Wanderserie

Mit dem ST wandern: Ein Gefängnisturm, eine Burg und weite Auen

Vom Monheimer Rheinbogen aus lassen sich schöne Fernblicke auf den Rhein und die Uferlandschaft genießen.
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Vom Monheimer Rheinbogen aus lassen sich schöne Fernblicke auf den Rhein und die Uferlandschaft genießen.

Ein abwechslungsreicher Rundweg führt von der Monheimer Altstadt zu den Rheinauen

Von Andreas Erdmann

Wer lange, ausgedehnte Wege mit weiten Ausblicken ins Flachland mag, für den ist unsere Wanderung am Monheimer Rheinbogen gerade richtig. Wir starten vom Ingeborg-Friebe-Platz am zentralen Busbahnhof in Monheim. In der Nähe gibt es Parkmöglichkeiten.

Es geht zum Rathausplatz, von dort linkerhand in die Alte Schulstraße, die geradewegs in Altstadt führt. An der Hauswand Ecke Krummstraße, „Doll Eck“ genannt, hängt ein Glockenspiel. Im Jahr 2000 dort installiert, spielen 14 Glocken täglich um 11, 13, 15, 17, 18 und 19 Uhr unterschiedliche Melodien.

Schon von weitem sieht man ein Monheimer Wahrzeichen: den 26 Meter hohen Schelmenturm. Erbaut wurde das Backsteingebäude um 1425 als östliches Stadttor der Befestigungsanlagen der Grafen von Berg. Über dem Torbogen lag einst die Wohnung des Torwächters. Im 16. und 17. Jahrhundert diente der Bau auch als Stadtgefängnis, worauf der Volksmund ihn „Schelmenturm“ oder „Diebesturm“ nannte. Als Schelmen bezeichnete man damals inhaftierte Spitzbuben und Verbrecher. Im Turm gab es auch eine Folterkammer. 1972 saniert, nutzte man ihn seither für Kulturveranstaltungen und standesamtliche Trauungen.

Wir folgen der Turmstraße zum alten Markt mit seinen historischen Fachwerk- und Backsteinhäusern. Hier finden wir eine Vielzahl von Gasthäusern und Cafés: den Pfannenhof, Zollhaus 1257, Others und Bloomgold, Café Mit Liebe, Tante Tina, die Kneipen Spielmann und Zollhäuschen, den Biergarten Zur Altstadt und das Culinarum in der Freiheit. Links neben dem Zollhäuschen, an dessen Giebel die Jahreszahl 1675 prangt, führt die kurze Zollstraße zur Kirche St. Gereon.

An der Zollstraße stand auch eine 1257 verbürgte Zollstätte, an der die Grafen und Herzöge von Berg Landzoll und zweimal, um 1425 und 1490, auch Rheinzoll erhoben. Damals verlief ein Rheinarm direkt unterhalb von St. Gereon. Doch Monheim ist älter als diese Zollstätte: Eine Akte von 1157 benennt einen „willehelm de munheym“ (Wilhelm von Monheim), der mit dem Kölner Gereonsstift einen Grundstückstausch vollzog. 1262 wird eine Braustätte erwähnt und 1307 ein Markt. 1275 ließ Graf Adolf VI. von Berg die Stadt befestigen, die man zwischen 1390 und 1408 zur Freiheit erhob. 1415 erhielt sie durch Adolf VIII. eine zweite Befestigung, die letzte erfolgte 1423, wovon bis heute der Schelmenturm zeugt.

Am alten Markt mit seinen historischen Fachwerk- und Backsteinhäusern finden wir eine Vielzahl von Gasthäusern und Cafés:

Am Ende der Turmstraße überqueren wir die Bleer Straße zum Eingangsbereich des Monheimer Rheinbogens. Rechterhand sehen wir fünf lebensechte Gänsefiguren aus Bronze. Die 2021 aufgestellte „Gänsemelodie“ schuf der Bildhauer Saman Hidayat zu Ehren des Monheimer Wappentiers. Wir folgen dem Weg links, parallel zur Bleer Straße, in den Skulpturenpark.

Eine auffällige Plastik ist der „Archos Palingenius“ des Bildhauers Odo Rumpf. Er fertigte das 10 Meter lange und 5 Meter hohe „urzeitliche Fabelwesen“ aus lokalen Maschinenteilen. Die Augenhöhlen des Schädels bestehen aus massiven Baggerschaufeln. Nach der Wegkreuzung halten wir uns links, folgen rechtsum der Bleer Straße bis zur Marienburg auf der anderen Straßenseite. Der Zugang zum Gebäude und dem dahinter liegenden Marienburgpark verläuft über die Rampe. Bei dem burgähnlichen Bau handelt es um eine 1879 bis 1880 durch den Kölner Juristen und Politiker Eugen von Kesseler errichtete Landvilla. Der im Stil eines Englischen Gartens angelegte Park mit altem Baumbestand beherbergt von Kesselers Grabmal.

Wir kehren zurück zur Bleer Straße, überqueren sie, folgen dem Weg gegenüber der Marienburg über die Holzbrücke. Vor uns erstreckt sich die weitläufige Auenlandschaft des Rheinbogens. Wir folgen dem Weg links auf den vorderen Damm zu. Dort kann man dem Dammweg zur Linken, rheinaufwärts folgen, der zum Gut Bleer und zu schönen Ausblicken über den Rhein führt. Das gleiche Ziel erreichen wir, wenn wir dem Weg In den Kämpen über den Damm und dann hangabwärts ins Auenland folgen. Rechts an dem mit A2 markierten Weg liegen mehrere Streuobstwiesen. Es folgt eine Koppel mit Schottischen Hochlandrindern. Wir blicken auf knorrige Kopfweiden und Pappeln mit Mistelbüscheln und Eichhörnchenkobeln. Nach der Renaturierung siedelten sich in der Wiesen- und Heckenlandschaft verstärkt Pirole und Graureiher an sowie Erdkröten und Heidelibellen. Wir gehen geradeaus auf den Damm in Rheinnähe zu und folgen ihm stromaufwärts.

Der Schelmenturm, 1425 erbaut, diente als östliches Stadttor der Befestigungsanlage.

Der „Mäuseturm“ – das Wahrzeichen der Monheimer

Rechterhand im Gelände drehte man von 1996 bis 2005 die TV-Sendung „Die Camper“. Von zahlreichen Bänken aus lassen sich schöne Fernblicke auf den Rhein und die Uferlandschaft genießen. Große Frachtschiffe ziehen vorüber. Rheinaufwärts liegt der Hitdorfer Hafen – und ferne der Chempark Leverkusen (früher: Bayerwerk). Der Uferweg führt zum Gut Blee im gleichnamigen Stadtteil. Wer einen Blick auf das Wahrzeichen des Monheimer „Mäuseturms“ werfen will, folgt der Straße kurz weiter. Der markante Turm gehörte zu der in den 1920er Jahren errichteten Direktoren- und Gäste-Villa der 1908 gegründeten „Rheinischen Presshefe- und Spritwerke“. Von dem Monheimer Architekten Ferdinand Crone entworfen, erhielt der Turm seinen Namen aufgrund der Ähnlichkeit zum Bingener Mäuseturm. Die Villa wurde 2003 abgerissen.

Die Marienburg inmitten des Marienparks.

Zurück geht es rheinabwärts über den Uferdamm. Vor uns am anderen Ufer sehen wir den Chempark Dormagen. Dieser umfasst etwa 60 Industriebetriebe mit über 9500 Mitarbeitern, die auf einer Gesamtfläche von 360 Hektar unterschiedliche chemische Produkte herstellen.

Nahe der Wegkreuzung In den Kämpen verläuft linkerhand ein Uferweg. Wir können aber auch weiter dem Dammweg folgen. Bei den drei turmartigen Rundbauten handelt es sich um Brauchwasserbrunnen der Firma Bayer. Schließlich nimmt der Uferweg eine Kehre. An der Schaukel geht es nach links und über die Wege Am Werth oder Am Vogelort an alten Pappeln entlang zum Eingangsbereich. Über die Turmstraße gelangen wir zurück zum Ausgangspunkt.

Am alten Markt mit seinen historischen Fachwerk- und Backsteinhäusern finden wir eine Vielzahl von Gasthäusern und Cafés:

Tour 56

Länge: 17 Kilometer (15,9 Kilometer ohne den Weg In den Kämpen)

Dauer: ca. 3 ½ Stunden (3 Stunden ohne den Weg In den Kämpen)

Schwierigkeitsgrad: einfach

Busverbindung von Solingen und Langenfeld aus: Linie 791 bis Haltestelle Busbahnhof Monheim

Einkehr: Marienburgpark, Hofstraße 16, 40789 Monheim am Rhein, Tel. (0 21 73) 95 10; Landgasthaus Gut Blee, Heilerberg 1, 40789 Monheim, Tel. (0 21 73) 2 60 79 90;

Haus Rheinblick, Rheinuferstraße 8, 40789 Monheim, Tel. (0 21 73) 4 90 10.

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