Mit dem ST wandern

Durch wilde Wälder im Tal der Wupper unterwegs

Der Diederichstempel ragt in einer Höhe von 65 Metern über der Wupper auf dem Berghang am Schalt auf. Foto: Andreas Erdmann
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Der Diederichstempel ragt in einer Höhe von 65 Metern über der Wupper auf dem Berghang am Schalt auf.

Eine Tour über Diederichstempel, Wiesenkotten und Zwergenklippen zum Müngstener Brückenpark.

Von Andreas Erdmann

Schroffe Felsen, plätschernde Bäche und weite Ausblicke auf das wildromantische Tal der Wupper bietet der Rundweg von Müngsten über den Diederichstempel nach Wiesenkotten.

Wir starten unsere Wanderung vom Parkplatz Brückenpark an der B 229 und der L 74. Gegenüber der Straßenkreuzung führt ein Wanderweg in den Remscheider Schimmelbusch. Bald geht es immer steiler bergan. Wir halten uns rechts, der Weg nimmt eine Kehre durch das zerklüftete Reinshagener Bachtal und führt schließlich zu der Stelle, wo der Diederichstempel in einer Höhe von 65 Metern über der Wupper auf dem Berghang am Schalt aufragt.

Treppenstufen führen rechts vom Hauptweg zu dem kleinen, von Säulen getragenen Pavillon auf dem Felsvorsprung. Erbaut im Jahr 1901 im neugotischen Stil auf siebeneckiger Grundform, bietet er dem Besucher eine grandiose Aussicht auf die über das Tal zwischen Remscheid und Solingen gespannte Müngstener Brücke. Rechterhand schweift der Blick weit flussaufwärts. Der Pavillon hat ein 1896 errichtetes Pendant in Burg mit Ausblick auf Unterburg und Schloss Burg. Beide Tempelchen wurden von dem Remscheider August Diederichs gestiftet, der zur Bauzeit pensionierter Direktor eines Schweizer Internats war. Diederichs selbst suchte die Standorte aus. Obwohl der Müngstener Tempel auf Remscheider Stadtgebiet steht, gehört er der Stadt Solingen. Diese hat das Grundstück 1882 gekauft.

Bizarre Felsformationen werden auch „Teufelsklippen“ genannt

Weiter geht es durch alte Buchen- und Eichenwälder. Auf versteckten Felsplateaus brütet heute wieder der Uhu. Wir nähern uns der Müngstener Brücke und erblicken das Bauwerk – vom Höhenweg her – aus ungewöhnlicher Perspektive. Erbaut wurde die mit einer Höhe von 107 Metern höchste Eisenbahnbrücke Deutschlands in den Jahren 1893 bis 1897. Wir gehen weiter, halten uns rechts. Der Weg führt bergab, direkt an die Wupper. Die Wanderung lässt sich abkürzen, in dem man dem Uferweg zur Rechten flussaufwärts folgt. Dieser führt uns auf fast ebener Strecke zur Schwebefähre. 2006 als Weltneuheit eröffnet, kann man mit dieser in einer, über Seile bewegten Gondel 64 Meter weit über die Wupper „schweben“. Das Fahrzeug wird ähnlich einer Eisenbahn-Draisine per Muskelkraft betrieben.

Der Uferweg zur Linken führt flussabwärts durch eine urwüchsige wildromantische Landschaft. An der Hangseite öffnet sich zuerst das Küppelsteiner, später das Schildsiepener Bachtal. Nach einigen großen Felsaufschlüssen folgt die Geländeeinkerbung des Ohlsiepens, der in einem kleinen Wasserfall den Hang hinabfließt. Wer einen Abstecher nach Unterburg unternehmen möchte, folgt geradeaus der Müngstener Straße. Unterwegs kommt man an der früheren Waldschänke Waldfrieden vorüber. Hin- und Rückweg nehmen zusammen etwa 40 Minuten in Anspruch. Wir passieren die Wupper über die Wanderbrücke am Wiesenkotten und kommen zu den kläglichen Überresten des 2018 durch einen Brand zerstörten Gebäudes.

Der Wiesenkotten taucht erstmals 1790 auf einer Karte auf, ist aber vermutlich um 1720 entstanden. Zunächst wurden in der Doppelkottenanlage Tisch- und große Messer geschliffen, später auch Sägen. 1847 brannten die Gebäude schon einmal ab und wurden dann wiedererrichtet. Bereits zu Anfang der 1880er Jahre beherbergte der Innenkotten die „Waldschänke Wiesenkotten“. Der Außenkotten wurde um 1910 abgerissen. Hinter der Ruine folgen wir dem Müngstener Brückenweg rechts über den Wiesenkottener Bach. Der Waldweg bietet immer wieder neue schöne Ausblicke auf die Wupper, in kleine naturnahe Bachtäler und dann auch auf die riesige, über dem Tal aufragende Brücke.

Nach einer Steigung geht es zu einer steinernen Treppe. Die bis zu fünf Meter hoch aufragenden Kuppen darüber bilden bizarre Felsformationen, die im Volksmund „Zwergenklippen“ genannt werden. Eine Ansichtskarte von 1909 nennt sie auch „Teufelsklippen“. Der Name der teils von Buchenfarn bewachsenen Felshänge rührt von einer alten Sage, die von Zwergen berichtet, die in den Felslöchern und Höhlen gehaust haben sollen.

Die Wüstung des Arnsberger Kottens lässt sich bald unten am Wupperufer erspähen. Errichtet wurde das erste Gebäude des späteren Doppelkottens 1628. Neben Messern wurden dort auch Schlittschuhe und Sägen geschliffen. Ende des 19. Jahrhunderts verfiel die Anlage, von der man heute nur noch den Umriss des Wassergrabens erkennt. Der Weg führt bergab und über den Dorperhofer Bach geradewegs in den Müngstener Brückenpark. Diese im Rahmen der Regionale 2006 sanierte Anlage ist Teil des European Garden Heritage Network. Rechts geht es zur Schwebefähre. Dann folgen eine Minigolfanlage und Aussichtsbalkone. Das schon von weitem sichtbare, rostrote Gebäude des Restaurants Haus Müngsten lädt – sofern es coronabedingt erlaubt ist – zur Einkehr ein. Während frühere Gebäude wie das Gasthaus Bergische Schweiz – die spätere Diskothek Exit – und das Gasthaus Müngstener Brücke nicht mehr vorhanden sind, hat sich der Schaltkotten als heutige „Eventschmiede“ erhalten. Er reicht zurück auf das Jahr 1572, als Schleifer Johann zu Schaberg die Genehmigung erhielt, „auf der Wipperen in der Schald“ eine Schleifmühle zu errichten. Der Name „Schalt“ weist auf eine damalige Fähre hin. Kurz vor der großen Brücke der B 229 führt die Napoleonsbrücke über die Wupper. Von dort aus hat man einen letzten Panoramablick über die Wupper zum Diederichstempel.

Tour 15

Dauer: circa 90 Minuten, circa 55 Minuten die kurze Strecke und circa 130 mit Abstecher nach Unterburg

Schwierigkeitsgrad: schwer, mit einer sehr starken Steigung

Ausrüstungstipp: festes Schuhwerk

Download für Wanderprofis: Hier stellen wir Ihnen die Daten für diese Route als gpx-Download zum Wandern mit Smartphone oder GPS-Gerät zur Verfügung. Sie können die Datei in einer entsprechenden Navigations-App hochladen: GPX-Track MuengstenDiederichstempel

Alle Folgen unserer Serie „Wandern mit dem ST“ haben wir hier für Sie aufgelistet: Wandern rund um Solingen mit unseren Entdeckungstouren.

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