Nistkasten für den Kirchturm

Die Turmfalken brüten wieder in der Dorper Kirche

Der Falken-Experte für Nistkästen, Rolf Hölterhoff (l.), lobt, wie Küster Gerold Schröter die Bedingungen für brütende Turmfalken schafft. Die Falken sind nach der Einrüstung des Turms zurückgekehrt. Foto: Christian Beier
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Der Falken-Experte für Nistkästen, Rolf Hölterhoff (l.), lobt, wie Küster Gerold Schröter die Bedingungen für brütende Turmfalken schafft. Die Falken sind nach der Einrüstung des Turms zurückgekehrt.

Falken-Experte Rolf Hölterhoff lobt die Bedingungen am Turm des Gotteshauses.

Von Philipp Müller

Solingen. Selbst im Schneegestöber flogen am Freitagmorgen die beiden Falken ihren Horst an. Dieser ist ein Nistkasten in einem Fenster des Turms der Dorper Kirche. Küster Gerold Schröter, der immer im März den Kasten in das Fenster einbaut, ist die Freude anzusehen, dass die Turmfalken wieder an der Krahenhöhe brüten und Junge aufziehen. Zwei Jahre lang war der Turm eingerüstet und der Kasten konnte nicht installiert werden. Großes Lob bekommen Schröter und die Gemeinde Dorp von Rolf Hölterhoff. Er setzt sich seit 40 Jahren für solche Nistmöglichkeiten ein und gilt als Experte auf diesem Gebiet.

Zum Termin hatte Pfarrer Joachim Römelt auch Ernst Clauberg und Manfred Rahm eingeladen. Beide gelten als Männer der ersten Stunde in Sachen Nistkasten für den Kirchenturm. Im Frühjahr 2007 wurde er erstmals aufgestellt. Das sei im Rahmen der damaligen Kirchensanierung beschlossen worden, erinnert sich Rahm. Und der 82-Jährige weiß auch noch dies: „Früher gab es im Turm bis zu 40 Taubennester. Wir mussten den ganzen Boden rausreißen.“ Umso mehr hätten sie sich über die ersten Erfolge gefreut, erzählt der 85-jährige Ernst Clauberg: „Im ersten Jahr lagen vier Eier im Nest.“

Aktuell geht Gerold Schröter davon aus, dass das Falkenpaar nur ein Junges aufzieht. Für Rolf Hölterhoff ist das keine gute Nachricht. Er weist darauf hin, dass der Turmfalke als Kulturfolger des Menschen (siehe unten) nur so viele Eier legt, wie sie vermuten, mit Nahrung auch versorgen zu können. Die Falken gehen auf Mäusejagd. Und die aus dem Turm besonders am Theegartener Kopf, weiß Manfred Rahm.

„Morgens werden wir vom Zwitschern der Vögel geweckt.“

Gerold Schröter, Küster

Geht es nach Hölterhoff, dann sollten wir alle weniger Flächen versiegeln, sonst würde der Falke auf Dauer verschwinden. Doch noch nehmen sie die Nistkästen an. Der Experte nennt beispielsweise den Turm der evangelischen Kirche in Widdert. Aber auch große Nähe zum Menschen schreckt die Greifvögel nicht ab.

Im Turm der Kirche St. Clemens fühlen sie sich auch wohl. Der Vorteil sei dort trotz der engen Bebauung in der Innenstadt, dass der pfeilschnelle Vogel in ein bis zwei Minuten mitten in der Natur sei, wo er auf Jagd gehen könne, sagt Hölterhoff. Aber diese Flächen dürften überhaupt nicht weniger werden. Das Vogelsterben betreffe heute so viele Arten.

„Es ist schön, wenn wir morgens vom Zwitschern der Vögel geweckt werden“, erzählt Gerold Schröter, der direkt neben der Kirche wohnt. Und die Falken seien teilweise sehr laut. Besonders wenn es darum gehe, die Jungen zu den ersten Flugstunden zu überreden. Das wird an der Dorper Kirche noch etwas dauern. Die Brut- und Aufzuchtzeit der Turmfalken hat gerade erst Ende April begonnen.

Glockengeläut störe die Falken dabei gar nicht, steuert Hölterhoff bei. Sie liebten es sogar, denn so seien für Feinde der Falken die Schreie der jungen Vögel im Nistkasten nicht so gut zu hören. Der 79-Jährige geht kurz in sich und erzählt dann, dass er bereits 1973 damit begonnen habe, sich um Falken zu kümmern. Damals seien die Wanderfalken in unserer Gegend ausgestorben gewesen. Lediglich in Bayern und Baden-Württemberg habe es noch welche gegeben. Dann sei das Pflanzengift DDT verboten worden, was die Eierschalen der Falken angegriffen habe.

Er startete mit Mitstreitern ein Projekt, Nistplätze für Wanderfalken zu schaffen. Fabrikschlote hatten sie im Blick. Aber auch das Müllheizkraftwerk an der Sandstraße. Aber es habe dort seit 1995 gut zehn Jahre gedauert, bis ein Wanderfalkenpaar eingezogen sei.

Turmfalken

Rolf Hölterhoff erklärt: Turmfalken sind Kulturfolger. Aufgrund der modernen, gradlinigen Bauten mit ihren glatten und teils verspiegelten Fassaden fehlen den Vögeln allerdings oft Nistmöglichkeiten. Glücklicherweise ist es jedoch einfach, den Tieren hier zu helfen. Entsprechend gefertigte, spezielle Nistkästen werden gerne angenommen. Sie sollten zwölf Meter hoch hängen.

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