Kabarettist

Konrad Beikircher: „Die größte Seuche ist immer noch der Mensch“

Locker im Sitzen plauderte Konrad Beikircher in der Walder Kirche. 150 Besucher wollten sein Programm „Kirchen, Pest und neue Seuchen“ sehen. Foto: Tim Oelbermann
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Locker im Sitzen plauderte Konrad Beikircher in der Walder Kirche. 150 Besucher wollten sein Programm „Kirchen, Pest und neue Seuchen“ sehen.

Vor 150 Zuschauern präsentierte Konrad Beikircher in der Walder Kirche sein Programm „Kirchen, Pest und neue Seuchen“.

Von Andreas Römer

Wald „Wenn et nur dat Corona gewesen wäre . . .“ – Kabarettist Konrad Beikircher präsentierte am Freitagabend in der evangelischen Kirche Wald sein Programm „Kirchen, Pest und neue Seuchen“. 150 Gäste lauschten der Plauderei Beikirchers, der zuletzt 2019 anlässlich der 1000-Jahr-Feier in Wald gastierte. Der Kabarettist bediente natürlich gleich alle Klischees und witzelte als gläubiger, aber aus der Kirche ausgetretener Katholik über die Protestanten, die aus katholischer Sicht per se schon die größten Seuchenträger seien.

„Gendern ist, wenn ein Sachse mit seinem Boot umkippt.“

Konrad Beikircher, Kabarettist

Gleich zu Beginn wurde Beikircher aber ernst, als er auf den Krieg in der Ukraine zu sprechen kam. Er wetterte gegen den russischen Präsidenten Wladimir Putin und forderte ein schnelles Ende des Krieges. Etwas Gutes haben aber anscheinend auch diese schrecklichen Ereignisse. „Die Menschen fühlen, es muss Zeit für ein Ende des Fremdenhasses sein. Es zählt, wie wir lieben und helfen“, sagte Beikircher.

Danach ging es aber wieder um „Wenn et nur dat Corona gewesen wäre . . .“. Konrad Beikircher arbeitete sich am Kölner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki ab, ereiferte sich über dessen Rolle im Vertuschen von Missbrauchsfällen, die gewählte „geistliche Auszeit“ sowie die Rückkehr. Schließlich fand er selbst für Woelki ein paar „positive Worte“. Der Kardinal habe immerhin dem Kölsche Grundgesetz eine Präambel gegeben: „Nur wenn was unterm Teppich ist, ist es auch vom Tisch.“

Beikircher warf Woelki vor, immer nur juristische Fragen zu stellen und niemals die moralischen oder seelsorgerischen. Überhaupt, der Missbrauch in der Kirche, aber auch in anderen Einrichtungen, sei einfach furchtbar.

Beikircher plauderte locker im Sitzen, das haben ihm die Bonner „Südstadtorthopäden“ verordnet. Sicher wissen die Ärzte nicht, dass er immer wieder mit dem Barhocker kippelte. Dabei kam der Kabarettist vom Hölzchen aufs Stöckchen – und wechselte zwischen aktuellen und lang zurückliegenden Ereignissen.

Neben ernsten Passagen streute er Anekdötchen und Witze ein. Mal fand er das Gendern doof: „Gendern ist, wenn ein Sachse mit seinem Boot umkippt.“ Mal war es wichtig, wie man das Wort Virus ausspricht. Für ihn ist die Betonung nämlich wie im Wort „Vieh“ und nicht im Wort „Wie“. Also das „Vi(eh)rus“ sei auch nicht das erste, das die Menschheit heimsuche: „Pest, Cholera oder Ruhr, die Älteren unter uns werden sich erinnern.“

Hin und her sprang Beikircher. Da tauchten die Jedi-Ritter in der Schöpfungsgeschichte auf. Er erzählte von Reklamationen an der Schöpfung, „weil uns Herrjott am Schluss ein bisschen dement war“. Wie sonst sei zu erklären, dass beim Kuckuck beim „Schöpfen“ schlicht das Brutpflege-Gen vergessen worden sei. Seuchen seien immer dann von „uns Herrjott“ geschickt worden, „wenn wir es zu bunt getrieben haben“. Und wenn wirklich jemand glaube, das könne die Menschheit ändern, müsse er tatsächlich etwas dement sein.

Natürlich bekamen auch die Maßnahmen gegen Corona ihren Seitenhieb ab. So einen Aufstand mache man doch auch nicht für die 40 000 Menschen, die sich jedes Jahr an Krankenhauskeimen infizieren und sterben. „Daran haben wir uns wohl gewöhnt“, mutmaßte Beikircher. Und auch die Verschwörungsmythenien bekamen ihr Fett weg. Wobei er schon verstehe, dass wir alle wissen wollen, was Covid denn sei. „Man will ja schließlich nicht sterben an etwas, was man nicht kennt.“

Beikirchers Fazit nach dem zweistündigen Ausflug durch Kirche, Pest und neue Seuchen: „Die größte Seuche auf dieser Erde ist doch immer noch der Mensch.“

Zur Person

Konrad Beikircher, geboren 1945, studierte Musikwissenschaft, Psychologie und Philosophie. Er arbeitete 15 Jahre als Gefängnispsychologe, bevor er 1986 zum Kabarett wechselte. Zur Gemeinde Wald hat er eine persönliche Beziehung: Pfarrer Bernd Reinzhagen und er kennen sich seit mehr als 35 Jahren.

Passend zum Thema: Krieg in der Ukraine: Zeichen für den Frieden erleuchtet Walder Kirche

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