Zukunftspreis

Digitale Beratung dank Coachingspace

Benjamin Lambeck (v. l.), Dr. Mischa Hesse und Sören Straßmann nahmen den Preis für Coachingspace entgegen.
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Benjamin Lambeck (v. l.), Dr. Mischa Hesse und Sören Straßmann nahmen den Preis für Coachingspace entgegen.

Remscheider Start-up sind Gründer des Jahres.

Von Nina Mützelburg

Remscheid. „Früher habe ich immer gedacht, eine Beratung muss von Angesicht zu Angesicht stattfinden“, sagt Benjamin Lambeck mit dem Blick auf eine Zeit vor Corona. Lambeck ist systemischer Berater und Coach. Die Pandemie und die damit verbundenen Kontaktbeschränkungen haben ihn vor große Herausforderungen gestellt.

Jetzt wird der ein oder andere das Problem mit Blick auf Skype, Teams und Co. nicht verstehen, ist damit doch zumindest der Kontakt per Videokonferenz möglich. „Es geht nicht nur um den Kontakt, sondern auch um Methoden, die bei der Beratung angewendet werden. Die fehlten in digitaler Form“, erklärte der Remscheider.

Gemeinsam mit seinen Mitgründern Philipp Soßong, Sören Straßmann, Mischa Hesse und Lukas Mundelsee hat er das Start-up Coachingspace gegründet und das geändert. Und dafür den Bergischen Zukunftspreis erhalten.

Das Systembrett ist eine dieser Methoden, die häufig in der Beratung genutzt werden. Auf dem Brett können komplexe Systeme oder Prozesse dargestellt und die unterschiedlichsten Konstellationen ausprobiert werden. Das eignet sich sowohl für die Beratung innerhalb von Familien, aber auch in Unternehmen. Die Methode ist für viele Berater elementar. Um auch während Corona weiter arbeiten zu können, wollte Benjamin Lambeck sie digitalisieren.

„Ich hatte das Glück, dass ich einen genialen Programmierer kenne“, sagt er. Gemeint ist sein Freund aus Kindertagen, Sören Straßmann. Er ist Wirtschaftsinformatiker mit viel Erfahrung in der Programmierung. Gemeinsam haben die beiden Gründer das Systembrett in die digitale Welt gehoben. Es war die erste von fünf Methoden, die Coachingspace auf seiner Plattform anbietet.

System bietet mehr Flexibilität bei der Arbeit

Entwickelt hat das Start-up das Brett auch mit dem Erfinder der analogen Variante, Kurt Ludewig. Gemeinsam mit ihm hat Lambeck das Brett zwei Stunden lang getestet. Und der über 80-jährige Erfinder war direkt angetan. Das Brett hat zwangsläufig auch Funktionen bekommen, die es in der analogen Welt nicht hat. So kann durch einen Kamerawechsel die Perspektive getauscht werden. Der Blick aus der Sicht des anderen wird damit auch visuell ermöglicht. „So kann zum Beispiel ein Vater besser erkennen, wie groß und vielleicht bedrohlich er in den Augen seines Kindes aussieht“, erklärt Lambeck. Familien können auch ohne den Berater weiter an dem Brett arbeiten.

Coachingspace bietet einen niederschwelligen Einstieg, ist kein System und keine App. Die browserbasierte Plattform kann auf allen Endgeräten genutzt werden. „Die Skepsis bei den Beratern, zukünftig auch online zu arbeiten, war anfangs recht hoch. Doch durch die Methoden, die sie auch bisher aus ihrer analogen Praxis kannten, konnten wir schon sehr viele von ihnen überzeugen“, sagt Lambeck. Auf beiden Seiten bietet das System mehr Flexibilität in der Arbeit. „Es ist die ideale Mischung aus der digitalen und analogen Beratung“, sagt er. Coaching wird dadurch auch für Menschen möglich, die vorher aus unterschiedlichen Gründen nicht zu ihrem Berater kommen konnten, weil sie etwa zu weit weg wohnen.

Coachingspace konnte so bereits die Stiftung Phönikks als Kunden gewinnen, die unter anderem mit krebskranken Kindern arbeitet, die das Krankenhaus nicht verlassen dürfen. „Menschen mit schambehafteten Problemen oder welche, die unterdrückt werden, haben über den digitalen Weg eine niedrigere Hemmschwelle. Das System bietet auch ihnen eine Möglichkeit, sich beraten zu lassen“, so Lambeck.

Weitere Kunden sind die Bundeswehr, die so ihre Führungskräfte schult, Unternehmensberatungen und die BAG, die landwirtschaftliche Familienberatung. Die Uni Hamburg ist mit im Boot und untersucht die Wirksamkeit des Online-Coachings. Der virtuelle Raum, der ein großes Fenster hat, bei dem sich Coach und Patient aussuchen können, ob man etwa auf das Meer oder New York blickt, wird monatlich vermietet, digitale Methoden können separat dazugebucht werden.

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