Mundart

„Döneker on Stöcksker“ werden geboten

Bei „En Blos voll bongkter Karamellen“ las unter anderem der Mundartautor (Andreas Erdmann) in der Stadtbibliothek. Foto: Tim Oelbermann
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Bei „En Blos voll bongkter Karamellen“ las unter anderem der Mundartautor (Andreas Erdmann) in der Stadtbibliothek.

Mundart-Stunde in der Stadtbibliothek stieß auf großes Interesse.

Von Jutta-Schreiber-Lenz

Solingen. Immer mehr Stühle mussten gestellt werden am Freitagnachmittag im Lichtraum der Stadtbibliothek: Schließlich saßen rund 50 Soljer Platt-Freunde auf sorgfältig auf Abstand gestellten Stühlen und lauschten den „Vertellstöckskern“, „Rimmkern“ on „Dönekers“, die die literarischen Protagonisten zum Besten gaben. Diesmal hatten sich neben Heidi Theunissen und Andreas Erdmann auch Judith Schreiber, Bärbel Groß und Ulrich Langenberg eingefunden, die reichlich literarisches Material zum Motto: „En Blos voll bongkter Karamellen“ mitgebracht hatten.

Mal süß, mal etwas herber waren folglich die Sprach-Bonbons, die der Reihe nach ans Publikum verteilt wurden. Den Zuhörern begegneten zum Beispiel Erdmanns „kleiner Schmetze-Pie“, der in der Bücherei nachdrücklich seinen Winnetou bei Karl Marx suchte und beim Bibliotheks-Personal für Irritationen sorgte.

„Einmal Leichlingen und ein Kind.“ 

Uli Langenberg zitiert eine Frau in einer Anekdote.

Judith Schreiber schwelgte mit ihrem Publikum in Kindheitserinnerungen „em Stöcken“ und „om Hasseldeller Wech“, wo sie „met der Famillich on Fründen ein wunderbare Tid verbreiht haht“. Uli Langenberg nahm die Zuhörer mit zurück in seine Zeit als Busfahrer bei den Stadtwerken. Passend mit Uniform- Mütze und einem Augenzwinkern berichtete er zum Beispiel von einer jungen Frau, die „einmal Leichlingen und ein Kind“ von ihm verlangte und die er mit der grinsenden Antwort beschied: „Die Fahrkarte ist kein Problem, aber wann machen wir das mit dem Kind?“

Nach einer Pause wurde es szenisch. Zwar im Sitzen und ausschließlich vorgelesen, trotzdem aber spannend und interessant, präsentierten Theunissen, Erdmann, Langenberg und Schreiber das Stück „Aul Karamellen“ aus der Feder von Heidi Theunissen. Bärbel Groß übernahm die hochdeutschen Parts: Einleitungen und Überleitungen halfen, das Gehörte einzuordnen. Mit der Lesung in verteilten Rollen ging es tief hinein in die Vergangenheit des alten Solingens. Schleiferfrauen rieben sich auf zwischen ihren Aufgaben als Ehefrau, Mutter, und „Lewerfru“, die „Kondes“ der Familie mussten häufig darum kämpfen, zur Schule zu dürfen, um nicht schon früh am Schleifstein neben dem „Vatter“ zu versauern, der den Nachwuchs gerne als „Hölpes“ em Kotten einsetzen würde. Selbst plagte er sich mit den Anfängen der gefürchteten Staublunge herum und hustete jeden Tag mehr.

Aufmerksam lauschten die Zuhörer den Dialogen: Vor dem geistigen Auge des Publikums drehte sich das Wasserrad des Kottens, wurden die Frauen-Wege hinauf in die Stadt mit der schweren Lewermang auf dem Kopf lang und sauer und die Sorgen und Nöte der damaligen Zeit greifbar und nah.

Hintergrund

Titel: „En Blos voll bongkter Karamellen“ – vergleichbar mit einer Blase voller bunter handgemachter Bonbons, so sollte der Mundart-Nachmittag, der zum zweiten Mal stattfand, sein. Für jeden Geschmack sei etwas dabei, „ob fruchtig-humorvoll, kräuter-kritisch oder pfefferminz-scharf“, so versprach es das Programm.

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