Upcycling- und Do-it-yourself-Markt

Trend zum Selbermachen: Wenn Wertloses wertvoll wird

Marc Kampmann hat einen Hund – und baut Lampen aus dessen leeren Hundefutterdosen. Das restliche Material besorgt sich Kampmann vom Sperrmüll.
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Marc Kampmann hat einen Hund – und baut Lampen aus dessen leeren Hundefutterdosen. Das restliche Material besorgt sich Kampmann vom Sperrmüll.

Auf dem ersten Solinger Upcycling- und Do-it-yourself-Markt vor dem Kulturzentrum Waldmeister gab es viel zu entdecken

Von Andreas Erdmann

Wald Er hat einen Hund, der viel Futter verschlingt: „Da fallen jede Menge Metalldosen an, und ich hab mich gefragt, wie man all diesen Müll wieder verwerten kann“, berichtet Marc Kampmann vom Institut für DIY-Kultur. DIY steht für „Do It Yourself“, selbst machen. Dem hat sich der Verein verschrieben. Kampmann: „Dann kam mir die Idee, aus den Hundefutterdosen Lampenschirme zu bauen.“ Gesagt, getan. „Die fehlenden Materialien wie Kabel, Fassungen und Stangen habe ich mir vom Sperrmüll besorgt.“

„Beim Recycling werden Materialien zu Produkten von minderem Wert. Beim Upcycling wertet man Dinge auf.“

Milena Munsch, Vorsitzende des Vereins für DIY-Kultur

Die ansehnlichen Ergebnisse konnte man nun an Kampmanns Verkaufsstand auf dem ersten Solinger Upcycling- und Do-it-yourself-Markt bewundern, der am Samstag in einem Zirkuszelt vor dem Kulturzentrum Waldmeister an der Holbeinstraße in Wald stattfand. Der Markt wurde als Teil des Trash-Up-Festivals des Vereins für DIY-Kultur in Zusammenarbeit mit dem Kulturverein Waldmeister, dem Cow Club sowie der Cobra durchgeführt. Unterstützung erhielt die Veranstaltung aus dem Förderprogramm „Neustart miteinander“ des Landes NRW.

Christina Clauberg und ihre Kuscheltiere: Sie näht sie aus alter Bettwäsche. Es ist ein Familien-Projekt: Die Motive hat ihr Mann entwickelt.

Am Stand gegenüber bot Martina Radtke upgecycelte Notiz- und Tagebücher an. „Sie sind von mir aus antiquarischen Buchdeckeln gestaltet und künstlerisch umgearbeitet. Dazu habe ich sie teils mit alten Fotos und Borten versehen oder eingefärbt. Ein jedes ist ein Unikat.“ Nicola Pfeiffer hatte auf ihrem Tisch etliche Hand- und Umhängetaschen aufgereiht, die sie aus alten Jeans, Stoffresten, T-Shirts oder Sofabezügen gefertigt hatte. „Die Materialien sind hochwertig, äußerst stabil, sehr gut zu waschen und zu bügeln. Warum sollte man sie also wegwerfen?“ Ihr Meisterstück war eine aus Jeans zusammengenähte große Tasche eines Einkaufstrolleys mit Innenfächern.

Grafikerin Inge Heyen hat alte Kugelschreiber neu ummantelt und aus alten Fotodrucken kleine Taschen produziert.

Anderswo sah man schöne Schmuckstücke aus dem Vinyl alter Schallplatten oder auch aus Getränkedosen-Verschlüssen. Zudem gab es Kuschelkissen, die aus alten Bettbezügen genäht und selbst bunt bedruckt wurden. „Upcycling stellt eigentlich das genaue Gegenteil vom herkömmlichen Recycling dar“, erklärte die Vorsitzende des Vereins für DIY-Kultur, Milena Munsch. „Beim Recyclingprozess werden wertvolle Materialien zerstört oder geschreddert und zu Produkten von minderem Wert weiterverarbeitet. Beim Upcycling hingegen wertet man die Dinge auf – und Altes, Ausrangiertes, nicht mehr Benötigtes wird mit einem Mal wieder wertvoll.“

Auslöser für die „Experimentierwut“ der Aussteller sei die Coronakrise gewesen. Jeder habe alleine bei sich zu Hause gesessen und herumprobiert. Dabei ist es nicht geblieben: „Zukünftig planen wir neben unserem Café-Betrieb in den grünen Waggons an der Korkenziehertrasse eine gemeinsame Upcycling-Werkstatt mit Werkzeug für alle. Auch ein dauerhafter Shop für unsere Produkte ist vorgesehen.“

Upcyceln kann im Grunde jeder: „Würde jeder von uns mehr upcyceln, würden mehr Ressourcen geschont und eine Menge an Müll vermieden“, erklärt Munsch. In jedem Haushalt finden sich Dinge, die man – einmal ausrangiert – wiederverwerten kann. So lassen sich beispielsweise aus alter Kleidung Putzlappen, Taschen oder Flickendecken herstellen. Kaputte Fußbälle und farbige Gummistiefel kann man zu Pflanzgefäßen im Garten umfunktionieren. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Samantha Kumbernuss und ihre Tante Nicola Pfeiffer (r.) mit einem Einkaufstrolley. Alte Jeansstoffe und weitere Textilien werden für Taschen aller Art verwendet.

Neben den wiederverwerteten Produkten wurden auch kulinarische Spezialitäten wie selbst gemachte Flammkuchen mit Federweißer angeboten. „Der erste Upcycling-Markt hat mit gleich zehn Ausstellern aus Solingen und einem regen Besucherverkehr einen tollen Start hingelegt“, resümierte Jürgen Beu vom Verein Waldmeister. „Bestimmt wird’s eine Fortsetzung geben.“

Zum Ausklang am späten Nachmittag spielte die Wuppertaler Sängerin und Songwriterin Ilka Lancelle. Abends schloss sich das Herbstfest des Instituts für DIY-Kultur an. Es spielten die Indieband Mofer, die beiden Rockbands Rest Room Rangers und Ghost Town Traffic sowie das Mighty Hallelujah Terzett.

Verein

Der Verein „Institut für DIY-Kultur“ gründete sich im Juni 2020. Seither wuchs er auf rund 30 Mitglieder an. Neben dem Standbein im Walder Kulturzentrum Waldmeister betreibt er das Café in den grünen Waggons an der Fuhr und arbeitet musikalisch mit dem Cow Club zusammen. Der Verein ist bei Facebook („Institut für DIY-Kultur“) sowie bei Instagram („institutfuerdiykultur“) vertreten.

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