Die Woche

Die Veränderungen in der City sind eine Zumutung

stefan.kob@solinger-tageblatt.de
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Das Programm City 2030 steuert um: Konzentration des Handels auf einen kleineren Bereich, Nutzung der Leerstände für Wohnen, Gewerbe und Gastronomie.

Von Stefan M. Kob

Solingen. Jede Veränderung ist eine Zumutung. Das dürfen wir durchaus wörtlich nehmen. Denn Veränderung erfordert Mut. Mut, sich auf Neues einzulassen; Mut, vom Gewohnten abzurücken; Mut und Zuversicht, dass in dem Unbekannten mehr Chancen als Risiken stecken. Denn scheinbar ist es sicherer, auf das Bestehende zu bauen, und sei es noch so mangelbehaftet, statt sich auf eine ungewisse Zukunft einzulassen, von der man noch nicht weiß, was sie für einen persönlich bedeutet. Wie heißt es so schön bei dem US-Schriftsteller John Shedd: Ein Schiff im Hafen ist am sichersten, doch dafür werden Schiffe nicht gebaut. Ohne den Drang zur Veränderung wäre die Menschheit wohl nie auf die heutige evolutionäre Stufe geklettert, wäre nie über das Stadium von Höhle, Keule, Lagerfeuer hinausgekommen.

Das müssen wir uns vor Augen führen, wenn wir vor der Frage stehen, ob wir einfach so weitermachen wollen wie bisher, weil es doch gut war in der Vergangenheit. Oder zu neuen Ufern aufbrechen, weil die alten Rezepte nicht mehr zur Lösung neuer Probleme taugen.

Das Schiff Solingen hat, bildlich gesprochen, bereits die Anker gelichtet. Eigentlich ist man sogar schon ein Stück auf die hohe See hinausgefahren und sucht einen neuen Kurs in ganz zentralen Fragen: Wie wollen wir in Zukunft einkaufen, wohnen, mobil bleiben? Jeder weiß, dass wir die Innenstadt der 60er, 70er Jahre mit blühenden inhabergeführten Fachgeschäften nicht wiederbekommen werden. Wenn schon der Einzug eines Tedi oder Kik als Erfolg gegen die drohende Verödung der City gefeiert wird, sagt das mehr als alle Einzelhandelsgutachten.

Das Programm City 2030 steuert um: Konzentration des Handels auf einen kleineren Bereich, Nutzung der Leerstände für Wohnen, Gewerbe und Gastronomie. Mag der Weg unendlich weit erscheinen, eine Alternative gibt es nicht. Daher fügen sich die Pläne der Projektgesellschaft, der die notleidenden Clemens-Galerien gehören, nahtlos in dieses Konzept ein: Sie will die Gebäude von Kaufhof und P & C – einst die Leuchttürme der Solinger Handelslandschaft – abreißen und genau den geforderten Zukunftsmix dort herstellen. Sicher im Vertrauen darauf, dass mehr Wohnen an dieser Stelle auch die Frequenz in den Galerien hebt. Die Politik muss der erforderlichen Baurechtsänderung erst zustimmen. Wenn man aber sieht, dass dieses Baurecht aus den Jahren 1939 und 1955 stammt, weiß man, dass dieser Rahmen für die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts nicht mehr passen kann.

Gleichwohl braucht die Stadt Garantien, dass die schönen Ziele eines Tages auch erreicht werden. Hier hat man in der Vergangenheit leider allzu oft Schiffbruch erlitten – um im Bild zu bleiben. Zumal derzeit die Wellen ohnehin hochschlagen: Sehr viele haben in den letzten 18 Monaten mehr Veränderung erlebt als in den 18 Jahren zuvor. Das kann zu einer gewissen Veränderungsmüdigkeit führen bei all dem Wechsel und Wandel. Aber eben auch zur Erkenntnis, dass man schnell das Positive im Neuen erkennen kann.

TOP Mehrwert auch für die Stadt selbst: Europäische Fachhochschule startet in Ohligs.

FLOP Kleines Ding, großer Ärger: E-Scooter in Solingen.

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