Einblicke in deutsch-russische Beziehung

Für ihren Auftritt im Gräfrather Kammerspielchen erhielten Chris Nonnast und Mark Zak viel Beifall. Foto: Tim Oelbermann
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Für ihren Auftritt im Gräfrather Kammerspielchen erhielten Chris Nonnast und Mark Zak viel Beifall.

„Begleitagentin“ im Kammerspielchen

Von Karl-Rainer Broch

Genau zwei Jahre nach der Premiere des Theaterstücks „Begleitagentin“ von und mit Mark Zak kam es im Kammerspielchen Gräfrath am Wochenende zu zwei Wiederaufführungen. Inhaber Ernst-Werner Quambusch freute sich, dass es zu einer neuen Premiere kam: „Wir erlebten damals durch Corona eine nicht willkommene Unterbrechung.“

Der in Köln lebende Mark Zak, eigentlich Schauspieler, hatte seine damalige Partnerin Chris Nonnast wieder mitgebracht: „Wir haben das Stück in einigen Passagen aktualisiert, in unseren Gesprächen über Russland tauschte ich Pussy Riot gegen Alexej Nawalny aus, und dass man jetzt die Hände desinfizieren musste, war damals auch noch nicht abzusehen.“

Mark Zak (Jahrgang 1959) kam 1974 aus der Sowjetunion nach Deutschland und hat so gute Kenntnisse über das Verhältnis zwischen Deutschland und Russland. Im Gespräch mit Helga, der in seinem Hotelzimmer unvermutet aufgetauchten Begleitagentin, entwickelte sich eine Diskussion über aktuelle und vergangene Probleme zwischen beiden Ländern.

Der milliardenschwere Oligarch Oleg wusste zu Beginn nichts mit der Frau, die ihn immer wieder mit russischen Witzen irritierte, anzufangen, wurde sie aber nicht los. Als nach traditioneller russischer Methode eine Flasche Wodka ins Spiel kam – „In Russland bestimmt der Alkoholismus das Leben“ – lockerte sich die Atmosphäre auf der Bühne auf. Man trank auf die alte Sowjetunion („Möge sie in Frieden ruhen“) und ging auf Präsident Wladimir Putin ein: „Die Russen lieben ihn, schließlich wurde er von 80 Prozent gewählt.“

Bei einem Tanz wandelte sich die Komödie zum Thriller

Immer wieder wurden die Ausführungen auf der Bühne durch eingesprochene Tagebuch-Aufzeichnungen aus dem Zweiten Weltkrieg unterbrochen, mit denen das Publikum erst am Schluss etwas anzufangen wusste. Erst als der merklich betrunkene Oleg sich von der aufdringlichen Helga massieren ließ und mit ihr einen erotischen Tanz inszenierte, wandelte sich die Komödie zu einem Thriller.

Denn nichts war so, wie es schien. Helga, angebliche frühere Lehrerin an einer Waldorfschule, brachte plötzlich ihre Lebensgeschichte in Zusammenhang mit dem Oligarchen, der nach dem Krieg als KGB-Offizier in der DDR stationiert war. Mit Handschellen auf das Bett fixiert musste er sich, unterstützt von einem Lügendetektor, einem peinlichen Verhör unterziehen. „Begleitagentin“ entlarvte gekonnt persönliche Verstrickungen, dabei kamen Mark Zaks Erfahrungen mit beiden Ländern so gut heraus, dass das Publikum die beiden Protagonisten auf der Bühne mit langanhaltendem Beifall honorierte.

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