Zöppkesmarkt-Tradition

Die Zöppkesmahlzeit feiert ihr 50-Jähriges

Ulrich Wilde (l.) hat bisher alle Zöppkesmahlzeiten besucht. Zusammen mit Martin Idelberger sah er sich er kurz vor der 50. Ausgabe ein Album der Stadt-Sparkasse zum ersten Treffen im Jahr 1971 an.
+
Ulrich Wilde (l.) hat bisher alle Zöppkesmahlzeiten besucht. Zusammen mit Martin Idelberger sah er sich er kurz vor der 50. Ausgabe ein Album der Stadt-Sparkasse zum ersten Treffen im Jahr 1971 an.

Seit 1971 gibt es das Treffen der Stadtgesellschaft im Clemens-Saal unter dem Dach eines Banken-Kuratoriums.

Von Philipp Müller

Solingen. Freitag um 19 Uhr startet wieder die Zöppkesmahlzeit als Stelldichein der Solinger Stadtgesellschaft im Rahmen des Zöppkesmarkts. In diesem Jahr wird die Zahl 50 doppelt eine Rolle im Clemens-Saal spielen. Es ist die 50. Zöppkesmahlzeit, sie war schon 2020 vorgesehen. Und im vergangenen Jahr hätte sie das 50-jährige Jubiläum gefeiert.

Doch zwei Jahre Absagen wegen Corona haben zur Verschiebung der Würdigung der runden Jahreszahlen geführt. Mit einer Neuerung meldet sich die Mahlzeit aber jetzt zurück. Der Redner darf entscheiden, wem karitativ geholfen werden soll.

Von Anfang an war Ulrich Wilde Gast der Mahlzeit. Der frühere Mode-Unternehmer erinnert sich an viele kleine Anekdoten und besonders an herausragende Redner. So etwa an Eduard Ullrich. Der habe viele seiner Beiträge – Ullrich redete 1979 und 1988 – in Solinger Platt gehalten. Das sei das lokale Salz in der Suppe gewesen. Reden haben Wilde immer gefallen, wenn sie den Menschen in den Mittelpunkt gestellt haben.

Zöppkesmahlzeit: Freunde treffen und Spenden

Auch kommenden Freitag ist er dabei. Und der Grund hat sich für ihn seit 1971 nicht geändert: „Man trifft Freunde und Bekannte. Und wir spenden für den guten Zweck.“ Gerade bei den Spenden gibt es eine Neuerung, wie Marin Idelberger berichtet. Sparkasse, Volksbank, Commerzbank und Deutsche Bank bilden das Kuratorium, welches die Zöppkesmahlzeit ausrichtet.

In diesem Jahr gibt es keine Zöppkesmarkt-Lotterie mehr. „Es war immer schwerer, die Lose zu verkaufen“, erklärt Idelberger. Daher hätten die vier Geldinstitute ihre Geldbeträge zur Verlosung gebündelt. 6000 Euro erhalte der Redner der diesjährigen Zöppkesmahlzeit, um sie unter wohltätigen Organisationen zu verteilen. So soll der Gedanke, mit der Mahlzeit Gutes zu tun, auf breitere Füße gestellt werden – ohne die Kinderstuben zu vernachlässigen, für die weiter traditionell gesammelt wird. Mit Rund 35 000 Euro in diesem Jahr steige die Spendensumme der vergangenen Jahrzehnte auf rund 1,15 Millionen Euro.

Zur Zöppkesmahlzeit hat Ulrich Wilde aber auch kritische Anmerkungen. Anfangs sei schon zu Beginn Schnaps in größeren Gebinden gereicht worden. Darunter habe die Aufmerksamkeit für die Redner extrem gelitten. Idelberger erklärt charmant, da habe es früher einen „handwerklichen Fehler“ gegeben. Auch sei damit geworben worden, bei der Mahlzeit kostenlos Bier und Schnaps „nach Fassungsvermögen“ zu konsumieren. Heute wird der Schnaps erst ganz am Ende der Mahlzeit gereicht.

Und noch etwas möchte Dauergast Wilde seinen Mitfeiernden ins Stammbuch schreiben: „Auch wenn einem die Rede nicht gefällt, gebieten es Anstand und Respekt, sie trotzdem bis zum Ende aufmerksam zu verfolgen.“ Das funktionierte nicht immer, erinnert er sich.

Mythos: Ist die Zöppkesmahlzeit ein reiner Herrenabend?

Mitfeiernde? Ist gendern angesagt? Natürlich erklärt Martin Idelberger und verweist auf einen Bericht zur ersten Mahlzeit im Solinger Tageblatt: Bei der ersten Mahlzeit seien bereits Frauen anwesend gewesen. „Es ist ein Mythos, dass es sich um einen reinen Herrenabend handelt.“ Mit Heidi Theunissen und Dr. Doris Müller hätten auch schon Frauen die traditionelle Rede gehalten.

Die Mahlzeit sei weiter sehr beliebt, erklärt der Sparkassensprecher. Keine Woche habe es gedauert, bis alles ausverkauft war für den kommenden Freitag. Einige Firmen würde die Zöppkesmahlzeit unterstützen, so dass das Ergebnis für den sozialen Zweck hoch bleibe. Am Format werde man weiterhin wenig ändern.

Und aktuell im Zeitgeist sei die Mahlzeit auch 2022. Damit verweist er auf ein Zitat von Oberbürgermeister Heinz Dunkel zur ersten Zöppkesmahlzeit, dass am 4. September 1971 im ST erschien. „Es geht nicht allein um die Kottenbutter, sondern darum, dass man sich in dieser hektischen Zeit einmal trifft und miteinander spricht.“ Rund 300 Besucherinnen und Besucher, darunter Ulrich Wilde, werden es Freitag genauso machen.

Der 52. Zöppkesmarkt selbst dauert von Freitag, 9. September, bis Sonntag, 11. September.

Solinger Kinderstuben

Hans Kümpel gründete einst die Kinderstuben 1968 als Verein. Sie sollten Kindern aus sozial schwierigen Verhältnissen Halt geben. Diese Idee trägt bis heute und weiß viele Förderer an ihrer Seite. Heute sind die Kinderstuben als gemeinnützige GmbH unter dem Dach des Paritätischen angesiedelt. Heute werden drei Kitas unter dem Dach der Kinderstuben betreiben und ein Offenes Ganztagsangebot. Mehr Infos zu den Kinderstuben unter: solinger-kinderstuben.de

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Christoph-Kramer-Tribüne: Weltmeister will in Solingen einsteigen
Christoph-Kramer-Tribüne: Weltmeister will in Solingen einsteigen
Christoph-Kramer-Tribüne: Weltmeister will in Solingen einsteigen
Nachhaltigkeit: Solingen ist Vorreiter
Nachhaltigkeit: Solingen ist Vorreiter
Nachhaltigkeit: Solingen ist Vorreiter
120 Helfer sammeln eine Tonne Müll in der Ohligser Heide
120 Helfer sammeln eine Tonne Müll in der Ohligser Heide
120 Helfer sammeln eine Tonne Müll in der Ohligser Heide
Was wissen Sie über die Geschichte des Gebäudes?
Was wissen Sie über die Geschichte des Gebäudes?
Was wissen Sie über die Geschichte des Gebäudes?

Kommentare