen Städten noch nicht so weit war. Dafür gab es ausdrückliches Lob der FDP-Bildungsministerin Yvonne Gebauer.

Doch ein Glücksgefühl will sich bei der menschlichen Tragödie, die uns mitten ins Herz getroffen hat, nicht einstellen. Wir leben nicht in einer idealen Welt. Nicht in Solingen oder anderswo. Aber wir können uns weiter darum bemühen. Jetzt ist das Gebot der Stunde, mit den betroffenen Angehörigen zu trauern. Und vielleicht schauen wir ab jetzt noch genauer hin, ob es den Menschen in unserer Nähe gut geht oder ob sie eine helfende Hand brauchen.

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