VHS-Reihe

Diskriminierung ist für sie befremdlich

Gülris Dogan (l.) war Talk-Gast von Susanne Koch in der VHS-Reihe „Nachfragen erwünscht.“ Foto: Christian Beier
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Gülris Dogan (l.) war Talk-Gast von Susanne Koch in der VHS-Reihe „Nachfragen erwünscht.“

Gülriz Dogan berichtet in der VHS-Reihe „Nachfragen erwünscht“.

Von Jutta Schreiber-Lenz

Solingen. In einem Erfurter Lokal von einem Kellner nicht bedient zu werden, war kürzlich die erste Diskriminierungserfahrung überhaupt für Gülriz Dogan und „sehr befremdlich und überraschend“. Die neu in den Zuwanderungs- und Migrationsrat gewählte junge Frau mit türkischen Wurzeln, die als Personal-Rekruterin für das Solinger Klinikum arbeitet, war am Donnerstagabend Talk-Gast bei Susanne Koch. In deren VHS-Reihe „Nachfragen erwünscht“ werden regelmäßig für die Stadt relevante aktuelle gesellschaftliche Themen diskutiert.

Wie ihre beiden Schwestern in Solingen geboren, kennt und liebt Dogan das Heimatland ihrer Eltern aus Urlauben bei Verwandten. Kulturell und religiös „haben meine Eltern immer viel Wert darauf gelegt, dass wir Kinder möglichst alles mitmachen“, berichtet sie und überrascht mit der Tatsache, dass sie als Tochter eines Aleviten und einer Sunnitin am evangelischen Religionsunterricht teilgenommen hat.

„Deutschland ist christlich geprägt in Kultur, Gesellschaft und Politik, das wollte und sollte ich unmittelbar kennenlernen. So habe ich viel über andere Religionen erfahren wie Buddhismus und Hinduismus.“

In erster Linie sei sie Mensch, bevor sie in eine Religions- oder Nationalitäten-Schublade gesteckt werden wolle, sagt die 27-Jährige nachdrücklich und begegnet mit dieser offenen Art all ihren Mitmenschen. Daher seien für sie Diskriminierungen, Rassismus, Ausgrenzungen und Abwertungen aufgrund von Hautfarbe oder Herkunft völlig inakzeptabel. Ihre Eltern, insbesondere Vater Ali, derzeit Vorsitzender des Türkischen Volksvereins, haben ihr sowohl diese tolerante Haltung als auch das Engagement dafür auf politischer und gesellschaftlicher-ehrenamtlicher Ebene, vorgelebt.

Dass sich seit des Rechtsrucks in der türkischen Politik viele hier lebende Türken zunehmend „verbunkern“, findet sie ebenso bedenklich wie die wiedererstarkte deutsche „braune Gesinnung“. Sie selbst habe sich intensiv mit der deutschen Nazi-Vergangenheit auseinandergesetzt. „Das intensiv zu tun, fände ich für alle jüngeren Menschen meiner Generation wichtig, egal welcher Nationalität. Um daraus für die Zukunft zu lernen.“

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