Zusammenarbeit

Ein Maler, ein Tätowierer – gemeinsame Kunst

Oliver Mühlen (l.) und Peter Wischnewski haben Spaß an der gemeinsamen künstlerischen Arbeit. Foto: Michael Schütz
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Oliver Mühlen (l.) und Peter Wischnewski haben Spaß an der gemeinsamen künstlerischen Arbeit.

Peter Wischnewski und Oliver Mühlen starteten eine ungewöhnliche Zusammenarbeit

Von Karl-Rainer Broch

Solingen. Zwei Solinger Künstler – der Maler Peter Wischnewski und der Tätowierer Oliver Mühlen – wagen sich an ein gemeinsames Bild. So unterschiedlich, wie bei beiden die künstlerischen Voraussetzungen sind, so geschlossen wirken die Ergebnisse. Man kann jetzt schon sagen, dass das Experiment geglückt ist, denn inzwischen gibt es nicht nur das angestrebte eine Gemälde, sondern es sind bis jetzt schon fünf großformatige Bilder entstanden.

Das ST informierte sich bei einem Besuch in Peter Wischnewskis Atelier an der Wiefeldicker Straße über die Hintergründe, die zu diesem gemeinsamen Engagement geführt haben. Schon beim Eintreten in das große Atelier, das über einem ehemaligen Schwimmbad – mit großen Fenstern nach draußen – untergebracht ist, fällt ein Bild direkt ins Auge. Man sieht auf dem Wischnewski-typischen roten Untergrund eine von Oliver Mühlen konzipierte natürliche Form, die man wahlweise als Oktopus, aber auch als Meteoriten von fremden Planeten interpretieren kann. Da Mühlen sich auf in der Natur befindliche Formen konzentriert, wäre auch eine Deutung als Baumstamm möglich. Peter Wischnewski erläutert: „Da wir unseren Bildern grundsätzlich keine Namen geben, kann der Betrachter für sich eine eigenständige Entscheidung treffen, je nachdem, wie das Bild auf ihn wirkt und wie er es nennt.“

Auf dem Tisch liegt das neueste, inzwischen fünfte gemeinsame Ölbild im Format 1,40 mal 1,20 Meter. Wischnewski hat für den Untergrund gesorgt, man sieht alle Farbtöne, überwiegend rot, gelb und braun. Jetzt hat er die Weiterarbeit Oliver Mühlen überlassen, der auf der nassen Oberfläche mit den Fingern neue Formen verteilt. Er spricht auch über die weitere Arbeit: „Wenn alles getrocknet ist, werde ich mit dem Pinsel weitere Akzente setzen und die von mir bevorzugten organischen Formen herausarbeiten.“

Mühlens Arbeitsweise ähnelt der des Malers Max Ernst, dessen Werke auch als zufällige Formen entstanden sind, aus denen neue Ideen erwachsen. Das ist auch das Prinzip bei Peter Wischnewski. „Ich male nur abstrakte Bilder, die ich mit dunklen Farben untermale. Dann folgen hellere Farben, die stark verdünnt sind, damit alles verläuft. Dann erst mache ich mir Gedanken, wie das fertige Werk aussehen soll.“

Die Idee für das gemeinsame Experiment kam beim Zusammentreffen bei einer Ausstellung. Die künstlerische Lähmung durch die Corona-Einschränkungen sollte kreativ überbrückt werden. Wischnewski stellt fest: „Resonanz ist da, Käufer noch nicht.“

Oliver Mühlen hat als Tätowierer nicht nur viele Kunden in Solingen, sondern deutschlandweit und darüber hinaus: „Ein Interessent reiste sogar aus Südamerika an.“ Den Unterschied zur klassischen Malerei definiert er so: „Die Leinwand ist geduldig, man kann unbeschränkt lange an ihr arbeiten. Der tätowierte Mensch ist es nicht. Man erreicht irgendwann eine Grenze, wo man Pausen einlegen muss.“

„Ich tobe mich aus, wo ich kann.“

Oliver Mühlen

Darüber hinaus sei der Untergrund, die menschliche Haut, nicht regungslos, sondern bewege sich und atme. „Außerdem ist eine Tätowierung ein unvergängliches Kunstwerk, es bleibt ein Leben lang.“ Für den selbst ganzflächig mit unterschiedlichen Motiven tätowierten Künstler hat die Arbeit nichts mit Studios wie in Vergnügungsvierteln auf der Reeperbahn in Hamburg zu tun. „Ich orientiere mich an dem weltweit bekannten Tätowierer Markus Lenhard und konzentriere mich darauf, Bioorganic auf den Körper zu bringen.“ Vielseitig ist er auch: „Ich tobe mich aus, wo ich kann. Das gilt nicht nur für das Tätowieren, sondern auch für Skulpturen, Malerei und Design in 3D-Druck.“

Weitere Pläne sind bei beiden Künstlern schon konkret vorhanden. Wenn es die Corona-Bedingungen erlauben, kommt eine große Ausstellung, auf der die gemeinsamen Bilder gezeigt werden. Dazu ergänzend Einzelschauen von beiden.

Zur Person

Peter Wischnewski: Der Künstler ist 63 Jahre alt, verheiratet und Vater einer Tochter. Der gelernte Maler und Lackierer geht nächstes Jahr in den Vorruhestand. Seit 33 Jahren arbeitet er bei der Firma Item als Facility Manager. Mit sieben Jahren begann er, bewusst mit Farben zu malen. In seinem Atelier an der Wiefeldicker Straße ist er seit Jahren tätig. Zuletzt malte er bei Stefan Seeger an der Potsdamer Straße.

www.wischnewski-art.de

Oliver Mühlen: Der gelernte Gestalter (40) machte sich 2006 als Tätowierer selbstständig. Heute betreibt er an der Emscherstraße 10 in Ohligs seinen Laden „Bunte Haut“.

Bunte-haut.com

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