Prozess

Sechs Angeklagte vor Gericht: Drogenhandel übers Handy

Drogenkunden eines Marihuana- und Kokain-Netzwerks in Solingen sollen Lieferungen per Telefonanruf bestellt haben.
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Drogenkunden eines Marihuana- und Kokain-Netzwerks in Solingen sollen Lieferungen per Telefonanruf bestellt haben.

Drogenkunden eines Marihuana- und Kokain-Netzwerks in Solingen sollen in Herbst und Winter 2019 ihre Lieferungen per Telefonanruf bestellt haben.

Von Dirk Lotze

Solingen. Das sagte ein 30 Jahre alter Angeklagter aus Gräfrath am Donnerstag im Wuppertaler Landgericht aus. Der Mann muss sich mit fünf weiteren mutmaßlichen Komplizen wegen unerlaubter Einfuhr und Handel mit Betäubungsmitteln aus Holland und dem Ruhrgebiet verantworten. Nach den Anrufen der Kunden auf einem Handy habe er die illegale Ware ausgeliefert und kassiert.

Die Staatsanwaltschaft wirft den sechs Angeklagten zwischen 22 und 37 Jahren aus Solingen und Remscheid sieben Taten vor: Fahrten mit Drogen in unterschiedlichen Transportfahrzeugen, begleitet von einem hochmotorisierten Cabrio. Überwiegend liegen die Mengen jeweils unter 200 Gramm. Dem gegenüber stehen 190 000 Euro und mehrere Kilogramm Marihuana, die Fahnder bei Durchsuchungen im November 2019 sicherstellten.

Die Anspannung zwischen Gericht und Anwälten ist greifbar. Ein Teil der Angeklagten hat Vorwürfe gegen Mitangeklagte bestätigt, die diese wiederum bestreiten. Eindringlich fragt der vorsitzende Richter nach Einzelheiten: „Man wundert sich, dass jemand für so geringe Mengen so einen Aufwand treibt. Solche Mengen Marihuana kann man in Deutschland einfacher kaufen.“ Und: „Was auffällt: Wenn ich die Angeklagten etwas frage, dann antwortet immer ein Anwalt.“ Die Verteidigung weist das zurück. Womöglich dränge man ja die Mandanten bereits zu ausführlicheren Geständnissen – das könne das Gericht nicht wissen.

Der 30-jährige Angeklagte macht umfangreiche Angaben. Das Handy für die Kundenanrufe habe er vom Hauptangeklagten (31), dem angeblichen Organisator. Mit dem sei er auch nach Holland gefahren, um zu lernen, wie die Geschäfte abgewickelt werden. Dort habe er zwar von sich aus nie Fragen gestellt aber beobachtet, wie der Austausch mit dem Lieferanten gehandhabt wurde – damit er alles Nötige selber machen konnte. Sein Lohn: „Ich konnte so viel rauchen, wie ich wollte. Ich musste nicht bezahlen.“ Über den Verkauf in Solingen oder über die einzelnen Abnehmer wolle er nichts sagen.

Laut Gericht belegen Videoaufnahmen der Polizei und mitgeschnittene Telefonate einen Teil der Geschäfte. Die Verhandlung wird am Dienstag fortgesetzt.

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