Von Nazis ermordet

Ein Stolperstein würdigt Paul Happel

Michael Sandmöller vom Unterstützerkreis Stolpersteine für Solingen verlegte den Stein an der Bismarckstraße 3 a.
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Michael Sandmöller vom Unterstützerkreis Stolpersteine für Solingen verlegte den Stein an der Bismarckstraße 3 a.

Er liebte eine jüdische Frau und wurde von den Nationalsozialisten ermordet.

Von Andreas Erdmann

Solingen. Der Solinger Paul Happel lebte an der Bismarckstraße. Er fiel 1941 auf grausame Weise dem Nazi-Regime zum Opfer. Jetzt verlegten der Solinger Unterstützerkreis Stolpersteine und der Verein des Max-Leven-Zentrums einen Gedenkstein mit Happels Lebensdaten auf dem Gehsteig vor seinem einstigen Wohnhaus. Dies geschah unter großer Anteilnahme seiner Familie – seinen Nichten Martina Nehm und Roswita Wegner sowie deren Töchtern Ronja Nehm und Jasmine, Julia und Marie Wegner.

„Als ich ein Kind war, hat mir mein Vater die traurige Geschichte seines Bruders Paul erzählt, der eine jüdische Frau liebte und dann von den Nazis umgebracht wurde“, berichtete Martina Nehm, sichtlich bewegt. „Vor zwei Jahren stieß ich bei meiner Ahnenforschung im Stadtarchiv auf den Namen meines Onkels, dann durch das Buch ,Man soll nicht vergessen‘ auf seine Geschichte. Ich war erschüttert. Plötzlich wurden Vaters Erzählungen erschreckend real.“
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Historiker Armin Schulte ist der Autor des Buchs, das die Schicksale von 150 von Nazis verfolgten Solingern beschreibt. Er ließ das Leben Paul Happels vor der Verlegung des Gedenksteins Revue passieren. Geboren wurde Happel am 24. Mai 1905 in Wald. Er besuchte erst die Volks-, dann die Hilfsschule und erlernte den Beruf des Schleifers. „Als er eine Beziehung mit der Jüdin Frieda Freireich einging, begab er sich in Gefahr; solche Beziehungen galten in der Zeit der Nationalsozialisten als ¸Rassenschande‘ und wurden mit Haft bestraft“, erläuterte Armin Schulte. 1936 sei die Familie Freireich von Nachbarn bezichtigt worden, eine „kommunistische Verschwörung“ zu leiten.

Paul Happel wurde 1905 in Wald geboren.

Die Familie sowie 16 Personen aus ihrem Umkreis wurden verhaftet, so auch Paul Happel. „Nachdem sein Verhältnis mit Frida Freireich aufgedeckt wurde, ließ man den Vorwurf des ‚Hochverrats‘ fallen.“ Nun lösten die unmenschlichen Vernehmungs- und Haftbedingungen bei Happel eine Psychose aus, worauf man ihn in die Heil- und Pflegeanstalt Grafenberg überführte. „Nach einem sehr zweifelhaften ‚Intelligenztest‘ und dem Umstand, dass er früher Hilfsschüler war, diagnostizierte man ihm einen ‚angeborenen Schwachsinn‘, der angeblich Auslöser der Psychose gewesen sei.“

Die Diagnose hatte eine Kette fataler Maßnahmen zur Folge. „Im Februar 1937 wurde Paul Happel zwangssterilisiert. Und von August 1937 bis Januar 1938 saß er eine Haftstrafe wegen ‚Rassenschande‘ ab.“ Eine erneute Einweisung in die Psychiatrie, diesmal in die Heil- und Pflegeanstalt Galkhausen in Langenfeld, sei Ende 1938 erfolgt. Von da aus hat man ihn am 5. Mai 1941 im Rahmen des „Euthanasie“-Programms zusammen mit Mitpatienten in die Tötungsanstalt Hadamar gebracht. Dort wurde er vermutlich sofort in der Gaskammer ermordet.

Hohe Opferzahl macht es schwer, an Personalien zu kommen

Von der Familie Freireich überlebte keiner den Zweiten Weltkrieg. Frieda Freireich gelang noch die Flucht in ihr Geburtsland Ungarn, wo sich ihre Spur aber 1943 in Budapest verliert.

Mittlerweile seien in Solingen über 130 Stolpersteine vor Wohnhäusern von Nazi-Opfern angebracht worden, berichtete Daniela Tobias vom Max-Leven-Zentrum. „Das Thema ‚Euthanasie‘ ist dabei ein schwieriges Feld. Es gibt eine sehr hohe Opferzahl, doch es ist schwer, an die Personalien zu kommen. Die Nachfahren schweigen oftmals aus Scham.“ Am Nachmittag nach Verlegung des Stolpersteins lud das Max-Leven-Zentrum in das Zentrum für verfolgte Künste ein. Nach einer Einleitung zum Thema „Euthanasie und Zwangssterilisation in Solingen“ durch Armin Schulte hielt Dirk Rotthaus einen Vortrag über seinen Großvater Carl Paul Rotthaus, der ebenfalls Opfer der „Euthanasie“ wurde.

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