Die Woche in Solingen

Solingen ist reich - trotz seiner Armut

stefan.kob@solinger-tageblatt.de
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In der vergangenen Woche hat Chefredakteur Stefan M. Kob im Wochenkommentar seine Gedanken über das arme Solingen geteilt. Dieses Mal erklärt er, warum Solingen doch reich ist.

Solingen. In der vergangenen Woche habe ich an dieser Stelle noch meine Gedanken über das arme Solingen geteilt.  Inzwischen haben Politik und Sozialverbände den Start einer regelmäßigen Armutskonferenz beschlossen, die das Übel möglichst nachhaltig an der Wurzel packen soll –eine Mammutaufgabe, aber leider alternativlos. 

Doch in Wahrheit ist Solingen gar nicht so bitterarm, wie es der Blick auf den gigantischen Schuldenberg von mehr als einer halben Milliarde Euro vermuten lässt. Solingen ist in Wahrheit reich. Reich an Menschen, die es nicht beim Beklagen von scheinbar aussichtslosen Situationen belassen, sondern beherzt anpacken, um sie zum Besseren zu wenden. 

Dafür gibt es viele Belege, im Kleinen wie im Großen. Aktuell ist da die überwältigende Spendenbereitschaft für die Flutopfer, die binnen weniger Wochen die Millionengrenze überschritt.  

Seit 52 Jahren ist es das Tageblatt-Hilfswerk “Kette der helfenden Hände”, das Ende November mit der alljährlichen Weihnachtsaktion wieder an den Start geht. Die Solinger haben ihrer “Kette” schon fast 8 Millionen Euro an Spenden anvertraut für Mitbürger, die durch Krankheit oder Schicksalsschläge unverschuldet in Not geraten sind. 

Unsere Stadt verfügt darüber hinaus über eine überaus reiche Landschaft von ehrenamtlich tätigen Solingerinnen und Solingern, die sich selbstlos für andere an verschiedenen Fronten einsetzen, von der Altenhilfe bis zum Sportverein. Jedes Jahr hat die Jury des Solinger Bürgerpreises die Qual der Wahl, wem sie die Auszeichnung als “Held des Alltags” verleiht. 

Ganz besonders reich ist Solingen aber an namhaften Unternehmern, die ihren Erfolg mit der Stadtgesellschaft teilen, indem sie Dinge möglich machen, die ohne entsprechende finanzielle Ressourcen niemals zu stemmen wären. Jeder hat schon einmal von der Busch-Stiftung für Senioren gehört, und viele haben die tätige Hilfe genutzt, die insbesondere pflegenden Angehörigen zuteil wird. Der Name ihres Stifters, Walbusch-Seniorchef Thomas Busch, wird aber auch immer genannt, wenn Geld für eine Kirchensanierung fehlt oder ein Gemeindehaus gerettet werden muss. Forst-Chef Michael Kölker sticht heraus, der für 7 Millionen Euro ein Handball-Leistungszentrum gebaut hat, das nicht nur für den Bergischen HC ein wichtiger Erfolgsfaktor geworden ist, sondern auch dem Handball-Nachwuchs zur Verfügung steht. 

Daneben und dazwischen tummeln sich viele weitere Firmenchefs, die privat oder in einem der Solinger Serviceclubs wie Rotary oder Lions Gutes tun. Oder sich schon einmal ganz praktisch einbringen, um für ihre Heimatstadt buchstäblich anzupacken: sei es beim Schlammschippen nach dem Wupperhochwasser oder beim stadtweiten Dreck-weg-Tag. 

In den Kreis der Ermöglicher haben sich jetzt endgültig auch Mirko Novakovic und seine Frau Dragana eingereiht. Der erfolgreiche Unternehmer (Codecentric, Instana) hat die stark heruntergekommene Ohligser Festhalle von der Stadt übernommen und will sie für die ursprünglichen Zwecke wieder herrichten: für Vereinsfeste, Betriebsfeiern, Veranstaltungen und gesellschaftliche Anlässe. Der Stein, der den Ohligsern nach den letzten Jahren des langsamen Verfalls vom Herzen gefallen ist, war stadtweit zu hören. 

Die Beispiele zeigen: Das von einigen gern gezeichnete Zerrbild des Nadelstreifen-Bosses, der nur seinen Profit sucht und sich einen Dreck um die Gesellschaft schert, den kann man in Solingen mit der Lupe suchen. Und: Mag es für die Solinger noch so schick sein, über ihre Stadt zu lästern - in Sachen Heimatliebe und Verbundenheit lassen wir uns von niemandem übertreffen im armen, reichen Solingen. 

TOP: An der Mobilitätswende wird heftig gebastelt im Bergischen.

FLOP: Raus aus den Kartoffeln und nun wieder rein? Unsägliche Debatte über Impfzentren. 

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