Digitale Angebote: Solinger müssen wählen können

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Die Woche

Von Björn Boch

Die Stadt drückt bei der Digitalisierung aufs Tempo. Noch Anfang August hatte das Tageblatt in einem Kommentar bemängelt, dass eine rein telefonische Terminvereinbarung nicht mehr zeitgemäß sei, auch unabhängig von Corona. Die städtischen Telefonzentralen waren zudem überlastet. Das ST forderte, rasch auch online einen Termin buchen zu können. Das hat die Stadt nun mit der Veröffentlichung der neuen „Mensch, Solingen“-App für Bürgerbüro und Kfz-Zulassungsbehörde möglich gemacht.

Was die App kann, zeigt unser Test (| S. 19) – er beleuchtet ebenso, dass noch nicht alles reibungslos funktioniert beim „digitalen Taschenmesser für die Hosentasche“, das die Stadt in der App sieht. Aber da gilt eine Weisheit aus der digitalen Welt: Wer eine Software auf den Markt bringt, die perfekt funktioniert, ist zu spät dran.

Nicht zuletzt bietet sich jetzt die Möglichkeit, im Austausch mit den Bürgern festzustellen, was nicht so gut klappt, was fehlt – oder was vielleicht auch gar nicht nachgefragt wird. Ob das „städtische“ Wetter etwa einen Mehrwert bietet, darüber werden die Nutzer entscheiden.

Wichtig ist, dass die Stadt wie angekündigt weitermacht – und die Bürgerfreundlichkeit auch digital ausbaut. Ebenso muss die konsequente Digitalisierung in der Verwaltung bei internen Abläufen das Ziel bleiben. Geld dafür ist da, unter anderem über den Fördertopf „Digitale Modellregion“, auf den das bergische Städtedreieck seit 2018 Zugriff hat.

Beim Thema digitaler Bürgerservice darf es aber immer nur ein „zusätzlich“ geben – denn noch bewegen sich nicht alle Solinger sicher in der digitalen Welt. Für eine Übergangszeit muss es also möglich sein, zwischen analogem und digitalem Service zu wählen.

Das wird noch jahrelang so sein, bedenkt man, dass der Siegeszug der Smartphones erst 2007 begann und viele ältere Menschen wenig mit dieser Technik zu tun haben. Allein deshalb werden Politiker und Verwaltung darauf achten, niemanden auszuschließen: Die älteren Mitbürger sind eine wichtige Zielgruppe bei Wahlen.

Mit Blick auf die Arbeitsplätze der Zukunft gilt, dass auch private Unternehmen ihre Hausaufgaben machen müssen. Hin und wieder ist aus dem Rathaus zu hören, dass mehr digitale Infrastruktur möglich wäre, sie aber von den Firmen nicht immer nachgefragt wird, etwa bei Glasfaseranschlüssen.

Der große Unterschied zwischen Stadt und Privatleuten liegt darin, dass in der Wirtschaft Vertragsfreiheit herrscht, Kunden können Anbieter ebenso frei wählen wie Firmen untereinander ihre Geschäftsbeziehungen. Wer den digitalen Wandel verschläft, könnte irgendwann feststellen, dass er nicht mehr gebraucht wird. Nicht nur während der Corona-Pandemie ist die Welt eine andere – auch danach wird es in vielen Bereichen kein Zurück mehr geben. Das Virus beschleunigt – auch aufgrund der notwendigen Kontaktbeschränkungen – den digitalen Wandel rapide.

Der Bürger dagegen kann nicht zwischen einer digital gut aufgestellten und einer analogen Stadtverwaltung wählen – sofern er nicht gleich umziehen will.

Ohligser Bauvorhaben liegen perfekt im Zeitplan.

In den Kitas fehlen mehr als 600 Betreuungsplätze.

bjoern.boch @solinger-tageblatt.de

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