Ausschuss für Stadtentwicklung, Umwelt, Klimaschutz und Mobilität

Dickenbusch in Solingen: Gutachter rät zu Kreisverkehr

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Lösung mit zwei Kreisverkehren erhält gute Noten – CDU und SPD sind sich bei dem Projekt uneins.

Von Björn Boch

Solingen. Das Votum des Experten ist eindeutig: „Der doppelte Kreisverkehr am Dickenbusch ist eine sichere und leistungsfähige Lösung für alle Verkehrsteilnehmer.“ Das sagte Dr. Lothar Bondzio am Montagabend im Ausschuss für Stadtentwicklung, Umwelt, Klimaschutz und Mobilität (ASUKM). Dort stellte der Spezialist seine Untersuchung vor.

Die Kreisverkehre würden vor allem dafür sorgen, dass es künftig möglich sei, von der Kölner Straße nach links in Richtung Friedrichstraße und somit zum Hofgarten, an den Weyersberg und den Mangenberg zu fahren, ohne die Innenstadt zu belasten oder über den Werwolf auszuweichen.

„Das ist ein gravierender Mangel im Verkehrsnetz der Stadt.“
Lothar Bondzio über die fehlende Möglichkeit des Linksabbiegens an der Kölner Straße

Derzeit ist das nicht möglich. „Das ist ein gravierender Mangel im Verkehrsnetz der Stadt“, stellte Lothar Bondzio fest. Mit einer Linksabbiegespur sei das Problem nicht zu lösen. Dazu ist der Knotenpunkt zu stark befahren, in Spitzenzeiten würden laut Untersuchung rund 330 Fahrzeuge stündlich dort links abbiegen wollen.

Die Kreisverkehre sind kaum 75 Meter voneinander entfernt geplant, der kleinere an der Kreuzung Katternberger Straße / Friedrichstraße hätte einen Durchmesser von 28 Metern, der größere an der Ecke Kölner Straße / Katternberger Straße einen von 32 Metern.

In der Simulation, die im ASUKM gezeigt wurde, nannte Bondzio erneut Ergänzungen, die umgesetzt werden müssen, damit die Kreisverkehre funktionieren. Denn bei hohem Verkehrsaufkommen seien Staus zwischen den Kreisverkehren möglich. Zum einen soll ein Bypass dafür sorgen, dass ein Rechtsabbiegen von der Katternberger in die Kölner Straße direkt nach dem ersten Kreisel möglich wird. Außerdem muss die Linksabbiegespur von der Kölner Straße in die Straße Birkenweiher verlängert werden.

Der Knotenpunkt Dickenbusch: An der Ecke Kölner Straße / Katternberger Straße (Bildmitte) und der Ecke Katternberger Straße / Friedrichstraße (im Hintergrund) sind zwei Kreisverkehre möglich.

Diese Kreuzung erhielt in der Untersuchung nur die Note „ausreichend“, die Kreuzung Birkerstraße / Kölner Straße gar ein „mangelhaft“. Dort soll nachgebessert werden, auch mit Blick auf den Sparkassen-Neubau am Neumarkt. „Noch fehlt ein Mobilitätskonzept für die Innenstadt. Es gibt aber den Auftrag, und wir gehen das an“, sagte Stadtdirektor Hartmut Hoferichter (parteilos). Die Verkehrssituation rund um die Sparkasse werde in den nächsten zwei, drei Monaten näher untersucht. Dieser Zusammenhang müsse zwingend einbezogen werden.

Die CDU freute sich über die Präsentation. Waldemar Gluch erinnerte daran, dass es sich bei dem Projekt um eine CDU-Forderung aus dem Jahr 2010 handele, die 2013 einstimmig im Ausschuss beschlossen worden sei. „Dickenbusch ist die Ecke in Solingen, die am besten untersucht ist. Jetzt müssen wir endlich in die Umsetzung gehen“, sagte Gluch. Die Zurückstellung sei ein Fehler gewesen. Hoferichter erinnerte daran, dass zeitweise keine Eigenmittel der Stadt vorhanden waren. Selbst mit Förderung wäre das Projekt nicht umsetzbar gewesen.

Wenig begeistert zeigte sich die SPD. „Diese Kreisverkehre lösen nicht die Probleme. Wir brauchen ein Konzept mindestens für die nächsten zehn Jahre“, sagte Bürgermeister Ernst Lauterjung. Er warnte vor „Stückwerk“ und davor, die Lage zu verschlechtern.

Dietmar Gaida von den Grünen betonte die Notwendigkeit separater Radwege. Die Linkspartei sorgte sich um die Sicherheit von Radfahrern und Fußgängern, insbesondere auf dem Weg zur nahen Grundschule Katternberger Straße. Lothar Bondzio erklärte: Es gebe kaum Unfälle zwischen Autos und Fußgängern oder Radfahrern rund um Kreisverkehre – wegen der niedrigeren Geschwindigkeit. Zebrastreifen seien Teil der Planung. Und auch die Schadstoffbelastung verringere sich. Ein reibungsloses Ausrücken der Feuerwehr aus der Wache an der Katternberger Straße, um das sich die BfS sorgte, könne ebenfalls sichergestellt werden. Die FDP wies darauf hin, dass das Projekt viel Geld kosten werde.

Die Kosten belaufen sich laut Stadtdirektor Hoferichter grob geschätzt auf rund 4 Millionen Euro, einen wesentlichen Teil könnte das Land fördern. „Es gibt allerdings viel Investitionsbedarf im Bereich Verkehr, also auch viel Konkurrenz“, sagte er dem ST. Die Politik müsse daher Prioritäten setzen.

Solingen: Am Werwolf bleibt es bei den Ampeln

Am Werwolf ist ein Kreisverkehr nicht möglich.

Thema in der Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses war auch ein möglicher Kreisverkehr an der Kreuzung Werwolf. Diesem Gedankenspiel erteilte der Experte Dr. Lothar Bondzio eine Absage. Mit rund 35 000 Autos täglich komme ein einstreifiger Kreisverkehr an dieser Stelle nicht in Betracht. Er wäre sofort überlastet.

Der Kreisverkehr müsste also mehrstreifig sein. Varianten mit mehreren Fahrspuren sind in Zusammenhang mit Fußgänger- und Radverkehr aber nicht zulässig. Für diese Verkehrsteilnehmer müssten Brücken oder Unterführungen gebaut werden. „Das ist keine ernstzunehmende Alternative“, fasste Bondzio zusammen. Die Variante war auf Ebene der Bezirksvertretungen Thema. Nun könne man sich sparen, diese Idee weiterzuverfolgen, hieß es im Ausschuss.

Solingen: Eine Lösung für die Bonner Straße soll im August beraten werden

Aufgrund einer Anfrage von BfS-Ratsmitglied Jan Salewski stand überdies ein möglicher Kreisverkehr an der Bonner Straße / Langhansstraße in Ohligs auf der Tagesordnung. Der wäre laut Verwaltung „voraussichtlich umsetzbar“, allerdings seien mögliche Verbesserungen noch ungeprüft.

Zuständig sei der Landesbetrieb Straßen NRW. Ein Termin musste wegen der Corona-Pandemie abgesagt werden, die technischen Voraussetzungen für eine Videokonferenz stünden für die zuständigen Mitarbeiter bei Straßen NRW nicht zur Verfügung, heißt es in einer Vorlage der Stadt. Nun soll es am 4. August ein Treffen geben. bjb

Experte

Die Stadt hat ein externes Büro mit der Untersuchung zu zwei möglichen Kreisverkehren am Dickenbusch beauftragt. Dr. Lothar Bondzio von der Brilon Bondzio Weiser Ingenieurgesellschaft gilt aus bundesweit gefragter Experte auf diesem Gebiet. Die zwei Kreisverkehre am Dickenbusch sind kein gewöhnliches Vorhaben: Es gibt aus Sicht der Verwaltung und des Experten kaum Vergleichbares in einer anderen deutschen Großstadt.

Standpunkt

bjoern.boch@solinger-tageblatt.de

Ein Kommentar von Björn Boch

Nun haben es die Ausschussmitglieder schriftlich und gut begründet vorliegen: Am Dickenbusch muss sich dringend etwas ändern. Dass die Stelle ein „gravierender Mangel“ im Verkehrskonzept der Stadt ist, wird vielen Autofahrern aus der Seele sprechen. Und mit welcher Deutlichkeit erklärt wurde, wie und warum zwei Kreisverkehre die Lage verbessern können, lässt kaum noch Spielraum für alternative Planungen – falls doch, müsste man sich fragen, warum die Kreisverkehre seit zehn Jahren Thema sind. Natürlich ist der Hinweis der SPD richtig, die Maßnahme müsse in Zusammenhang mit dem Sparkassen-Neubau gedacht werden. Wie die Kreisverkehre die Lage allerdings verschlechtern sollen, blieb vorerst im Dunkeln. Die CDU dagegen macht Druck und will eines ihrer verkehrspolitischen Herzensprojekte endlich umsetzen. Für den Wahlkampf ist das ein wunderbares Thema – eigentlich. 

Doch bis Bagger am Dickenbusch rollen, wird viel Zeit vergehen. Und ob die Kosten im nächsten Haushalt, dem ersten nach Corona, überhaupt darstellbar sind, steht noch in den Sternen. Der Wähler darf allerdings gespannt sein, welche Partei die besten Vorschläge für ein Verkehrskonzept in der gesamten Innenstadt bringt.

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