Die Woche in Solingen

Die neue IHK oder: Die Versöhnung der zwei „Ökos“ 

bjoern.boch@solinger-tageblatt.de
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Die Industrie- und Handelskammer wird sicher nicht zum Greta-Thunberg-Fanclub, setzt aber einen Akzent bei der Verkehrswende. Die Grünen wiederum gehen ihrerseits auf die Wirtschaft zu. Der Weg zur Versöhnung von Ökonomie und Ökologie ist trotzdem noch weit, schreibt ST-Lokalchef Björn Boch im Wochenkommentar.

Solingen. Vorige Woche ging es an dieser Stelle um unternehmerische Verantwortung und Vorbilder für die Stadtgesellschaft. Der neue IHK-Präsident Henner Pasch denkt diesbezüglich offenbar richtig groß, fordert Mut zur Veränderung – und legt gleich mal vor: Aus der Stadtautobahn soll eine nur noch zweispurige Straße werden, angebunden an Wohn- und Gewerbegebiete – und mit Radweg.

Ein Radweg auf der Vieh? Das denken die Solinger darüber

Damit setzt die IHK einen Akzent bei der Verkehrswende, wenn auch einen, der viel Zeit brauchen wird, um zu wirken, sofern er denn überhaupt kommt. Wer allerdings denkt, die IHK werde zum Greta-Thunberg-Fanclub, der irrt. Dass die Kammer weiter die Interessen der Wirtschaft im Fokus hat, wurde auf dem Jahresempfang mehr als deutlich. Um es mit Paschs Worten zu sagen: Die Vorzüge, die eine lebenswerte Stadt zu bieten habe, müssten bezahlt werden. „Und viele, die das bezahlen, sitzen heute hier.“ Projekte wie den Skywalk in der Müngstener Brücke verteidigte er gegen Kritiker und Zauderer.

IHK-Tenor des Abends: Es müsse zwar stets eine Abwägung gegen andere Interessen stattfinden, etwa mit Blick auf den Naturschutz. Wenn aber eine Firma nicht angesiedelt werden könne, weil etwas geschützt werden müsse, fehle am Ende Geld, etwa für Bildung. Die Belange der Wirtschaft, vermittelte das Podium, kämen zu oft zu kurz. 

Die „Gegenseite“ sah das natürlich anders. Bei einigen Aussagen gab es bei den Grünen Kopfschütteln oder ironisches Gelächter. So weit, so normal. Bemerkenswert war etwas anderes: Wie zahlreich die Grünen beim Empfang vertreten waren. Die Welten nähern sich an, auch durch eine Reihe von Unternehmensbesuchen in jüngster Vergangenheit. Da sei zwar noch zu spüren gewesen, „dass wir denen unheimlich sind“, wie eine Grüne am Rande der Veranstaltung sagte – umgekehrt verhält es sich allerdings genau so. Aber die Berührungsängste schwinden. Die Grünen besuchen übrigens auch das nächste BHC-Spiel – Hilfe bei der Entscheidungsfindung mit Blick auf den Hallenneubau. Soll ja niemand sagen, man sei per se dagegen. 

Dennoch ist die Distanz zwischen der traditionell liberalen IHK und den Grünen größer, als der Blick auf die Ampel vermuten lässt. In den Augen der Wirtschaft würden die Grünen am liebsten jeden Lurch retten – ohne Rücksicht auf Firmen, Investitionen und Beschäftigte. Die Grünen wiederum beäugen argwöhnisch, dass die Unternehmen gerne möglichst unreguliert handeln wollen – und nur darauf setzen, dass der Markt und innovative Technologien das mit dem CO2 schon regeln. Überzeichnet? Gewiss. Es macht aber deutlich, welche Mammutaufgabe vor Henner Pasch liegt, wenn er die beiden „Ökos“, also Ökonomie und Ökologie, miteinander zum Wohle des Bergischen Landes versöhnen will. Dass er der erste Präsident seit Jahrzehnten ist, der nicht aus der Industrie kommt, dürfte dabei helfen. 

Pasch wird für Brüche mit Traditionen stehen, das ist schon jetzt klar. Fortsetzen will er den bergischen Weg seines Vorgängers: Der heutige Ehrenpräsident Thomas Meyer forderte von den Städten immer wieder, über die Stadtgrenzen hinaus zu denken. Die Kammer selbst hat auf diesem Gebiet ebenfalls Nachholbedarf. Die Pointe von Hauptgeschäftsführer Michael Wenge, man habe jetzt ein tolles Präsidium, „das auch mal Termine außerhalb der Stadt des jeweiligen Vizepräsidenten wahrnehme“, saß jedenfalls. 

TOP Nach erneutem Hickhack mit dem Land: Stadt baut Corona-Impfstelle wieder aus.

FLOP Solingen wird zu oft abgehängt: S-Bahnen fallen erneut dutzendweise aus.

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