Die Woche von Stefan M. Kob

Die Politik muss sich deutlich mehr Mühe geben

stefan.kob@solinger-tageblatt.de
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Zwei Themen gestern auf unserer ersten Lokalseite spiegeln das ganze Dilemma, in dem wir jetzt stecken.

In Solingen müssen wir uns über den Inzidenzwert, ob er nun auf 35 oder 50 sinken soll, keine Gedanken machen: Wir streben in umgekehrte Richtung wieder über die 100. Hauptgrund: Corona-Ausbrüche in notbetreuenden Kitas, insbesondere durch die besorgniserregende britische Virus-Variante. Was zeigt, dass die Sorge der Politik vor einer dritten Welle keine abstrakte Schwarzmalerei ist.

Darunter steht der Bericht der verzweifelten Leiterin der Erika-Rothstein-Förderschule, die Kinder im Lockdown verliert – gerade die, die Betreuung am nötigsten haben und am meisten unter der Schulschließung leiden. Sie stehen aufgrund ihrer Behinderung ohnehin vor Sprach- und Verständigungsbarrieren, die mit Distanzunterricht niemals überwunden werden können. Was zeigt: Die Sorge der Menschen ist ebenfalls nicht abstrakt, dass die Folgen des Dauer-Lockdowns mindestens ebenso schlimm sind wie die der Erkrankung, die es einzudämmen gilt.

Angesichts der widersprüchlichen Aussagen der Wissenschaftler, der Kakophonie der ungebetenen Ratgeber, des katastrophalen Geschehens in anderen Ländern sind die Verantwortlichen nicht zu beneiden. Sind die klugen Alleswisser nicht insgeheim erleichtert, dass nicht sie, sondern die angeblich so unfähigen Politiker die Entscheidungen treffen müssen? Dennoch: Die jetzt stumpfe Verlängerung des Lockdowns, der urplötzliche Wechsel des Inzidenz-Grenzwerts und die in jeder Hinsicht fehlende Perspektive, lässt auch jene zunehmend verzweifeln, die bisher hinter dem Kurs der Regierung standen. Wie könnte am Ende des Tunnels eine maßvolle, verantwortbare und schrittweise Lockerung der Einschränkungen aussehen? Konzepte wie stimmige Hygienemaßnahmen oder eine konsequente Teststrategie liegen doch auf dem Tisch!

Die Politik muss sich mehr Mühe geben, um das Lager der Corona-Leugner nicht weiter anschwellen zu lassen. Die Glaubwürdigkeitsfalle, in die sich die Regierenden manövriert haben, bedroht immer mehr den ohnehin brüchig gewordenen Zusammenhalt in unserer Gesellschaft. Dass man immerhin bald wieder die Haare schön haben kann, macht die Sache nicht besser. Es wirkt angesichts der Verzweiflung von Eltern und Schülern, Gastronomen und Ladenbesitzern wie Hohn, da ihnen jede Aussicht fehlt, wann und wie es denn mal wieder vorangehen könnte. Dazu kommt die komplett verstolperte Impfstrategie, die sich im Wettlauf mit den Corona-Mutanten noch als verheerend herausstellen kann.

Mühe muss sich jetzt aber auch die Stadt geben. Sie mag sich kurz freuen, dass der vom Schulministerium verschmähte Wechselunterricht nun doch das Mittel der Wahl ist, um ab übernächster Woche die Schulen behutsam zu öffnen. Doch dann muss das Rathaus beweisen, dass unsere Schulen gut vorbereitet sind auf den „Solinger Weg” und die Umsetzung klappt. Die Konzepte dafür sollten schließlich in der Schublade liegen.

TOP Erst nicht so recht gewollt, jetzt hochwillkommen: Soldaten helfen auch bei Tests.

FLOP Stehen in der ersten Reihe der Coronafront, aber nicht beim Impfen: niedergelassene Ärzte in Solingen.

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